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Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH)

Haben Männer Beschwerden beim Wasserlassen, kann das auf eine gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) zurückzuführen sein. Mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie


Die Vorsteherdrüse (Prostata) liegt unterhalb der Blase. Vergrößert sich die Prostata, kann sie die Harnröhre einengen, sodass nach dem Wasserlassen Restharn in der Blase zurückbleibt (Um die komplette Grafik zu sehen, bitte auf die Lupe oben links klicken!)

Was ist eine gutartige Prostatavergrößerung?

Die Vorsteherdrüse (Prostata) ist eine kleine, etwa kastaniengroße Drüse, welche die Harnröhre beim Mann wie ein Ring umschließt. Zusammen mit den Samenbläschen und den Hoden ist die Prostata für die Bildung der Samenflüssigkeit verantwortlich.

Schon ab dem Alter von 30 Jahren kann die Prostata allmählich an Volumen zunehmen. Ab dem 75. Lebensjahr findet sich bei nahezu allen Männern eine gutartige Vergrößerung der Prostata. Das ist aber noch nicht als Krankheit zu werten.



UNSERE EXPERTEN: Professor Dr. med. Christian Stief

Meistens vergrößern sich allerdings genau die Drüsenanteile, die die Harnröhre umgeben. Mögliche Folge: Die Harnröhre wird allmählich eingeengt (siehe Grafik oben). Dadurch kann es zu Beschwerden beim Wasserlassen kommen – und damit zu einer behandlungsbedürftigen gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH). Bei etwa 25 bis 30 Prozent aller Männer mit einer vergrößerten Prostata treten Symptome auf. Probleme beim Wasserlassen stellen die häufigste gutartige Erkrankung des älteren Mannes dar. Mehr zu den Beschwerden lesen Sie im Kapitel Symptome.

Üblicherweise ist es jedoch nicht die Prostatavergrößerung selbst, sondern die Beschwerden beim Wasserlassen sind der Grund, der betroffene Männer zum Arzt treibt. Eine Prostatavergrößerung muss nämlich nicht unbedingt Symptome hervorrufen. Umgekehrt gibt es Männer, die gar keine vergrößerte Vorsteherdrüse haben, aber trotzdem Schwierigkeiten beim Wasserlassen, sogenannte „Symptome des unteren Harntraktes“ oder auf englisch „Lower Urinary Tract Symptoms“ (LUTS). Deshalb werden die gutartige Prostatavergrößerung, LUTS und eine Verengung des Blasenauslasses, die ebenfalls Beschwerden beim Wasserlassen hervorruft und manchmal durch eine Prostatavergrößerung bedingt ist, inzwischen oft als „Beningnes Prostata-Syndrom (BPS)“ zusammengefasst.

Schwierigkeiten beim Wasserlassen umfassen sowohl Störungen der Speicherung des Urins in der Harnblase als auch der Blasenentleerung. Harnspeicherstörungen unterteilen sich in häufiges Wasserlassen am Tag (Pollakisurie), nächtliches Wasserlassen (Nykturie) und einem überfallsartigen Bedürfnis, die Blase zu entleeren (imperativer Harndrang) mit oder ohne Inkontinenz. Harnblasenentleerungsstörungen sind gekennzeichnet durch Symptome wie einen verzögerten Start des Wasserlassens, eine Abschwächung des Harnstrahls, Verlängerung des Wasserlassens sowie einem Restharngefühl.

Diagnose: Da hinter Beschwerden beim Wasserlassen verschiedene Krankheiten stecken können, ist es wichtig, die Symptome frühzeitig beim Arzt abklären zu lassen. Standardisierte Fragebögen, Ultraschalluntersuchungen und spezielle urologische Diagnosemethoden helfen, die Diagnose zu sichern und das Ausmaß der Erkrankung einzuschätzen.



Priv.-Doz. Dr. med. Christian Gratzke

Behandlung: Je nach Befund verordnet der Arzt  zum Beispiel Medikamente oder rät zu einer Operation. Dabei kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz (ausführliche Informationen siehe Kapitel zur Therapie).

Achtung: Die gutartige Vergrößerung der Prostata hat nichts mit Prostatakrebs zu tun und muss von dieser Erkrankung klar unterschieden werden! Mehr über Prostatakrebs erfahren Sie im Ratgeber Prostatakrebs.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Jörg Neisel
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Experten-Sprechstunde mit Professor Rassweiler und Dr. Hruza

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Ist das Krebs-Risiko bei gutartiger Prostatavergrößerung erhöht?

Bisher wurde nicht nachgewiesen, dass eine gutartige Vergrößerung der Prostata (BPH) das Risiko, an einem Prostata-Karzinom zu erkranken, erhöht. Da BPH und Prostata-Karzinom meist von unterschiedlichen Bereichen der Prostata ausgehen, ist ein solcher Zusammenhang auch nicht zu erwarten.

Problematisch in diesem Zusammenhang ist jedoch, dass die gutartige Prostatavergrößerung wie auch der Prostatakrebs den PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen) im Blut, einen wichtigen Faktor im Prostatakrebs-Screening (Früherkennungsuntersuchung), beeinflussen. Bei Vorliegen einer höhergradigen gutartigen Prostatavergrößerung ist der PSA-Wert zur Früherkennung des Prostatakrebses schlechter verwertbar.

 

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Helfen bei gutartiger Prostatavergrößerung auch pflanzliche Mittel?

Die Therapie mit pflanzlichen Mitteln (Phytotherapie) ist geeignet, leichte Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrößerung wie etwa einen etwas abgeschwächten Harnstrahl, eine verlängerte Zeit bis zum Beginn des Wasserlassens, häufigeres Wasserlassen nachts (zwei- bis dreimal pro Nacht) sowie eine leichte Harndrang-Symptomatik zu verbessern.
Zur Anwendung kommen hier vor allem Extrakte der Stechpalme, Brennnesselwurzel, Kürbissamen oder Sägepalmenfrüchte. Ihre Wirkung beruht im Wesentlichen darauf, dass sie die Prostata etwas "abschwellen" lassen.

 

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


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Wann sind bei Prostatavergrößerung spezielle Medikamente nötig?

Männer mit Beschwerden seitens einer gutartigen Prostatavergrößerung (BPH) sollten sich regelmäßig bei einem Facharzt oder einer Fachärztin für Urologie zur Kontrolle einfinden. Arzt / Ärztin und Patient können dann gemeinsam entscheiden, wann der Zeitpunkt erreicht ist, an dem neben pflanzlichen Arzneistoffen auch spezielle Medikamente wie sogenannte Alpha-Blocker und 5-Alpha-Reduktasehemmer eingenommen werden sollten. Dies hängt neben den Untersuchungsbefunden (Grad der Harnstrahlabschwächung, Anzahl der nächtlichen Toilettengänge, Menge an Restharn nach dem Wasserlassen, durchgemachte Harnverhaltungen beziehungsweise -blockaden) auch davon ab, wie sehr sich der Patient von den Symptomen der BPH beeinträchtigt fühlt.

Meist wird die Anwendung spezieller Medikamente bei Restharnbildung von mehr als 100 Milliliter (ml), starker Harnstrahlabschwächung unter 10 ml/sec, mehr als drei nächtlichen Toilettengängen, im Ultraschallbild sichtbarer Harnrückstauung in den oberen Harntrakt oder wenn es mehr als einmal zu akuter Harnverhaltung gekommen ist, verordnet.
Mögliche Nebenwirkungen bei Alpha-Blockern: Absinken des Blutdruckes, Schwindel, Kopfschmerzen, verminderte sexuelle Erregbarkeit.
5-Alpha-Reduktasehemmer können Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, allgemeines Schwächegefühl, Verminderung der sexuellen Erregbarkeit und Impotenz nach sich ziehen.

Wichtig ist, dass diese Medikamente unter ärztlicher Kontrolle angewendet und einschleichend eingenommen werden, das bedeutet, sie am Anfang der Therapie niedrig zu dosieren und langsam zu steigern.

 

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


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Wann operiert der Arzt eine vergrößerte Prostata?

An eine Operation sollte gedacht werden, wenn eine zunehmende Blasenentleerungsstörung mit deutlicher Harnstrahlabschwächung, häufigem nächtlichem Wasserlassen (öfter als viermal pro Nacht), Restharnbildung oder Harnblockaden vorliegt, die sich unter medikamentöser Therapie nicht ausreichend bessern. Wiederholte Blasenentzündungen oder die Bildung von Blasensteinen sowie die Rückstauung von Urin in Harnleiter und Nieren verweisen ebenfalls auf die Notwendigkeit einer Operation der Prostata.

 

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Wann operiert der Arzt die vergrößerte Prostata via Harnröhre?

Die TUR-P oder Prostataresektion über die Harnröhre ist das am häufigsten angewendete Operationsverfahren bei gutartiger Prostatavergrößerung. Dabei wird in Narkose ein Blasenspiegelungsinstrument in die Harnröhre eingeführt. An seinem vorderen Ende befindet sich eine Metallschlinge, mit der das Prostatagewebe unter Sicht „abgehobelt“ wird. Die Späne werden über die Harnröhre durch Spülflüssigkeit ausgeschwemmt und dem Pathologen zur feingeweblichen Untersuchung übersandt. Nur die Kapsel der Prostata bleibt stehen. Um eine zu starke Blutung bei der Abhobelung zu vermeiden, ist die Schlinge an Hochfrequenzstrom angeschlossen, mittels dessen die Gewebeoberfläche bei jedem Schnitt „verschweißt“ wird. 

Für die TUR-P sollte sich der Patient entscheiden, wenn die Beschwerden durch die gutartige Prostata-Vergrößerung so stark sind, dass sie ihn im Alltag deutlich einschränken (zum Beispiel bei sehr häufigem nächtlichem Wasserlassen, stark erschwertem Wasserlassen, Harnverhaltungen, wiederkehrenden Blasenentzündungen durch die Unmöglichkeit der vollständigen Blasenentleerung). Wann dieser Punkt erreicht ist, hängt auch sehr stark vom Empfinden des Patienten selbst ab.

Aus Sicht des Arztes kommt eine TUR-P dann nicht in Betracht, wenn der Patient wegen anderer Erkrankungen nicht narkosefähig ist oder wenn ein Verdacht auf das Vorliegen eines Prostata-Karzinoms besteht (in diesem Fall sollte eine bösartige Erkrankung der Prostata durch eine Gewebeentnahme aus der Prostata ausgeschlossen werden).

 

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


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Wann wird die vergrößerte Prostata via Bauchschnitt entfernt?

Die Operation der gutartigen Prostatavergrößerung über einen Bauchschnitt ist für den Patienten wesentlich belastender als die Operation über die Harnröhre. Aus diesem Grund und durch die Verbesserung der minimal invasiven Methoden in den letzten Jahren wird sie heute kaum noch angewandt. Eine Indikation für die offene Operation sind sehr große "Vorsteherdrüsen" (Prostatae) mit einem Volumen von über 100 ml (das durchschnittliche Volumen liegt unter 30 ml), da hier die Operationszeiten bei transurethralen Eingriffen (über die Harnröhre) unter Umständen zu lang würden. Das könnte durch vermehrte Einschwemmung von Spülflüssigkeit in die Venen zu einer Entgleisung des Salz- und Wasserhaushaltes des Körpers führen. Verschiedene Weiterentwicklungen der Operationsverfahren über die Harnröhre begrenzen diese Gefahr jedoch immer mehr, so dass heute auch große Prostata-Drüsen zunehmend über die Harnröhre operiert werden.
Sollte eine komplette Entfernung der gutartig vergrößerten Prostata nötig sein, so kann diese auch laparoskopisch mit den Techniken der sogenannten „Schlüsselloch-Chirurgie“, also einer Bauchspiegelung anstelle einer offenen Operation durchgeführt werden.


Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza

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Unsere Experten

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Facharzt für Urologie und spezielle operative Urologie, medikamentöse Tumortherapie und Andrologie, ist Chefarzt der Urologischen Klinik der SLK-Kliniken Heilbronn GmbH.

Dr. med. Marcel Hruza ist Assistenzarzt an derselben Klinik.


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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 11.03.2013, erstellt am 13.09.2005
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Jörg Neisel

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