Es klebt, ist zäh wie Honig und sieht unfein aus, wenn es aus den Ohren quillt: Ohrenschmalz. Dabei erfüllt die gelblich-braune Masse wichtige Funktionen. Cerumen, wie Mediziner Ohrenschmalz nennen, befeuchtet den Gehörgang und erhält den Säureschutzmantel der Haut. Das Schmalz schützt zudem vor Infektionen und befördert Schmutz, Staub und abgestorbene Hautzellen in Richtung Ohrmuschel.
Manchmal produziert der Körper ein wenig zuviel von dem pastenartigen Sekret. Dann kann sich ein Pfropf im Gehörgang bilden, der ein unangenehmes Druckgefühl erzeugt. Außerdem hören Menschen auf dem „verstopften“ Ohr schlechter. Stochern Sie mit Heftklammern oder Bleistiften im Ohr herum, befördern Sie vielleicht etwas Ohrenschmalz zu Tage. Doch sie drangsalieren das sensible Organ. Womöglich handeln Sie sich noch eine Gehörgangsentzündung ein.
Talgdrüsen im Gehörgang sondern das gelblich-braune Sekret ab. Winzige Härchen transportieren es zur Ohrmuschel
Spitze Gegenstände können die Haut im Gehörgang, aber auch das Trommelfell lädieren. „Immer wieder kommen Patienten in meine Praxis, weil sie sich beim Reinigen des Ohrs verletzt haben“, bestätigt Dr. Winfried Goertzen, Hals-Nasen-Ohrenarzt aus Höchstadt. Zudem schieben Sie den größten Teil des Cerumens weiter nach innen, was wiederum einen Pfropf nach sich ziehen kann. Dasselbe gilt für Wattestäbchen. Sie sind zwar wenigstens weich, aber auch der Watteknäuel verlagert das Ohrenschmalz eher in die falsche Richtung.
Manche Menschen setzen auf Ohrkerzen. Dafür stecken sie eine spezielle dünne Kerze ins Ohr und zünden sie an. Der dabei entstehende Unterdruck soll das Hörorgan säubern. Doch Experten warnen vor den Risiken der alternativen Methode. Immer wieder verbrennen sich Kerzenanwender im Gesicht oder an der Ohrmuschel. Das Wachs kann ins Ohr eindringen und das Trommelfell schädigen.
Bleibt das Ohrenschmalz also besser sich selbst überlassen? Zumindest sollten Sie nicht den Gehörgang malträtieren. Befindet sich etwas von dem zähen Sekret an der Ohrmuschel, können Sie es vorsichtig entfernen. Befeuchten Sie einen Waschlappen oder ein Wattestäbchen und tragen Sie das Klümpchen ab. Oder Sie lassen nach dem Duschen etwas lauwarmes Wasser ins Ohr fließen und tupfen das verflüssigte Sekret mit einem Taschentuch oder Wattebällchen ab. „Haben Patienten jedoch zuviel Schmalz in den Ohren, quillt es durch das Wasser auf und kann das Ohr völlig verstopfen“, gibt Goertzen zu Bedenken.
Die sicherste und effektivste Variante, wie Sie überschüssiges Ohrenschmalz los werden, ist ein Arztbesuch. Hals-Nasen-Ohrenärzte besitzen das nötige Fachwissen und die entsprechenden Hilfsmittel, um die zähe Masse zu beseitigen.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
05.08.2005, aktualisiert am 08.03.2012
Bildnachweis: W&B/Szczesny, iStock/Piksel
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