Psyche:
Tränen können Beziehungen stärken

Weinen ist ein evolutionär höchstinteressanter Vorgang. Tränen können viele verschieden Reaktionen bewirken

"Tränen lügen nicht" Das wusste Michael Holm schon in den Siebzigern

Medizinisch gesehen Zeichen eines körperlichen oder seelischen Leidens, ist Weinen im Leben jenseits der Lehrbücher Zeichen von so viel mehr. Wir heulen aus Freude, aus Trauer, aus Verzweiflung, aus Wut. Und es gibt viele weitere Auslöser. Diese Diversität faszinierte Dr. Oren Hasson von der Tel Aviv University. Der Biologe hat sich mit den evolutionären Gründen des Weinens beschäftigt, und fand jetzt heraus: Tränen scheinen zwischenmenschliche Beziehungen sogar zu stärken.

 

"Weinen ist ein höchst entwickeltes menschliches Verhalten", so Hasson. "Tränen geben zum Beispiel einen Hinweis darauf, wie zuverlässig bestimmte Informationen sind." Außerdem nimmt ein Tränenschleier die klare Sicht. Er versetzt den Weinenden in eine leicht verwundbare Lage. So liefert er sich dem Gegenüber in gewisser Weise aus.

 

Dadurch rufen Tränen bei einem friedlich gestimmten oder geliebten Tröster Mitgefühl und Führsorglichkeit hervor. Bei einem vormals feindlich gesinnten Gesprächspartner können sie hingegen zu Mitleid oder Rücksichtnahme führen. "Beide Reaktionen sind einfach nur menschlich", so Hasson. Tränen können Verbindungen und Freundschaften stärken. Tabus gibt es aber trotz allem noch. Zum Beispiel ist es selten ratsam im Arbeitsalltag Krokodilstränen fließen zu lassen. Vor allem gilt das noch immer unter Männern.

 

Hasson nutzt seine Erkenntnisse unter anderem für Fortschritte in der Beziehungstherapie. "Frauen schämen sich immer noch viel zu oft für ihre Tränen. Sie sollten sich nicht dumm oder schwach fühlen", findet Hasson. Die Kullertränen zeigen doch nur, dass sie zu ihren Gefühlen stehen. Die meisten wollen einfach nur einmal in den Arm genommen werden.


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