Plötzlicher Herztod: Unerwartet und tragisch

Das erschütternde Ereignis kommt wie aus heiterem Himmel – oft ist aber ein krankes Herz die Ursache. Was zum plötzlichen Herztod führt und wie sofortige Erste Hilfe Leben retten kann

von Dr. Martina Melzer, 01.03.2016

Er kommt so schnell, so unerwartet – der plötzliche Herztod reißt Menschen aus dem Leben

Shotshop/Kallejipp

Es kann jeden treffen und jederzeit passieren. Urplötzlich sackt ein Mensch in sich zusammen, verliert das Bewusstsein, sein Herz stockt – es kommt zum plötzlichen Herztod. Schätzungen zufolge lässt sich etwa die Hälfte der Todesfälle, die durch Herz-Kreislauf-Krankheiten bedingt sind, auf den plötzlichen Herztod zurückführen. Der tragische Vorfall sorgt immer wieder für Schlagzeilen in den Medien, wenn ein scheinbar kerngesunder Hochleistungssportler während des Wettkampfs tot zusammenbricht.

Junge durchtrainierte Menschen betrifft dies allerdings sehr selten. Weitaus häufiger ereilt das Schicksal Menschen im mittleren und höheren Lebensalter. Männer sind dreimal so oft betroffen wie Frauen.


Ursachen: Was führt zum plötzlichen Herztod?

Die mit Abstand häufigste Ursache ist eine koronare Herzkrankheit (KHK), bei der eine Verkalkung der Herzkranzgefäße vorliegt. Sie betrifft überwiegend Menschen im mittleren und höheren Lebensalter. Daneben kommen weitere angeborene und erworbene Herzerkrankungen als Auslöser in Betracht. Dazu gehören bestimmte Herzrhythmusstörungen wie das lange QT-Syndrom und das Brugada-Syndrom. Auch eine Herzschwäche, ein überstandener Herzinfarkt und bestimmte Herzklappenfehler können das Risiko für einen plötzlichen Herztod erhöhen.

Tritt das Ereignis bei einem jungen Menschen auf – was sehr selten vorkommt – kann ein angeborener Herzfehler wie die sogenannte hypertrophe Kardiomyopathie dahinterstecken. Dabei handelt es sich um einen krankhaft verdickten Herzmuskel. Teilweise ist auch ein entzündeter Herzmuskel schuld – Ärzte sprechen von einer Myokarditis. Er ist vielfach die Folge eines grippalen Infekts.

Obwohl dem Herztod fast immer ein erkranktes Herz zugrunde liegt, taucht das Ereignis bei den meisten Betroffenen unerwartet auf. Denn bis zu diesem Zeitpunkt blieb das Leiden unentdeckt.


Überlebenschancen hat der Betroffene nur, wenn ihm rechtzeitig geholfen wird

Corbis/Cultura

Symptome: Kündigt sich das Ereignis an?

Bei einem Teil der Patienten kündigt sich das Ereignis nicht an. In anderen Fällen gibt es jedoch Vorboten, die für einen plötzlichen Herztod sprechen. Sie treten einige Stunden vor dem Ereignis auf, manchmal auch Tage bis Wochen zuvor. Dazu gehören: Neue oder sich plötzlich verschlechternde Symptome wie Brustschmerzen, Bewusstseinstrübung, Ohnmacht, Herzklopfen und Luftnot. Eine Studie mit 839 Teilnehmern, die im Fachmagazin Annals of Internal Medicine veröffentlicht wurde, zeigt: Bei jedem Zweiten kündigte sich der plötzliche Herztod durch Beschwerden an. Sie traten vorwiegend innerhalb von 24 Stunden vor dem Herzversagen auf. Meistens handelte es sich um Brustschmerzen und Atemnot.

Nur 19 Prozent der Studienteilnehmer hatten den Notarzt gerufen. Dabei hätte er Leben retten können. Deshalb wichtig: Bemerken Sie solche Beschwerden, dann rufen Sie umgehend den Notarzt beziehungsweise wählen Sie die 112 (mehr dazu im Abschnitt Erste Hilfe).

Der direkte Auslöser eines plötzlichen Herztodes ist meistens das Kammerflimmern. Durch diese Herzrhythmusstörung pumpt das Herz nicht mehr regelmäßig, sondern zuckt nur noch unkoordiniert. Es befördert kein Blut mehr in den Kreislauf. Als erstes leidet das Gehirn darunter. Fehlt Blut und damit Sauerstoff, setzt das Hirn seine Funktionen aus – der Betroffene verliert das Bewusstsein. Kurz davor kann es zu Symptomen wie Schweißausbruch, Luftnot und Enge in der Brust kommen.

Statt einem Kammerflimmern kann seltener auch ein unmittelbarer Herzstillstand den Herztod auslösen.

