Prostatakrebs: Therapie

Je nach Stadium kommen kontrolliertes Zuwarten, Operation, Bestrahlung, Hormon- oder Chemotherapie zum Einsatz
aktualisiert am 11.08.2017

Operation: Das ist nur eine der Optionen zur Behandlung eines Prostatakarzinoms

Image Source AG/RYF

Die Behandlung richtet sich danach, wie bösartig und wie ausgedehnt der Tumor ist.

Lokal begrenzter Prostatakrebs

In frühen Stadien (T1 und T2), wenn der Krebs noch auf die Prostata beschränkt ist und keine Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet hat, ist eine Heilung durch die komplette Entfernung des Tumors im Rahmen einer Operation möglich. Alternativ kommt eine Strahlentherapie in Frage. Auch sie kann zur Heilung führen.

Bei älteren Patienten mit kleinen, wenig bösartigen Tumoren, kommt es eventuell auch in Frage, einfach abzuwarten, ob der Tumor überhaupt wächst, und erst in diesem Fall eine Behandlung zu beginnen. Dieses "Aktive Überwachung" genannte Vorgehen setzt allerdings eine regelmäßige Bestimmung des PSA, regelmäßiges Abtasten und Ultraschalluntersuchungen der Prostata sowie gegebenenfalls auch die erneute Entnahme von Gewebeproben voraus. Wünschen sehr alte oder kranke Männern keine Operation oder Strahlentherapie mehr, können sie sich palliativ mit Medikamenten behandeln lassen. Eine Heilung ist auf diese Weise aber nicht möglich. 

Als neueste Therapieoption wird an wenigen Zentren die sogenannte fokale Therapie kleiner Tumore angeboten, die dann selektiv unter Erhalt des Gesamtorgans ausgeschaltet werden.


Fortgeschrittener Prostatakrebs

Hat sich der Tumor über die Prostata hinweg zum Beispiel in Enddarm oder Samenbläschen ausgebreitet (T2 und T3) und gleichzeitig aber noch keine Tochtergeschwülste in Lymphknoten oder anderen Organen gebildet (N0, M0), so können entweder eine Operation oder eine Kombination aus Bestrahlung und Hormontherapie zur Heilung führen. Ältere und kranke Männer, die sich weder einem Eingriff noch einer Bestrahlung unterziehen wollen, können entweder unter ärztlicher Kontrolle abwarten, wie der Tumor sich entwickelt oder sich gleich mit Medikamenten behandeln lassen. Eine Heilung ist auf diese Weise aber nicht möglich.

Tumor mit Metastasen

Hat der Tumor bereits Tochtergeschwulste in Lymphknoten oder anderen Organen gebildet, kommt nur noch eine Therapie mit antihormonalen Medikamenten oder eine Entfernung der Hoden (Orchiektonime) infrage. Daran schließt sich nach etwa vier Monaten eine Chemotherapie an.

Die Therapiemethoden im Überblick

W&B/Jörg Neisel

Operation

Ist das Karzinom noch auf die Prostata begrenzt, wird normalerweise versucht, es mit einer Operation komplett zu entfernen und so die Chance auf eine Heilung zu vergrößern. Bei der sogenannten Prostatektomie werden neben der Prostata selbst auch die Samenbläschen und – je nach Risiko – die Lymphknoten des Beckens entnommen. Letzteres geschieht, da diese Lymphknoten die wahrscheinlichste Station für Tochtergeschwülste (Metastasen) sind. Nach der Entfernung der Prostata wird die Harnröhre wieder an die Blase angeschlossen, so dass die Blasenentleerung auf normalem Wege möglich ist.

Eine Alternative zur offenen Operation ist die endoskopische Operation oder Schlüsselloch-Chirurgie durch mehrere kleine Schnitte. Dabei bedient man sich heutzutage in der Regel eines Operationsroboters, über den die ins Becken vorgeschobenen Instrumente von einer Steuerkonsole aus bedient werden können.

Radikale Prostatektomie: Das wird entfernt

W&B/Martina Ibelherr

Unerwünschte Folgeerscheinungen der radikalen Prostataentfernung lassen sich bei aller Sorgfalt nicht immer vermeiden: Am häufigsten sind der Verlust der Erektionsfähigkeit (Impotenz) und ungewolltes Wasserlassen (Harninkontinenz). Eine vorübergehende Harninkontinenz ist relativ häufig und dauert in der Regel ein paar Wochen oder Monate. Zu einer bleibenden Inkontinenz kommt es bei etwa 1 bis 10 Prozent der operierten Patienten, je nach Zentrum und Operateur (siehe auch: Nachsorge und Rehabilitation).

