Was ist eine Psoriasis-Arthritis?

Bei etwa jedem vierten Patienten mit Schuppenflechte entwickelt sich auch eine Gelenkentzündung. Um Betroffenen besser helfen zu können, müssen Ärzte enger kooperieren

von Barbara Kandler-Schmitt, aktualisiert am 28.01.2016

Patienten, die an einer Psoriasis-Arthritis leiden, erkranken an Haut und Gelenken

iStock/Dave Bolton

Was hat die Haut mit den Gelenken zu tun? Auf den ersten Blick wenig. Daher kommt kaum jemand auf die Idee, beim Hautarzt seine Gelenkschmerzen anzusprechen oder beim Rheumatologen über Hautprobleme zu reden. Das soll sich nun ändern: Fachärzte achten zunehmend auch auf Symptome, die nicht in ihr Fachgebiet fallen. 

Entzündung betrifft nicht nur die Haut

So zum Beispiel bei der Schuppenflechte (Psoriasis): Von der chronisch-entzündlichen Hautkrankheit sind etwa drei Prozent der Deutschen betroffen. Typisch: scharf begrenzte, teilweise juckende Hautveränderungen, die mit silberweißen Schuppen bedeckt sind. Sie treten vor allem an Ellenbogen, Knien und Kreuzbein, an den Nägeln und der behaarten Kopfhaut auf. Doch die sichtbaren Veränderungen sind nur die Spitze des Eisbergs: "Da Schuppenflechte eine chronische Entzündung des gesamten Organismus ist, können auch innere Organe und Gelenke betroffen sein", erklärt Professor Matthias Augustin vom Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.


Der Experte geht davon aus, dass die Hautkrankheit bei 25 bis 30 Prozent der Betroffenen auf die Gelenke schlägt. "Diese Psoriasis-Arthritis wird leider oft nicht erkannt", bedauert Augustin. "Wenn der Hautarzt nicht nachfragt, sagt ihm kein Patient, dass er was an den Gelenken hat." Da die Gelenkstrukturen ohne frühzeitige Behandlung schweren Schaden nehmen können, sei die Früh­erkennung besonders wichtig: "Jeder Monat zählt." Um Diagnostik und Versorgung zu verbessern, haben Psoriasis-Experten bereits vor Jahren natio­nale Versorgungsziele aufgestellt.

Zusammenarbeit zwischen Haut- und Rheumaspezialisten

Offenbar mit Erfolg: Der Anteil der rechtzeitig gestellten Diagnosen ist inzwischen auf fast 80 Prozent gestiegen. Im Jahr 2005 lag er noch bei 20 Prozent. "Die Zusammenarbeit zwischen Haut­ärzten und Rheumatologen hat sich seitdem deutlich verbessert", sagt Augustin. So sprechen viele Dermatologen ihre Psoriasis-Patienten inzwischen gezielt auf Gelenkbeschwerden an.

Betroffene bekommen heute in der Regel schneller einen Termin bei Rheumatologen. Diese haben ihre Hausaufgaben ebenfalls gemacht und sprechen Hautprobleme in der Regel aktiv an: "Wir sehen unsere Patienten ja meist unbekleidet und schauen uns auch die Füße an", sagt der Rheumatologe Professor Ulf Müller-Ladner von der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Psoriasis betreffe oft auch die Fußnägel.

Symptome richtig deuten

Allerdings haben manche Patienten bereits Gelenkprobleme, bevor erste Hautveränderungen auftreten. Dann gilt es herauszufinden, unter welcher Form der Arthritis der Betroffene leidet. Zwar verursacht die Psoriasis-Arthritis ähnliche Symptome, tritt aber häufig an an­deren Stellen auf. "Typisch sind schmerzhafte Schwellungen einzelner Finger- oder Zehenendgelen­ke oder ganzer Finger und Zehen", erklärt Müller-Ladner. "Oft sind auch Sehnen­ansätze oder die Wirbelsäule betroffen."

Morgens seien die Schmerzen am schlimmsten, sie lassen aber im Lauf des Tages nach. Im Röntgenbild kann man neben der zerstörten Gelenkstruk­tur charakteris­tische Knochen­umbau­­ten erkennen. Auch bestimmte Antikörper und Psoriasis bei nahen Verwandten liefern wichtige Hinweise.

Wie die rheumatoide Form wird auch die Psoriasis-Arthritis mit entzündungshemmenden Arzneimitteln behandelt. "Nicht alle Medikamente, die an den Gelenken helfen, bessern auch die Hautsymptome", sagt Augustin. "Kortikoide etwa sind für die Haut von Nachteil." Bei starken Beschwerden hätten sich neuartige Biologika bewährt, die auch die Hauterscheinungen bessern: "Mit den heutigen Therapiemöglichkeiten bekommen wir fast jeden Patien­ten weitgehend beschwerdefrei."



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