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Diese Medikamente helfen bei Parkinson

Die Schüttellähmung ist unheilbar – doch typische Symptome wie Muskelstarre, Zittern und verlangsamte Bewegung können Ärzte gut behandeln

Die Krankheit schlich sich allmählich in das Leben von Gustaf Joost (Name geändert). „Beim Tennisspielen bewegte sich mein Arm nicht mehr so rund“, erinnert er sich an die ersten Anzeichen. Seitdem sind zehn Jahre vergangen. Joost spielt auch heute noch gern Tennis. Doch es fällt ihm zunehmend schwerer, mit seinen Gegnern mitzuhalten. „Ich bewege mich schlechter, reagiere langsamer und komme leichter außer Atem als früher“, erklärt er. Der 54-Jährige leidet an Parkinson.


Zwischen 150.000 und 250.000 Menschen in Deutschland leben mit dieser Krankheit. Die Symptome setzen kaum merklich ein und verschlimmern sich mit der Zeit. Parkinson lässt die Muskeln der Menschen erstarren, bremst ihre Bewegungen und bringt ihre Beine und Arme zum Zittern. Daher spricht der Volksmund auch von Schüttellähmung. Die Ursache der Störungen liegt im Gehirn: In einem Bereich des Mittelhirns sterben Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin bilden. Dieser erfüllt viele Aufgaben, unter anderem steuert er die Muskeln. Daher macht sich ein Dopaminmangel zunächst vor allem durch Bewegungsstörungen bemerkbar. Doch in späteren Stadien beeinträchtigt Parkinson auch das Gefühlsleben und Denkvermögen des Erkrankten.


Der Untergang der Nervenzellen schreitet unaufhaltsam fort. Doch immerhin können Medikamente die Beschwerden eindämmen. Patienten unter 70 Jahren verschreiben die Ärzte zunächst Dopaminagonisten. Das sind chemische Substanzen, die den Effekt von Dopamin im Gehirn imitieren. Es gibt derzeit zehn Wirkstoffe dieses Typs, die meisten in Tablettenform. Neben der Standardmedikation stehen manche Dopaminagonisten auch als retardierte Präparate zur Verfügung. Diese setzen den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum hinweg langsam im Darm frei.


„Retardierte Präparate vereinfachen die Therapie und verbessern die Medikamententreue“, erklärt Professor Thomas Müller, Leiter des Zentrums für Parkinsontherapie im St.-Joseph-Krankenhaus in Berlin-Weißensee. „Je komplexer das Einnahmeschema, desto schwieriger ist es für die Patienten,dies auch täglich umzusetzen“, fügt er hinzu.


Dopaminagonisten genügen in vielen Fällen zunächst, um die Bewegungsstörungen auszugleichen. Gelingt dies nicht, setzen die Ärzte zusätzlich das Medikament L-Dopa ein. Die Substanz gelangt über das Blut in das Gehirn und wird dort zu Dopamin umgebaut. „L-Dopa ist das wirksamste und am besten verträgliche Parkinson-Medikament“, sagt Professor Markus Naumann, Leiter der Neurologischen Klinik am Klinikum Augsburg. Für Patienten über 70 Jahre ist es die Standardtherapie. L-Dopa habe zwar ähnliche Nebenwirkungen wie die Dopaminagonisten. „Doch es verursacht seltener Psychosen und Halluzinationen“, berichtet Naumann.


Allerdings verliert der Wirkstoff mit den Jahren an Kraft. Die Patienten leiden zunehmend an Phasen mit Muskelstarre und unkontrollierten Bewegungen. Die Behandlungsleitlinien empfehlen daher, Patienten, die jünger als 70 Jahre sind, L-Dopa nur zu verschreiben, wenn Dopaminagonisten allein nicht genügen. Doch eine Parkinson-Therapie funktioniert nie nach einem starren Schema. „Die Kunst besteht darin, für jeden Patienten die Medikamente individuell zu kombinieren“, sagt Naumann. Denn jeder reagiere anders auf die Wirkstoffe.

 

„Es gibt zum Beispiel Patienten, die von Dopaminagonisten nicht genügend profitieren oder diese schlecht vertragen“, erklärt der Parkinson-Spezialist. In solchen Fällen müssen die Ärzte schon frühzeitig L-Dopa einsetzen. Das Medikament wird immer mit Decarboxylasehemmern, manchmal zusätzlich mit COMT-Hemmern kombiniert. Beide Wirkstoffgruppen verhindern, dass Enzyme im Blut L-Dopa vorzeitig abbauen. „Somit erzielt man eine länger andauernde Wirkung im Gehirn“, sagt Dr. Gerd Fuchs, Leiter der Parkinson-Klinik in Wolfach im Schwarzwald.



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Dr. Achim G. Schneider / Apotheken Umschau; 10.02.2010, aktualisiert am 25.06.2010

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