Prostatakrebs ist heilbar, wenn er in einem lokal (örtlich) begrenzten Stadium behandelt wird (klinisches Stadium T1 oder T2, das heißt, wenn es sich um Tumore handelt, die innerhalb der Prostatakapsel liegen). Es darf keine Metastasierung in Lymphknoten, Knochen oder anderen entfernten Organen des Körpers bestehen. Auch bei Tumoren, die schon die Kapsel durchbrochen haben (Stadium T3 und T4), kann noch eine Heilung erzielt werden, die Chancen sind aber deutlich schlechter als bei T1 und T2.
Der Gleason-Score ist eine Skala zur Einschätzung der Bösartigkeit des Tumors in der Prostata. Er wird durch Untersuchung von Proben aus dem Tumor, die mittels Stanzbiopsie gewonnen werden, ermittelt, und hat einen Zahlenwert zwischen 2 und 10. Bei Gleason 2 bis 6 ist die Prognose des bösartigen Prostatatumors sehr günstig, bei 7 und 8 weniger günstig und bei Gleason 9 und 10 sehr ungünstig.
Die Therapie der Wahl nach heutigem Stand der Forschung ist die radikale Entfernung von Prostata und Samenblasen. Sie kann über einen Schnitt vorne oberhalb des Schambeins (retropubisch) oder im Dammbereich (perineal) erfolgen. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich die laparoskopische radikale Prostatektomie (Laparoskopie bedeutet Bauchspiegelung), die ebenso gute Ergebnisse wie die offenen chirurgischen Verfahren bringt, aber Vorteile wie kleine Schnitte (für den Patienten) und eine Kamerasicht mit Vergrößerung (für den Operateur) bietet.
Immer mehr Kliniken bieten die Roboter-assistierte laparoskopische radikale Prostatektomie an. Bei dem System mit dem klangvollen Namen „Da Vinci“ handelt es sich jedoch nicht um einen Roboter, der selbständig am Patienten operieren kann. Vielmehr sitzt ein erfahrener Urologe an einer Bedienungskonsole im Operationssaal und steuert mit seinen beiden Händen die Bewegungen der beiden Roboterarme, die am OP-Tisch die Instrumente führen. Ein zweiter erfahrener Operateur steht steril am OP-Tisch, um zu assistieren und im Notfall eingreifen zu können. Der „Roboter“ hat den Vorteil, dass seine Instrumente im Körper des Patienten besser zu führen und beweglicher sind, so dass komplexe Operationen leichter durchgeführt werden können als mit der klassischen Laparoskopie. Außerdem verfügt das System über ein spezielles Kamerasystem mit zwei Linsen, das dem Operateur eine optimale dreidimensionale Sicht auf das OP-Feld bietet. Ob die Roboter-unterstützte laparoskopische Chirurgie in Bezug auf die funktionellen Ergebnisse (Kontinenz, Potenz) und die Langzeitergebnisse (zum Beispiel in Bezug auf das Wiederauftreten des Krebses Jahre nach der Operation) Vorteile bietet, wird sich erst in der Zukunft zeigen.
Prof. Dr. med. Jens J. Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza
Unsere Experten beantworten in der Sprechstunde "Nieren-Harnwege-Prostata" viele interessante urologische Fragen, die Männer, Frauen und Kinder betreffen können.
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
surfmed/www.apothekenumschau.de;
20.06.2007, aktualisiert am 28.12.2010
Bildnachweis: W&B/Szczesny/Neisel