Vaterschaftstest: Wer ist wirklich der Papa?

Ob ein Mann der leibliche Vater eines Kindes ist, lässt sich im Erbgut feststellen. Welche strengen Regeln für den Test gelten

von Dr. Achim Schneider, aktualisiert am 06.01.2016

Starke Bande: Eine Vaterfigur ist für Kinder wichtig

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"Pater semper incertus", wussten bereits die alten Römer. Damit meinten sie, dass es keine Gewissheit darüber gibt, wer der Vater eines Kindes ist. Diese Aussage ist allerdings inzwischen überholt. Denn moderne genetische Analyseverfahren können die Vaterschaft nachweisen oder ausschließen.

Humangenetiker benötigen dafür lediglich einige Körperzellen aus der Mundschleimhaut oder dem Blut. Prinzipiell reicht es aus, die Proben von Mann und Kind zu vergleichen. Doch besser ist es, auch die Mutter zu testen. Denn das Kind trägt die Erbanlagen beider Eltern. Ein zusätzlicher Grund für die Untersuchung der Mutter besteht darin, dass die Identität eines Kindes nur über den genetischen Vergleich mit der Mutter bestätigt werden kann. Daher wird in den seit 2012 gültigen Richtlinien der Gendiagnostikkommission zu Abstammungsgutachten empfohlen, auf die Einbeziehung der Kindesmutter nur dann zu verzichten, wenn diese für die Untersuchung nicht zur Verfügung steht.


Muster im Erbgut

Routinetests vergleichen mindestens 15 Stellen im Erbgut miteinander. Bei gemeinsamer Untersuchung von Mutter, Kind und möglichem Vater genügt dies in der Regel, um eine Vaterschaft mit 99,9-prozentiger Wahrscheinlichkeit festzustellen oder auszuschließen. Wird diese Sicherheit nicht erreicht, können weitere Analysen erfolgen.

Dabei handelt es sich streng genommen nicht um Gentests. Denn die Analysen liefern keine Hinweise auf Körpermerkmale und Erbkrankheiten. Sie zeigen nur, wie stark sich bestimmte Erbgutmuster ähneln. Trotzdem gelten für die Tests die strengen Regeln des Gendiagnostikgesetzes vom Februar 2010. Es legt beispielsweise fest, dass nur die unmittelbar Beteiligten den Test veranlassen dürfen: der benannte Vater, die Mutter und das Kind. Im Einzelfall vertritt das Jugendamt die Interessen des minderjährigen Kindes.

Familienfriede in Gefahr

Am häufigsten sind zweifelnde Väter die treibende Kraft: etwa Ehemänner, die ihre Partnerin verdächtigen, dass ein Nebenbuhler den Nachwuchs gezeugt hat. "Kluge Ehefrauen tun gut daran, dem Wunsch ihres Mannes nachzugeben", meint Professor Peter Schneider vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Köln und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Abstammungsbegutachtung.

Selbst wenn die Mutter weiß, dass niemand anders infrage kommt, fördere es den Familienfrieden, die Zweifel des Partners mit dem Test auszuräumen. Stellt sich aber heraus, dass der Partner tatsächlich nicht der Kindsvater ist, kann das Vertrauensverhältnis auch dauerhaft gestört sein.

Manche Beziehungen sind allerdings längst beendet, wenn das Kind auf die Welt kommt. "Dann liegt es nahe, dass der benannte Vater möglichst frühzeitig überprüfen lässt, ob das Baby wirklich von ihm stammt", sagt Schneider. Denn hat er seine Vaterschaft anerkannt, übernimmt er alle damit verbundenen Pflichten. Vorgeburtliche Vaterschaftstests sind allerdings durch das Gendiagnostikgesetz streng verboten; die einzige Ausnahme ist ein Test im Falle eines sexuellen Missbrauchs, wenn neben dem Täter auch der Partner als möglicher Vater in Betracht zu ziehen ist.


Im Zweifel entscheidet das Familiengericht

Entscheiden sich Mann und Frau nicht einvernehmlich für den Test, wird die Angelegenheit vor dem Familiengericht ausgetragen. "Dieses ordnet dann eine Abstammungsbegutachtung an", sagt Schneider. Stellt sich dabei heraus, dass der benannte Mann tatsächlich der leibliche Vater ist, muss er dem Kind so lange Unterhalt zahlen, bis es volljährig ist und die Berufsausbildung abgeschlossen hat. Zudem trägt der Vater die Kosten für das Gutachten und das Gerichtsverfahren, falls er keine Prozesskostenhilfe erhält.

Umgekehrt kann ein Mann die Vaterschaft vor Gericht anfechten, jedoch nur innerhalb von zwei Jahren nach der Geburt des Kindes. Ist das Kind älter, muss er triftige Gründe vorbringen, um dann noch eine Anfechtungsklage zu erwirken. Schneider: "Das kann ein alter Liebesbrief von einem Nebenbuhler sein, den der Vater entdeckt. Manchmal erfährt ein Mann auch im Nachhinein, dass er zeugungsunfähig ist."

Die Zweijahresfrist setzt dann mit dem Datum ein, an dem der Mann von den Umständen erfährt, die gegen seine Vaterschaft sprechen. Hat er mit seiner Klage Erfolg, so verliert er allerdings auch sämtliche Rechte gegenüber dem Kind.

Um diese Härten zu vermeiden, hat der Gesetzgeber vor einigen Jahren eine Alternative geschaffen. Paragraph 1598a BGB ermöglicht es dem Kind, dem gesetzlichen Vater und der Mutter, die Mitwirkung aller Beteiligten am Test gerichtlich zu erzwingen. Dieser muss privat veranlasst werden, das Ergebnis dürfen nur die betroffenen Personen erfahren. In der Praxis nutzt meist der Mann diese Möglichkeit. Stammt das Kind nicht von ihm ab, kann er entweder die Angelegenheit auf sich beruhen lassen oder die Vaterschaft anfechten.

Sorgeberechtigte müssen dem Test zustimmen

Das Gendiagnostikgesetz verbietet Tests ohne schriftliche Einwilligung der Sorgeberechtigten. So entnehmen manche Männer heimlich eine Speichelprobe vom Kind und beauftragen ein Labor, die Vaterschaft zu überprüfen. Erfährt die Mutter davon, kann sie den Mann auf ein Bußgeld von mehreren tausend Euro verklagen. Auch das Labor macht sich strafbar, wenn es ohne Einwilligung der Sorgeberechtigten testet. Schneider: "Das schützt die Persönlichkeitsrechte des Kindes." Darüber hinaus müssen die Beteiligten vorab über alle Details der Untersuchung aufgeklärt werden.

Hohe Qualitätsstandards durch Akkreditierung

Bei einem Vaterschaftstest gibt es strenge Anforderungen an den Sachverständigen, der von der Probenentnahme bis zum fertigen Gutachten verantwortlich ist. Die dafür nötige Qualifikation kann er zum Beispiel nachweisen, indem er den Titel "Fachabstammungsgutachter/in (DGAB)" erwirbt. Diesen Titel vergibt die Kommission zur Feststellung der Qualifikation von Abstammungsgutachtern (KFQA). Das untersuchende Labor muss zudem eine Akkreditierung nach der Norm DIN ISO/IEC 17025 besitzen, mit der es ein umfassendes Qualitätsmanagementsystem nachweist. Besonders preiswerte Anbieter von Vaterschaftstests im Internet erfüllen diese Anforderungen oftmals nicht. Denn dahinter können sich ausländische Labore verbergen, die den Vorgaben der deutschen Gesetze nicht unterworfen sind.



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