Einschränkung oder der Verlust der Erektionsfähigkeit (Impotenz) treten auf, wenn bei der Prostataentfernung jene Nervenstränge verletzt werden, die für die Erektion verantwortlich sind. Sie laufen rechts und links an der Prostata sowie zwischen Prostata und Enddarm entlang. Je nachdem, wie weit sich ein Tumor ausgebreitet hat, können die Nervenbündel bei der Operation geschont werden.

Die Prostatektomie ist eine sehr anspruchsvolle Operation. Hier ist es von größter Wichtigkeit, sich ein Zentrum beziehungsweise einen Operateur mit viel Erfahrung auszusuchen. Es ist belegt, dass der Erfolg der Operation stark von der Häufigkeit abhängt, mit der sie an einem Zentrum und von einem bestimmten Operateur durchgeführt wird. Das Zentrum sollte mindestens 100, der betreffende Operateur mindestens 50 "radikale Prostatektomien" pro Jahr durchführen. Sie sollten sich auch nach den Ergebnissen Ihres Operateurs erkundigen; kann er Ihnen keine genauen Zahlen nennen, sollten Sie noch eine Zweitmeinung einholen.

W&B/Jörg Neisel

Strahlentherapie

Bei der Strahlentherapie wird energiereiche Strahlung örtlich begrenzt auf den Tumorbereich ausgerichtet. Sie soll die bösartigen Zellen durch Schädigungen ihrer Erbsubstanz (DNA) zum Absterben bringen.

Bei kleinen, auf die Prostata begrenzten Tumoren, kann die Bestrahlung eine Alternative zur Operation sein. Ist der Tumor nicht mehr auf die Prostata begrenzt, sondern hat er sich zum Beispiel auf die Blase oder das Becken ausgeweitet, nimmt die Bestrahlung einen hohen Stellenwert ein – in der Regel in Kombination mit einer Hormontherapie. Darüber hinaus wird die Bestrahlung oft auch zur gezielten Bekämpfung von Knochenmetastasen eingesetzt.

Häufig erfolgt die Bestrahlung der Tumorregion von außen (externe Bestrahlung). Die Gesamtstrahlendosis wird auf kleine Einzeldosen über mehrere Wochen verteilt. Bis der PSA-Wert deutlich sinkt, kann es mehrere Monate dauern.

Bei der Strahlentherapie ist äußerste Präzision wichtig

Strahlentherapie (Radiotherapie)

50 bis 60 Prozent aller Krebspatienten werden im Laufe der Behandlung bestrahlt. Hier finden Sie ausführliche Infos zu dem Verfahren »

Brachytherapie: Kleine Metallstäbchen in der Prostata geben die Strahlung ab

W&B/Martina Ibelherr

Unter bestimmten Bedingungen können alternativ auch winzige radioaktive Metallstäbchen in die Prostata eingebracht werden, so dass die Bestrahlung von innen erfolgt (Brachytherapie).

Obwohl durch moderne Bestrahlungstechniken die Nachbarorgane weitgehend geschont werden, können Beschwerden wie eine Entzündung der Blase oder des Darms auftreten. Als Folge der Strahlentherapie kann es bei der Hälfte und mehr der Patienten auch zu einer Impotenz kommen. Zu Harninkontinenz kommt es nach einer Strahlentherapie nur selten. Weiterhin wurde beobachtet, dass sich nach einer Bestrahlung das Risiko für Dickdarmkrebs erhöht. Daher sollten betroffene Patienten die angebotenen Vor- und Nachsorgeuntersuchungen besonders gewissenhaft wahrnehmen.

Fokale Strahlentherapie

Hierbei handelt es sich um einen noch neuen Therapieansatz, der meist an Zentren angeboten wird. Unter bestimmten Voraussetzungen werden hier kleine, begrenzte und nicht besonders bösartige Tumore unter Erhalt des Gesamtorgans ambulant ausgeschaltet. Zum Einsatz kommen Laser-, Ultraschall- und Kälteverfahren. Potenz und Kontinenz bleiben hier zumeist unbeeinträchtigt, allerdings muss die dauerhafte Tumorfreiheit im Rahmen laufender Studien noch unter Beweis gestellt werden.

Hormonbehandlung

Die Hormonbehandlung kommt zusammen mit einer Bestrahlung im Zuge eines heilenden Ansatzes bei lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinomen infrage. Sie kann entweder vor der Bestrahlung (neoadjuvant) stattfinden, mit dem Ziel, den Tumor zu verkleinern. Oder sie folgt auf die Bestrahlung (adjuvant), um eventuell verbliebene Tumorreste am Wachstum zu hindern. Hat der Prostatakrebs Metastasen gebildet, ist die Hormontherapie gefolgt von einer Chemotherapie das Mittel der Wahl. Palliativ kann eine Hormontherapie auch bei Patienten mit auf die Prostata begrenztem Tumor eingesetzt werden, wenn eine Operation oder Bestrahlung zum Beispiel aus Gesundheitsgründen nicht möglich ist.

