Eine Organtransplantation ist keine Seltenheit in Deutschland. Im Jahr 2010 erhielten etwa 4000 Menschen ein neues Organ. Und um die 12.000 Menschen in der Bundesrepublik warten derzeit auf eine solche Operation. Ihnen fehlt bisher das benötigte Spenderorgan.
Bevor ein Organ entnommen wird, müssen einige Hürden überwunden werden. Dafür sorgt das deutsche Transplantationsgesetz. Zum einen muss der Tod einer Person eindeutig feststehen, zum anderen muss sie zu Lebzeiten der Entnahme eindeutig zugestimmt haben. Das geschieht entweder mündlich gegenüber Familienmitgliedern oder mit Hilfe eines Organspendeausweises.
Auf einem Organspendeausweis gibt eine Person an, ob und gegebenenfalls welche Organe sie spenden möchte. Wer auf keinen Fall will, dass ihm nach seinem Ableben Organe entnommen werden, kann das ebenfalls auf dem Organspendeausweis vermerken. Doch obwohl in Umfragen rund drei Viertel der Deutschen ihre Bereitschaft zur Organspende erklären, besitzen nur 25 Prozent einen Organspendeausweis.
Um die Zahl der Organspender zu erhöhen, strebt der Gesetzgeber eine Neuregelung des bestehenden Gesetzes an. Nach längeren Verhandlungen einigten sich alle Fraktionen des Bundestags auf die Entscheidungslösung: Die Erklärung für oder wider eine Organspende bleibt damit weiterhin freiwillig. Die Bürger sollen in Zukunft jedoch häufiger mit dem Thema konfrontiert werden. Was das im Detail bedeutet, steht noch nicht fest. Das neue Transplantationsgesetz soll in Kürze ausformuliert und von den zuständigen Gremien verabschiedet werden.
Eben auch, weil sich die Menschen nicht festlegen wollen, stehen in Deutschland weit weniger Organe für Operationen zur Verfügung als eigentlich benötigt. Viele Patienten müssen lange auf die rettende Organtransplantation warten. Manche zu lange. Täglich sterben hierzulande laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation drei Menschen, weil sie vergeblich auf ein Spenderorgan gewartet haben. Und noch viel mehr Patienten werden nach jahrelangem Warten von den Listen wieder abgemeldet, weil sie mittlerweile zu krank für eine Transplantation geworden sind.
Eine Organspende rettet Leben
"Im Durchschnitt werden jedem Spender drei Organe entnommen. Ebenso vielen Menschen wird so ein neues Leben ermöglicht", sagt Professor Dr. Bernhard Banas vom Universitätsklinikum Regensburg und Generalsekretär der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG). Für Banas ist ein Organspendeausweis deshalb eine gesellschaftliche Pflicht. "Außerdem kann jeder selbst in eine Situation kommen, in der er auf eine Organspende angewiesen ist“, gibt er zu bedenken.
Längst besteht ein breiter gesellschaftlicher Konsens, dass Organspenden richtig und wichtig sind. Auch die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland sprechen sich dafür aus.
Für eine Organspende ist fast jeder geeignet. Auch ein hohes Alter oder Vorerkrankungen sind nicht unbedingt ein Ausschlusskriterium. "Die Ärzte prüfen so oder so im Einzelfall, ob das Organ geeignet ist und es nicht von einem Tumor oder einer Infektion befallen ist", sagt Banas.
Dass man für eine Organspende nicht zu alt sein kann, bestätigt auch Birgit Blome von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). "Es hat schon eine 93-Jährige noch einmal eine Niere gespendet und damit anderen Menschen geholfen", sagt sie. Entscheidend ist das biologische, nicht das kalendarische Alter der Organe.
Wichtig: darüber reden
"Viele Menschen setzen sich mit diesem Thema nicht auseinander, weil es für ihr derzeitiges Leben keine Relevanz besitzt", erklärt Blome die geringe Anzahl an Ausweisbesitzern. "Oft ändern Sie ihre Einstellung erst dann, wenn jemand aus ihrem näheren Umfeld auf eine Organspende angewiesen ist", sagt Blome.
Es ist aber wichtig, sich frühzeitig mit dem Thema Organspende zu beschäftigen. Etwa, indem man im vertrauten Kreis der Familie darüber diskutiert. Die DSO hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die Bevölkerung gezielt zu diesem schwierigen Thema aufzuklären und Vorurteile abzubauen.
Ein Ausweis entlastet die Angehörigen
Wer sich mit dem Thema Organspende auseinandersetzt, entlastet damit gleichzeitig seine Familie. Denn ohne eindeutige schriftliche Erklärung des Verstorbenen werden die Angehörigen befragt, ob es im Sinne des Verschiedenen ist, wenn die Organe weiter verwendet werden. Die trauernden Hinterbliebenen sind mit einer solchen Entscheidung oft überfragt. Im Zweifelsfall entscheiden sie sich dann meist gegen die Entnahme.
„Mit einem Organspendeausweis kann man seinen Angehörigen eine solche unangenehme Entscheidung ersparen“, sagt Blome. Der Organspendeausweis schafft Klarheit – ob für oder gegen eine Entnahme.
Wie läuft die Entnahme ab?
Manche setzen sich zwar mit dem Thema auseinander, schrecken aber vor der Vorstellung zurück, ihr Körper könnte nach dem Ableben regelrecht ausgeweidet werden. Doch das ist Unsinn. Für die Organentnahme gelten die selben Regeln wie für jeden anderen chirurgischen Eingriff: "Die Ärzte gehen mit derselben Genauigkeit heran wie bei anderen Operation auch", sagt Banas. Der Körper wird nur an der notwendigen Stelle aufgeschnitten und die Öffnung nach der Entnahme wieder so vernäht, so dass man von außen nichts ansieht. Die Angehörigen können vom Toten somit noch angemessen Abschied nehmen.
"Zudem muss der Hirntod einer Person eindeutig feststehen, bevor Organe entnommen werden dürfen", sagt Banas. Zwei Ärzte müssen unabhängig voneinander diese Diagnose stellen. So sieht es das Gesetz vor. Einem möglichen Missbrauch wird ein Riegel vorgeschoben.
Keine Entscheidung auf Lebenszeit
Ein ausgefüllter Organspendeausweis gilt auch nicht bindend für den Rest des Lebens. "Sie können Ihre Entscheidung jederzeit rückgängig machen, etwa indem Sie einen neuen Ausweis ausfüllen", klärt Blome auf.
Den Ausweis sollte man am besten zusammen mit seinen anderen Papieren mit sich führen, rät Blome. So wird er im Falle eines Falles am schnellsten gefunden. "Es reicht aber auch, wenn die Angehörigen ihn aufbewahren."
Für alle, die sich weiter mit dem Thema Organspende auseinandersetzen möchten, bietet die DSO gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine kostenlose Hotline an. Auf der Homepage der Deutschen Stiftung Organtransplantation gibt es zusätzliches Infomaterial. Einen Organspendeausweis zum Download finden Sie in der Liste rechts neben diesem Artikel. Sie erhalten ihn aber auch bei der DSO.
Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de;
10.05.2011, aktualisiert am 01.12.2011
Bildnachweis: W&B/Bundeszentrale f. gesundh. Aufklärung
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