Leben retten: Erste Hilfe leisten

Sackt ein Mensch wie aus heiterem Himmel zusammen, liegt bewusstlos am Boden und atmet nicht, dann leisten Sie Erste Hilfe! Der Betroffene hat nur die Chance zu überleben, wenn sofort Wiederbelebungsmaßnahmen ergriffen werden.

Rufen Sie die 112

Machen Sie Herzdruckmassage

Lassen Sie sich von anderen dabei helfen

Ist ein Defibrillator vor Ort, benutzen Sie diesen

Sie können dabei keine Fehler machen. Das Gerät zeigt in der Regel automatisch die richtigen Schritte an. Dieses Video erklärt die Abläufe ausführlich: Erste Hilfe bei Herzstillstand.

Wer den Vorfall überlebt, dem raten Ärzte in vielen Fällen zu einem implantierbaren Defibrillator. Er überwacht unter anderem den Herzrhythmus und gibt einen elektrischen Schock ab, wenn es zum Kammerflimmern kommt. Teilweise werden auch andere Maßnahmen erforderlich, etwa ein Bypass, der den Blutfluss im Herzen wieder verbessert oder eine spezielle Katheterablation. Hierbei spüren Spezialisten mit einem Katheter den Ursprung der Herzrhythmusstörung auf und schalten diese aus.

Vorbeugen: Kann man sich vor dem plötzlichen Herztod schützen?

Menschen, die an einer koronaren Herzkrankheit leiden, sollten deren Ursache gezielt bekämpfen. Meistens spielen Cholesterinablagerungen in den Blutgefäßen ursächlich eine Rolle. Neben der Einnahme von Medikamenten lässt sich durch einen gesünderen Lebensstil viel erreichen: Rauchen Sie nicht, trinken Sie Alkohol nur in geringen Mengen, ernähren Sie sich ausgewogen. Haben Sie Diabetes oder Bluthochdruck, gilt es, diesen effektiv zu therapieren.

Junge Menschen, die engagiert Sport treiben und vielleicht auch an Wettkämpfen teilnehmen, sollten regelmäßig eine sportmedizinische Untersuchung wahrnehmen. Dabei lassen sich Herzprobleme vielfach erkennen. Für Hochleistungssportler ist dies teilweise schon Pflicht.

Wer sich noch nie aktiv betätigt hat oder längere Zeit pausiert hat, sollte ebenfalls einen Check-up machen. Ab einem Alter von 35 Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen alle zwei Jahre die Kosten für einen Gesundheits-Checkup, bei dem auch Herz und Kreislauf überprüft werden. Teilweise bieten Versicherer inzwischen auch an, die Kosten für eine sportmedizinische Untersuchung zu tragen. Fragen Sie bei Ihrer Kasse nach.

Regelmäßige Bewegung gilt als eine der besten Möglichkeiten, um das Risiko für einen plötzlichen Herztod zu senken. Fachleute betonen: Auch wenn es selten durch übermäßige körperliche Belastung zu dem fatalen Vorfall kommt, überwiegen die schützenden Effekte von angemessenem Sport bei weitem. Sprechen Sie das individuelle Pensum mit dem Arzt ab. Belasten Sie sich nur moderat – so, dass Sie sich dabei noch unterhalten können. Treiben Sie keinen Sport, wenn Sie erkältet sind und warten Sie danach, bis Sie sich wieder erholt haben.

Frischen Sie Ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse auf. Insbesondere wenn bekannt ist, dass Ihr Partner oder ein naher Angehöriger ein hohes Risiko für einen plötzlichen Herztod hat, sollten Sie in Erster Hilfe geschult sein.


Unser Experte: Professor Wolfram Delius, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie

W&B/Bernhard Huber

Beratender Experte: Professor Dr. med. Wolfram Delius, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie mit einer Praxis in München


Quellen:

Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek K, 6. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer Verlag 2009

Mayo Foundation for Medical Education and Research (Mayo Clinic): Sudden Cardiac Arrest. Online: http://www.mayoclinic.com/health/sudden-cardiac-arrest/DS00764 (Abgerufen am 11.11.2013)

Deutsche Herzstiftung: Plötzlicher Herztod: Ist Sport gefährlich oder schützt Sport vor dem fatalen Ereignis? Online: http://www.herzstiftung.de/Ploetzlicher-Herztod-Sport.html (Abgerufen am 11.11.2013)

Bundesinstitut für Sportwissenschaft und Deutscher Sportbund - Bereich Leistungssport: Plötzlicher Herztod beim Sport. Online: http://www.uni-saarland.de/fileadmin/user_upload/Fachrichtungen/fr227_Sportmedizin/Downloads/Plötzlicher_Herztod_beim_Sport.pdf (Abgerufen am 11.11.2013)

World Medical Library (Medscape): http://emedicine.medscape.com/article/151907-overview (Abgerufen am 11.11.2013)

Bonow, Mann, Zipes, Libby: Braunwald´s Heart Disease, 9. Auflage Elsevier 2012

Annals of Internal Medicine 2016: http://annals.org/article.aspx?articleid=2478157


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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