Die meisten Männer bekommen irgendwann Probleme mit ihrer Vorsteherdrüse. Jeder Zehnte erkrankt an Prostatakrebs, die Hälfte aller 60-Jährigen hat gutartige Veränderungen, die das Wasserlassen beeinträchtigen, und jeder Dritte erleidet mindestens einmal im Leben eine Prostataentzündung (Prostatitis).
„Bei der Prostatitis stehen die Schmerzen im Vordergrund“, sagt Professor Wolfgang Weidner, Chefurologe des Universitätsklinikums Gießen. Die Männer spüren die Pein im Dammbereich, oft auch im Unterbauch und im Bereich des Hodensacks. Viele Patienten klagen außerdem über Schwierigkeiten beim Wasserlassen und beim Sex: Erektionsbeschwerden sowie frühzeitige und schmerzhafte Samenergüsse beeinträchtigen ihr Liebesleben.
Am leichtesten lässt sich eine akute bakterielle Prostatitis erkennen und behandeln, denn sie geht häufig mit hohem Fieber einher. Beim Kampf der Immunabwehr gegen die Krankheitserreger können sich zudem Eiterherde bilden. Diese erkennt der Arzt im Ultraschallbild – im Einzelfall auch durch eine Röntgenuntersuchung. Mit einem einfachen Urintest lassen sich die Erreger nachweisen.
Leidet ein Patient bereits längere Zeit an den Beschwerden, haben sich möglicherweise Bakterien dauerhaft eingenistet. Um diese chronische bakterielle Prostatitis zu diagnostizieren, massiert der Arzt mit dem Finger die Prostata des Patienten und bittet ihn dann, ein zweites Mal zu urinieren. Die Diagnose steht fest, wenn die Zahl der Bakterien im Harn jetzt mindestens zehnmal so hoch ist wie zuvor.
Manchmal veranlasst der Urologe auch einen Bluttest, um einen bösartigen Tumor als Ursache auszuschließen. Denn bei Prostatakrebs strömt vermehrt das sogenannte prostataspezifische Antigen (PSA) ins Blut.
„Wir wissen, dass der PSA-Wert auch bei einer akuten bakteriellen Prostatitis ansteigt, und zwar auf das bis zu 18-Fache“, ergänzt Wolfgang Weidner. Mit dem Abklingen der Infektion normalisiert sich der PSA-Spiegel allerdings wieder. Die Behandlung einer bakteriellen Prostatitis erfolgt durch Antibiotika, wobei sich der Wirkstoff nach dem jeweiligen Erreger richtet.
Langwierige Behandlung
Die meisten Männer spüren allerdings Schmerzen, ohne infiziert zu sein. Bei jedem Dritten lässt sich eine Entzündungsreaktion nachweisen, bei jedem zweiten Patienten mit einer Prostatitis fehlt auch dieses Krankheitszeichen. Je nach Ergebnis der Untersuchung sprechen Experten von einem entzündlichen oder nicht-entzündlichen chronischen Beckenschmerzsyndrom.
„Für die nicht-bakterielle Prostatitis gibt es keine Standardtherapie“, erklärt Wolfgang Weidner. So verschreiben Ärzte ihren Patienten etwa Entzündungshemmer oder Alpha-1-Blocker. „Bei Hinweisen auf eine Funktionsstörung der Beckenbodenmuskulatur kann man auch Muskelrelaxanzien einsetzen“, ergänzt der Urologe.
„Diese Medikamente gehen bei einer Dauerbehandlung aber oft mit starken Nebenwirkungen einher“, mahnt Professor Hartwig-Wilhelm Bauer, niedergelassener Urologe in München. Er empfiehlt daher, es auch mit pflanzlichen Präparaten aus Roggenpollen, Sägepalmenfrüchten, Brennnesselwurzeln und Kürbiskernen allein oder ergänzend zu versuchen.
Oft helfen außerdem warme Sitzbäder, Entspannungsübungen und Beckenbodengymnastik. „Der Patient sollte die Methode wählen, die den Schmerz am besten lindert“, rät Weidner. „Beim chronischen Beckenschmerzsyndrom“, ergänzt Bauer, „kommt es sehr auf die Erfahrung und das Fingerspitzengefühl des Arztes an.“
Prostata: Die Drüse bildet zwei Drittel der Samenflüssigkeit.
Eiterherd: Das Röntgenbild zeigt einen Abszess (rot) an einem Ausführungsgang der Prostata.
Professor Wolfgang Weidner ist Chefurologe am Universitätsklinikum Gießen und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Urologie.
Dr. Achim Schneider / Apotheken Umschau;
01.10.2010, aktualisiert am 01.10.2010
Bildnachweis: W&B/Szczesny/Neisel, Your Photo Today/Superbild Bildagentur GbR/BSIP, W&B/Bert Bostelmann, iStock/Xyno6
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung