Frisch verliebt: Was passiert im Körper?

Schmetterlinge im Bauch? Frisch verliebte Menschen schweben sozusagen auf Wolke sieben. Auch auf den Organismus wirkt sich das Gefühlschaos aus

von Bettina Dobe, 30.06.2015

Wenn zwei sich lieben: Verliebtheit löst eine Achterbahnfahrt der Hormone aus

iStock/Photo Q.

Frisch verliebte Menschen benehmen sich oft merkwürdig, sind sprunghaft und nur auf das Objekt ihrer Liebe fixiert. Das wusste schon Platon: "Liebe ist eine schwere Geisteskrankheit." Dieser Aussage würden sich Ärzte heute vielleicht nicht ganz anschließen. Aber die Symptome der Verliebtheit können manchmal fast denen einer Krankheit ähneln. Das liegt an den Hormonen: "Es gibt nicht das eine Liebeshormon, das für alles verantwortlich ist", sagt Professor Helmut Schatz aus Bochum, Hormonspezialist und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (Lehre von den Hormonen). Vielmehr rauscht ein Cocktail aus Hormonen durch die Blutbahn und vernebelt regelrecht die Sinne. "Um gleich ein oft gehörtes Vorurteil auszuräumen: Dies sind nicht die Geschlechtshormone, sondern Botenstoffe im Gehirn", stellt Schatz klar.

Auf Wolke 7: Das Belohnungszentrum im Gehirn ist aktiv

Vor allem das Belohnungszentrum im Gehirn, zum Beispiel in Form des Nucleus accumbens ist aktiv, wenn man frisch verliebt ist. "Da ist man in einem Zustand wie in einem Drogenrausch", erklärt Schatz. Der Körper produziert viel Dopamin, den auch als "Glückshormon" bekannten Neurotransmitter, und Verliebte sind in einem Zustand des Glücks. Sie schweben im siebten Himmel und wollen so viel wie möglich von ihrer "Droge" haben: dem Partner.


Professor Helmut Schatz

W&B/Privat

Paradoxerweise haben Verliebte weniger von einem anderen Glückshormon im Blut. Der Serotoninspiegel im Körper sinkt bei ihnen. Warum haben wir weniger Serotonin im Blut, wenn wir verliebt sind?

"Bei Zwangserkrankungen, etwa einem Waschzwang, sinkt der Serotoninspiegel ebenfalls. Und ein verliebter Mensch kann eben nur an eines denken: den oder die Auserwählte", erklärt Schatz. Verliebte sind regelrecht aufeinander fixiert.

Liebe: Der Körper schüttet Stresshormone aus

Das Herz von Turteltäubchen klopft schneller, wenn sie ihren Liebsten sehen. Denn der Körper stößt mehr Adrenalin und Cortisol aus. Die Stresshormone machen impulsiver und vor allem auch aktiver. "Da trauen wir uns gerade auch im Frühjahr, auf Partnersuche zu gehen", sagt Schatz. Verliebten wird oft eine gewisse Zerstreutheit nachgesagt. Zu viel Salz im Essen? "Der Koch war wohl verliebt." Die gestörte Konzentration könnte am erhöhten Adrenalinlevel liegen. Das Stresshormon erschwert wohl das Denken. "Es gibt sicher viele andere hormonale Wirkstoffe, die beim Verliebtsein mit eine Rolle spielen könnten", sagt Schatz. Etwa das Hormon Phenylethylamin.

"Kuschelhormon" Oxytocin stärkt die Bindung

Wie aber hält die Liebe "ewig"? "Damit Verliebtheit später zu Liebe wird, produziert der Körper Oxytocin", erklärt Schatz. "Das ist das berühmte Kuschelhormon." Das in der Hirnanhangdrüse gebildete Hormon wird vermehrt bei der Geburt ausgestoßen, trägt aber wohl auch dazu bei, dass sich Paare über längere Zeit aneinander binden. Man kann es als "chemischen Bestandteil der Mutterliebe" bezeichnen.

Droge Liebe: Gleiche Hirnregionen wie bei Suchtkranken aktiv

Bei der Liebe spielen mehrere Hirnregionen zusammen. "Zum Beispiel der Hypothalamus ist aktiv: Da sitzen das Verlangen und die Sehnsüchte", sagt Schatz. Hirnforscher haben auch herausgefunden, dass bei Verliebten die gleichen Gehirnregionen wie bei Suchtkranken aktiv sind. Die gleichen Rezeptoren im Gehirn sind besetzt, wenn man verliebt ist oder eben süchtig nach Opiaten oder auch Alkohol ist. "Liebe ist wie eine Drogenabhängigkeit", sagt Schatz. "Sie erzeugt angenehme Gefühle." Wer viel Zeit mit dem Partner verbringt, ist daher glücklich.

Liebeskummer ähnelt Drogenentzug

Dieses Glücksgefühl will man natürlich nicht verlieren. Trennt man sich allerdings wieder vom Partner, oder wird die Liebe gar nicht erst erwidert, löst das Schmerzen aus, die durchaus mit körperlichen Schmerzen zu vergleichen sind. "Liebeskummer ist wie ein Drogenentzug", sagt Schatz. Auch um diesen schmerzhaften Zustand zu vermeiden, bleibe man zusammen.

Nur, was war zuerst da? Verliebt man sich erst und die Hormone spielen deswegen verrückt – oder ist es umgekehrt, wird also das Gefühl durch den Körper ausgelöst? "Ob der Cocktail aus Botenstoffen die Ursache oder die Folge des Verliebtseins ist, wissen wir nicht", sagt Schatz.

Der Trick mit der Achterbahn

Wer die Herzensdame erobern möchte, für den gibt die nüchterne chemische Erklärung eine wertvolle Hilfestellung. Der Körper befindet sich sowohl bei Verliebtheit, als auch in gefährlichen Situationen in einem Erregungszustand – er kann die beiden Zustände aber nicht gut unterscheiden. Darum gibt Schatz noch einen Tipp: "Wenn Sie wollen, dass sich jemand in Sie verliebt, fahren Sie Achterbahn mit ihm oder ihr." Im Zustand der Erregung sieht einen das Gegenüber dann plötzlich mit ganz anderen Augen. So schnell kann es mit der Liebe funktionieren – muss es aber auch nicht.



Bildnachweis: W&B/Privat, iStock/Photo Q.

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