Sterbebegleitung

Zusammenfassung:
Wer einen nahestehenden Menschen während einer schweren Erkrankung oder im Alter über längere Zeit betreut und gepflegt hat, möchte ihn meist auch begleiten, wenn es dem Ende zugeht. Der Wunsch, dem Sterbenden in seinen letzten Wochen, Tagen und Stunden beizustehen, ihm Trost und Liebe zu schenken und sich in Würde voneinander verabschieden zu können, steht dabei im Vordergrund.



Vor einer Sterbebegleitung fürchten sich viele Menschen, weil sie unmittelbar mit dem Tod konfrontiert werden und sie dies zwingt, sich auch mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen. Sterbebegleitung bedeutet, Schmerz, Leid und Trauer gemeinsam zu durchleben. Es bedeutet, für eine Weile den eigenen Alltag zurückzulassen und ganz für den anderen da zu sein.
Immer weniger Menschen erleben den Tod eines Angehörigen zu Hause im Kreis der Familie. Die meisten schwer erkrankten Menschen sterben im Krankenhaus oder im Pflegeheim. Eine Sterbebegleitung durch Angehörige ist grundsätzlich auch in der Klinik, im Heim oder im Hospiz möglich und wird vom dort arbeitenden Fachpersonal in der Regel begrüßt und unterstützt. Es ist jedoch ratsam, frühzeitig mit den behandelnden Ärzten und Pflegekräften darüber zu sprechen, welche Möglichkeiten der Hilfe vor Ort gegeben sind.
Für die Pflege eines Sterbenden zu Hause braucht man praktische Pflegekenntnisse (Pflegepraxis), eine geeignete ruhige Umgebung sowie die nötigen Pflegehilfsmittel. Eine wichtige Voraussetzung ist außerdem die verlässliche Betreuung durch den Hausarzt. Er sollte in der Lage sein, wenn nötig eine ausreichende Schmerzbehandlung durchzuführen, damit der Sterbende nicht unter vermeidbaren Schmerzen leiden muss (Schmerzbehandlung). Sehr hilfreich und entlastend ist die Unterstützung durch erfahrene Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes und/oder einer ambulanten Hospizgruppe. Auch Sterbebegleiter brauchen Trost und Anteilnahme. Es ist wichtig, sich über Gefühle der Angst, der Trauer, Einsamkeit und Erschöpfung mit anderen Menschen auszusprechen. Auch wenn die Sterbebegleitung eine Zeit der Hingabe ist: Die eigenen Grenzen sollten beachtet werden. Gegenseitige Unterstützung und Austausch über das Erlebte ist am besten möglich, wenn zwei oder mehr Angehörige sich in der Pflege abwechseln können.

Zwiesprache mit Sterbenden

Die meisten Sterbenden, soweit sie bei Bewusstsein sind, haben ein großes Bedürfnis nach Austausch und Gesprächen. Ein Todkranker sollte die Möglichkeit haben, über alles zu sprechen, was ihm wichtig ist und ihn bewegt. Ein Sterbebegleiter muss zuhören und offen Anteil nehmen können, er darf auch schwierigen und belastenden Themen nicht ausweichen.
Spätestens wenn der Tod nahe ist, versucht jeder Mensch, mit sich ins Reine zu kommen. Dabei können die unterschiedlichsten Empfindungen aufbrechen, positive wie negative. Wenn ein Mensch zum Beispiel mit seinem vergangenen Leben hadert oder gegen den Tod ankämpft, sollte man als Angehöriger darauf gefasst sein, phasenweise mit Aggressionen und Vorwürfen konfrontiert zu werden. Wichtig ist, solche Reaktionen nicht persönlich zu nehmen, sie möglichst zu akzeptieren und gelassen zu bleiben. Sie entstehen aus Angst, Verzweiflung und Hilflosigkeit. Einem Menschen beim Sterben beizustehen, bedeutet auch, ihn im "Loslassen" zu unterstützen. Abschied zu nehmen heißt, den anderen auch gehen lassen zu können. Ein vielleicht unbewusstes Festhaltenwollen des geliebten Menschen kann es ihm schwer machen, sich mit dem Tod zu versöhnen.
Die meisten Sterbenden spüren den nahen Tod; solche Vorahnungen sollten ernst genommen und nicht "ausgeredet" werden. Wichtiger Inhalt der Zwiesprache mit Sterbenden ist nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft: Wie geht das Leben der Angehörigen nach dem Tod weiter, was wünscht sich der Sterbende für seine Lieben, wie stellt er sich den Gang der Dinge vor. Solche Gespräche können beiden Seiten Trost spenden und trauernden Angehörigen dabei helfen, das Leben wieder neu zu beginnen.
Genauso wichtig wie Gespräche ist der nonverbale Austausch. Sterbende brauchen Zärtlichkeit und Wärme. Wenn das Bewusstsein schwindet, werden sanfte Berührungen zum einzigen Mittel der Verständigung. Verwirrte oder bewusstlose Menschen spüren die Wärme und Nähe ihrer Angehörigen, genießen es, wenn sie liebevoll gestreichelt werden und ihnen jemand die Hand hält. In der letzten Phase vor dem Tod sind eine ruhige Ausstrahlung und die Konzentration auf einen "inneren Dialog" mit dem Sterbenden der wertvollste Beistand.

Hospiz

Die Hospizbewegung entstand Ende der sechziger Jahre in England und findet auch hierzulande immer größere Aufmerksamkeit und Unterstützung. Sterbebegleitung, wie sie die Hospizbewegung versteht, bedeutet: wenig Technik, dafür viel Zuwendung und anteilnehmende Begleitung möglichst durch Angehörige; keine künstlich lebensverlängernden Maßnahmen, aber ausreichende Schmerzbehandlung. In ambulanten Hospiz-Gruppen arbeiten Ärzte, Schmerztherapeuten, Psychologen, Seelsorger und speziell geschulte Laien. Sie unterstützen Angehörige von Todkranken bei der Sterbebegleitung zu Hause, im Krankenhaus oder im Pflegeheim. Sie stehen auch Sterbenden bei, die keine Angehörigen mehr haben. Die spezielle Betreuung Sterbender durch Hospiz-Teams ist auch stationär möglich. Hospize sind keine Krankenhäuser, sondern meist kleine Einrichtungen mit wohnlichen Zimmern und Übernachtungsmöglichkeiten auch für Angehörige der Sterbenden. Die meisten Hospize sind privat geführt. Bei dem Kranken- und Sozialversicherungsanstalten kann man sich über einen Zuschuss zu den (von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich hohen) Kosten informieren.
 
Letzte Aktualisierung:
14.03.2007 (Patricia Herzberger)
Autor:
Sabine Keller
Experten für diese Seite:
Dipl. Krpfl. Günter Dorfmeister
Dipl. Krpfl. Stefan Strusievici

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