Ziel der Behandlung ist es, die Produktion und Wirkung des männlichen Sexualhormons Testosteron zu hemmen. Denn Testosteron unterhält das Wachstum eines Großteils der Zellen des Prostatakrebses. Durch die antihormonelle Therapie wird das Wachstum gehemmt – allerdings nur, solange die Medikamente eingenommen werden.

Drei Methoden der Hormonbehandlung kommen zum Einsatz:

1. Testosteronbildung unterdrücken

Entweder die Hoden – wo Testosteron gebildet wird – werden operativ entfernt – was sehr selten praktiziert wird. Oder betroffene Männer nehmen Medikamente, welche die Testosteronbildung in den Hoden hemmen. Zum Einsatz kommen dabei mehrere chemische Substanzen, unter anderem die LHRH-Analoga beziehungsweise GnRH-Agonisten einerseits sowie die GnRH-Antagonisten andererseits. LHRH-Analoga und GnRH-Antagonisten wirken nach Einnahme ein bis sechs Monate. Hitzewallungen und Schweißausbrüche sind mögliche Nebenwirkungen der dadurch bewirkten Hormonumstellung, lassen sich aber mit Medikamenten in den Griff bekommen. Zusätzlich kommt es zu einer Abnahme des sexuellen Antriebs und zu einer Impotenz. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und Zuckerkrankheit kann sich ebenfalls erhöhen.

2. Testosteron-Wirkung unterbinden

Medikamente einer weiteren Substanzklasse, die Anti-Androgene, verhindern, dass Testosteron sich an die Tumorzelle koppelt und seine Wirkung entfaltet. Anti-Androgene können unter bestimmten Umständen zusätzlich zu LHRH-Analoga eingesetzt werden. Damit wird der Tumor vollständig von wachstumsstimulierenden Hormonen abgeschirmt, die in geringen Mengen trotz der Analoga-Therapie noch vorhanden sind. Anti-Androgene werden auch als komplette Alternative zu LHRH-Analoga eingesetzt, da ihre Nebenwirkungen geringer sind. Durch die Einnahme von Anti-Androgenen kann es zu Störungen im Magen-Darm-Trakt und der Leberfunktion kommen. Häufig schwellen auch die Brustdrüsen schmerzhaft an. Möglich, aber nicht die Regel, ist eine Minderung des sexuellen Lustempfindens und der Potenz.

3. Blockade durch weibliche Hormone

Weibliche Geschlechtshormone (Östrogene), verabreicht in hohen Dosen, können ebenfalls die Testosteronproduktion in den Hoden blockieren. Jedoch werden erhebliche Nebenwirkungen beobachtet, unter anderem auf das Herz-Kreislauf-System und die Blutgerinnung. Diese Therapievariante wird deshalb nicht mehr vorrangig angewandt.

Chemotherapie

Die Chemotherapie wird zum Beispiel beim Vorliegen von Tochtergeschwulsten mit der der Hormontherapie kombiniert. Dabei setzen die Ärzte Medikamente ein, welche die Zellen des Tumors an der Teilung und damit der Vermehrung hindern, sie zum Absterben bringen und damit das Wachsen des Tumors unterbinden. Diese Medikamente heißen Zytostatika. Sie wirken jedoch nicht nur auf den Tumor, sondern auf alle sich schnell erneuernden Gewebe im Körper. Zu den typischen Nebenwirkungen vieler Zytostatika gehören vorübergehende Störungen der Blutzellbildung oder auch Haarausfall sowie Übelkeit und Erbrechen. Prostatakarzinome reagieren auf Zytostatika – allerdings nicht so empfindlich wie manch andere Krebsarten. Die Behandlung bringt auch keine endgültige Heilung, kann aber den Krankheitsverlauf verzögern.

Infusion

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Sogenannte Zytostatika hemmen die Vermehrung von Krebszellen. Lesen Sie hier mehr über die Chemotherapie und ihre Nebenwirkungen »

Schmerztherapie

Bei fortschreitender Erkrankung werden die empfundenen Schmerzen häufig zum Hauptproblem für die betroffenen Männer. Schmerzlindernd können auch eine Chemo- oder Strahlentherapie wirken, im Vordergrund steht aber die Behandlung mit Schmerzmitteln.

Bei schmerzhaften Knochenmetastasen kann eine gezielte Bestrahlung Linderung bringen. Dadurch können gleichzeitig die geschädigten, bruchgefährdeten Knochen wieder gefestigt werden. Auch mit der Gabe von hochdosierten Östrogenen oder von bestimmten radioaktiven Substanzen, die sich in erkranktem Knochen anreichern und ihn von innen bestrahlen, können Rückbildungen der Knochentumore und damit eine Schmerzlinderung erreicht werden (Radionuklidtherapie).


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