Frauen durchsuchen heimlich die Jackentaschen ihrer Männer nach Beweisen für den vermuteten Seitensprung: Restaurant-Quittungen, Tankbelege, sogar Supermarkt-Bons – alles kommt ihnen verdächtig vor. Ehemänner folgen abends heimlich ihren Frauen, um herauszufinden, ob sie tatsächlich mit ihrer besten Freundin ins Kino gehen oder doch mit einem Nebenbuhler zu einem verschwiegenen Rendezvous beim Italiener verabredet sind. Eifersucht ist ein quälendes, überwältigendes Gefühl. Wie eine Stichflamme schießt sie in den Körper und brennt dort lodernd. Die wildesten Fantasien machen sich im Kopf der Betroffenen breit. Ist der Film erst einmal gestartet, lässt sich dieses Kopfkino nicht mehr aufhalten. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es einen wirklichen Grund für die Verdächtigungen gibt oder nicht.
Sehnsucht nach Einmaligkeit
Der Eifersucht entkommt niemand. Ob Psychologen wie Wolf Jordan, Anthropologen wie Professorin Helen Fisher oder Evolutionsbiologen wie Professor David Buss – weltweit sind sich Wissenschaftler darin einig, dass sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen und jederzeit von dieser alles vergiftenden Emotion überwältigt werden können. Denn dort, wo Liebe im Spiel ist, besteht gleichzeitig eine tiefe Sehnsucht nach sexueller und emotionaler Ausschließlichkeit. Scheint diese bedroht, schleicht sich Eifersucht ein – ein Gemisch aus Minderwertigkeits-Gefühlen, Hass, Wut, Neid, Rachegelüsten, Angst, Scham, Hilflosigkeit und gelegentlich extremer Zerstörungswut und Gewalt.
Wer ist schon gerne abhängig?
Eifersucht ist eine zumeist verachtete Regung. Wem gefällt es schon, besitzergreifend, abhängig und engherzig zu sein? Ursprünglich war Eifersucht ein Gefühl, das nur Männer öffentlich zeigen durften, indem sie ihre Ehre mit der Waffe verteidigten. Erst im 19. Jahrhundert, als sich die Kluft zwischen dem häuslichen Bereich und der männlichen Arbeitswelt ständig vergrößerte, kam die weibliche Eifersucht ins Spiel und schien damit ein „Problem“ der Frauen zu sein. Mit dieser Einschätzung tun wir jedoch der Emotion Eifersucht bitter unrecht. Der Wiener Sigmund Freud, Vater der Psychoanalyse, wusste bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts: „Die Eifersucht gehört zu den Affektzuständen, die man ähnlich wie die Trauer als normal bezeichnen darf. Wo sie im Charakter und im Benehmen eines Menschen zu fehlen scheint, ist der Schluss gerechtfertigt, dass sie einer starken Verdrängung erlegen ist und darum im unbewussten Seelenleben eine umso größere Rolle spielt.“ Was nichts anderes heißt als: „Hüte dich vor denjenigen, die großspurig behaupten, Eifersucht sei ihnen völlig fremd.“
Testen Sie Ihre Gefühle!
Das andere Extrem, nämlich der krankhaft Eifersüchtige, ist ebenfalls kaum auszuhalten. Zum Glück aber liegt die Eifersucht der meisten Menschen zwischendrin. „Wer sich unzulänglich, unsicher oder übermäßig abhängig fühlt, neigt im Allgemeinen mehr zu Eifersucht“, ist Prof. Helen Fisher überzeugt. Dagegen lässt sich etwas tun. Finden Sie im folgenden Test zunächst heraus, wie sehr Ihnen diese große Emotion zusetzt.
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Apotheken Umschau; 05.08.2005, aktualisiert am 28.06.2010
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