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Ein Paar berichtet
Kommunikativ durch die Krise

Durch ein KEK genanntes Gesprächstraining entdeckt das Ehepaar Günter und Sibylle ein neues Wir-Gefühl für seine Partnerschaft

Mann und Frau

Manchmal wählt das Schicksal genau richtig: ein Artikel in der Tageszeitung, ein Anruf, zwei Wochenenden auf einem Kommunikationskurs. Und mit einem Mal bricht eine Kruste weg, die 20 Jahre Ehe ganz langsam auf der Beziehung von Sibylle und Günter abgelagert hatten. Es sei an der Zeit gewesen, dass ihr so ein Angebot in die Finger kam, sagt Sibylle. Die Kruste um das Paar war eng geworden. Kein Gedanke an Trennung. Nein. Aber eine gewisse Routine, die Günter überlegen ließ, „ob das noch 25 Jahre so weitergehen soll“, und die Sibylle als laues Gefühl empfand.

20 Jahre Ehe: Keine Krisen, aber auch kaum Höhepunkte
„Unsere Ehe lief halt“, erinnert sich die Lehrerin aus der Nähe von Rosenheim. „Wir lebten nebeneinander“, urteilt die 44-Jährige. „Was eine Partnerschaft ausmacht, fehlte irgendwo, und ich hatte das Gefühl, dass wir oft aneinander vorbeireden.“ Als Sibylle den Beitrag über einen „Kommunikationskurs für Paare in langjähriger
Beziehung“ entdeckt, fordert sie sofort Informationen an. Günter ist zunächst weniger begeistert. Die Erfolgsregeln für Gespräche hat der Akademiker für seinen Beruf vor vielen Jahren erlernt. Und als Pädagogin ist seine Frau ebenfalls Profi im Umgang mit Worten. Was kann
ihnen so ein Kurs bieten? „Viel“, sagt der 51-Jährige heute. Erstmals habe er in dem Seminar „Konstruktive Ehe und Kommunikation“ (KEK) erlebt, dass eine Meinungsverschiedenheit nicht zwangsläufig mit „einem Sieger und einem Verlierer“ enden muss. „Ich habe gelernt“, berichtet er, „dass man einen Konflikt neutral behandeln kann, ohne dass einer zu viel von sich selbst aufgibt.“

Das Seminar: Intensiv, anstrengend, aber auch angenehm
Diese ganz spezielle Nähe zwischen Liebenden verstärkt sich wieder. Ebenso die Lust aufs Pläneschmieden. Das gehe weit über ein Gesprächstraining hinaus, stellt Sibylle fest, und sei doch Folge des Kurses. „Die Kommunikationsregeln“, sagt sie, „kannten wir alle vorher schon.“ Neu war aber die positive Durchschlagskraft einer konsequenten Umsetzung. Im Kurs müssen Günter und Sibylle lange allein zusammensitzen, Übungen abarbeiten und sich auf ihre Zweisamkeit besinnen. Was macht unsere Beziehung lebendig? Was schätze ich am Partner? Immer wieder schaut der Trainer herein. Er hat nur zwei Paare zu betreuen und lenkt die Eheleute zum Thema zurück, wenn sie sich in Randaspekten verhaken oder übers Prinzip diskutieren, wo es um konkrete Lösungen gehen soll. Intensiv und anstrengend seien die zwei Wochenenden gewesen, meint Sibylle, aber auch angenehm. Denn bei KEK bleibt die Privatsphäre jederzeit gewahrt. Die vier teilnehmenden Paare treffen sich nur zu den Einführungen in die Programmpunkte und zum Essen.

Sprechen üben, Zuhören lernen
Nach dem Seminar geht die Arbeit an der Beziehung weiter. Für einige Zeit führen Sibylle und Günter Paarabende ein. Beim Essen im Restaurant besprechen sie, was sie bewegt. Sibylle sagt nicht mehr: „Immer gehst du radeln“, wenn sie meint, das Wochenende sollte ganz der Familie gehören. Und Günter schnappt nicht zurück: „Dann mach ich das eben gar nicht mehr“, obwohl er ausdrücken will, dass ihm der Sport viel bedeutet, Zeit für Frau und Kinder aber natürlich ebenso. Neben Sprechen üben die beiden vor allem Zuhören. Sie bemühen sich, die Äußerungen des Partners nicht mehr automatisch so zu deuten, dass sie zu längst gefassten Urteilen passen. Vorstellungen, Erwartungen und Hoffnungen, die 20 Jahre im Raum standen, ohne je direkt angesprochen zu werden, rücken ins Blickfeld.

Unterschiedliche Meinungen sind erlaubt
Für manche lange kultivierten Konflikte findet sich eine Lösung. „Das Radfahren zum Beispiel“, erzählt Sibylle, „hat mich gestört, weil ich dachte, Paare müssen möglichst viel gemeinsam machen.“ Müssen sie nicht, glaubt sie inzwischen – zumindest nicht, wenn die Aktion einem Partner gar keinen Spaß bringt. „Seither frühstücke ich sonntags ausgiebig mit den Kindern, während mein Mann seine Tour macht. Jetzt ist jeder zufrieden.“ Andere Punkte lassen sich nicht so einfach aus der Welt schaffen. „Aber ich akzeptiere jetzt“, sagt die Lehrerin, „dass wir nicht überall einer Meinung sein können.“ Fortschritte gelingen trotzdem. Allein schon, weil beide sich nun viele zermürbende Angriffe ersparen. Kochen beim Streit die Emotionen hoch, hält einer inne und erinnert an die KEK-Regeln. „Dann“, sagt Günter, „fällt die Spannung sofort ab.“ Ein Thema, das haben die Eheleute festgestellt, müssen sie gar nicht groß bereden: „Unsere gemeinsame Zukunft, wenn die Kinder erwachsen sind“, erklärt Günter. „Da sind wir uns ganz einig.“


Hilfreiche Adressen

Das Partnerschaftliche Lernprogramm (EPL)
ist ein Gesprächstraining für junge (Ehe-)Paare und auch als Hochzeitsvorbereitung geeignet.

Konstruktive Ehe und Kommunikation (KEK)
richtet sich an Paare in langjährigen Beziehungen. EPL und KEK hat das Institut für Forschung und Ausbildung in Kommunikationstherapie e.V. in München entwickelt. Die kostenpflichtigen Seminare gibt es bundesweit (ohne konfessionelle Bindung).

Auskunft:
Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e.V. (AKF)
Mainzer Straße 47 53179 Bonn;
Telefon: 0228/371877; Fax: 0228/8578147
Liste der Veranstaltungen im Internet:
www.akf-bonn.de
Weitere Informationen, zum Beispiel über Kommunikationstraining als Ergänzung zur Paar beratung, im Internet: www.institutkom.de

Buchtipp: Joachim Engl, Franz Thurmaier:
„Wie redest Du mit mir?“ (Freiburg, 2002)


Gesundheit



Gesundheit; 05.08.2005, aktualisiert am 27.06.2010
Bildnachweis: Banana Stock/RYF

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