Asiaten sehen in ihnen ein Zeichen von Intelligenz und Wohlstand, in westlichen Ländern kann man ihretwegen gehänselt werden: abstehende Ohren. Ärzte verwenden diesen Begriff, wenn der äußere Rand der Ohrmuschel mehr als zwei Zentimeter vom Kopf entfernt ist. Die angeborene Eigenschaft – jeder zehnte Deutsche kommt damit auf die Welt – wirkt sich nicht auf das Hörvermögen aus. Viele haben mit ihrer besonderen Ohrstellung keine Probleme, andere leiden darunter. Oft beginnen die Schwierigkeiten mit der Einschulung, wenn Mitschüler sticheln: Dumbo-Ohr, Segelflieger ...
Nur durch einen chirurgischen Eingriff lassen sich abstehende Ohren näher an den Kopf rücken. Schienen, Ohrenbinden oder Klebestreifen nützen nichts – mit einer Ausnahme: Bei Neugeborenen kann eine Anlegeschiene abstehende Ohren dauerhaft korrigieren, da der Knorpel sich noch formen lässt. Eine operative Korrektur ist schon ab einem Alter von fünf Jahren möglich, weil das äußere Ohr dann fast nicht mehr wächst. Auch bei Erwachsenen lässt sich die Ohrstellung korrigieren. Die Krankenkassen zahlen die Kosten des Eingriffs meist nicht, manche erstatten sie aber in Einzelfällen bei Kindern.
OP-Technik individuell anpassen
Die chirurgische Ohrkorrektur führen Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Chirurgen durch. Den Operateuren stehen dafür verschiedene Techniken zur Verfügung. Wichtig ist, dass der Arzt vor dem Eingriff die Anatomie der Ohren genau analysiert und die Operationsmethode individuell anpasst. "Es gibt bei der Ohrkorrektur keine Standardlösung. Der Operateur nutzt die Technik, die sich für den jeweiligen Patienten eignet und die in seinen Händen am besten funktioniert", erklärt Professor Oliver Kaschke, plastischer Chirurg und Experte für Ohrkorrekturen im Sankt Gertrauden-Krankenhaus Berlin.
Grundsätzlich versucht der Operateur, den Ohrknorpel durch Ritzen, Schleifen oder Verkleinern umzuformen. Manchmal setzt er zusätzlich einen Faden ein, um den Knorpel näher an den Kopf heranzuziehen. Der Eingriff dauert in der Regel ein bis zwei Stunden und findet unter örtlicher Betäubung statt. Nur bei Kleinkindern empfehlen Chirurgen eine Vollnarkose. Meistens kann der Patient kurz nach der ambulanten Operation nach Hause gehen. Vier Wochen später entfernt der Arzt den Verband und die Fäden.
Führt ein erfahrener Chirurg die Operation durch, kommt es sehr selten zu Komplikationen. Wie bei jedem chirurgischen Eingriff können Blutergüsse, Schmerzen, Entzündungen und Hautwucherungen an der Naht auftreten. Da auf dem umgeformten Knorpel Rückstellungskräfte lasten, kommt es auch vor, dass sich der Knorpel einige Zeit nach der Operation wieder verformt.
Komplikationen treten selten auf
Zu den möglichen Folgen missglückter Eingriffe – vor allem durch unerfahrene Operateure – zählen beispielsweise spitze "Spock-Ohren" (benannt nach Mr. Spock aus der Fernsehserie "Raumschiff Enterprise"), doppelte Knorpelkanten oder Ohren ohne Einbuchtung hinter der Ohrmuschel. Durch eine erneute Operation lassen sich diese kosmetischen Unfälle zwar meist korrigieren, das kann jedoch einen großen Aufwand erfordern.
Eine Ohrkorrektur kostet rund 2500 Euro. In Ländern wie Tschechien oder Polen wird sie zwar weit günstiger angeboten, Oliver Kaschke warnt aber davor, ins Ausland auszuweichen: "Das ist ein Glücksspiel. Da keine Nachkontrolle durch den Operateur gewährleistet ist, werden Komplikationen nicht rechtzeitig erkannt und können besonders schlimme Folgen haben."
Dr. Fabienne Hübener / Apotheken Umschau;
26.08.2010
Bildnachweis: plainpicture GmbH & Co. KG/Millennium
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