Wir sind uns ähnlicher als wir oft denken
Seit John Gray vertreten viele die Meinung, die Unterschiede zwischen Frauen und Männern seien fundamental, ja beinahe unüberwindbar. Frauen können nun einmal nicht einparken, Männer sind nicht für’s Zuhören geschaffen, glaubten wir. Nun wird eine andere Stimme laut: Die Differenzen zwischen Frau und Mann werden völlig überschätzt. Das erklärte die Psychologin Janet Shibley Hyde in einem Artikel im Fachmagazin „American Psychologist“.
„Männer und Frauen sind sich in den meisten psychologischen Fähigkeiten ähnlich“, so die Psychologin der Universität von Wisconsin. Laut Hyde sind sich Männer und Frauen ähnlicher als dass sie verschieden sind. Diese These stützt sie auf eine Analyse von über 45 Meta-Studien aus 20 Jahren (1984-2004). Dabei fand sie kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern, ganz gleich ob es dabei um Kommunikationsverhalten, Persönlichkeit oder Führungsstil ging.
„Natürlich sind sich Männer und Frauen nicht in jedem Gebiet völlig ähnlich.“ Unterschiede gebe es vor allem in drei Bereichen. Dazu gehören die motorischen Fähigkeiten. So können Männer könnten weiter werfen, was auf deren größere Muskelmasse und Knochengröße zurück gehe. Im Bereich Sexualität würden sich Männer und Frauen ebenfalls stark voneinander unterscheiden, zum Beispiel wenn es um die Einstellung zu kurzfristigen Beziehungen geht. Auch in ihrem Aggressionsverhalten seien Männer anders als Frauen.
Hyde merkt an, dass Geschlechterunterschiede ebenfalls vom Kontext abhängig sind. In einer Studie (von Lightdale und Prentice) wurde das Geschlecht der einen Hälfte der Versuchspersonen registriert, bei der anderen Hälfte spielte es keine Rolle. Das Ergebnis: Probanden, denen gesagt wurde, dass das Geschlecht unerheblich sei, wichen eher vom stereotypen Rollenverhalten ab.
„Es wird Zeit diese hoch gespielten Behauptungen der Geschlechterunterschiede zu überprüfen“, mahnt die Psychologin. Diese Vorurteile würden Frauen in etlichen Bereichen, wie dem Berufsleben oder der Partnerschaft, einschränken und entsprächen schlichtweg nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen.