Wer hauptberuflich mit Presslufthammer und Dampfwalze zu tun hat, freut sich wahrscheinlich täglich über die Erfindung des Ohrstöpsels. Schnell in den Gehörgang gesteckt, helfen uns die kleinen Gumminupsis störenden Krach auszublenden. Auch Partynachbarn oder schnarchenden Bettgefährten zählen zu den häufigsten Auslösern für den Griff nach den kleinen Lärmstoppern.
Doch droht nicht vielleicht ein längerfristiger Ohrschaden für den, der Nacht für Nacht oder jeden Tag die Lauscher verstopft ? "Entwarnung", sagt Dr. Winfried Goertzen, Hals-Nasen-Ohrenarzt aus Höchstadt und Bayrischer Landesvorsitzender des Deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte.
"Nur wer die Stöpsel zu weit in das Ohr schiebt, riskiert eine Entzündung", so Goertzen. Allerdings ist es wichtig den Lärmschutz regelmäßig auszutauschen. Nur des Nachts im Bett verwendet, kann man Ohrstöpsel zirka eine Woche lang tragen. Wenn sie aber ständig mit Staub und Dreck in Berührung kommen – zum Beispiel bei einem Bauarbeiter – sollten die kleinen Schützer etwas häufiger gewechselt werden. Goertzen appelliert an den gesunden Menschenverstand seiner Patienten. "Wenn die Stöpsel nicht mehr sauber aussehen oder unangenehm riechen, schmeißt man sie halt weg!"
Lärmempfindlich durch Dauergebrauch?
Wenn man sich nun ständig vor dem Radau der Mitmenschen oder Maschinen abschirmt, kann das die Lärmempfindlichkeit steigern? Ein rein psychologisches Problem, meint Goertzen. "Wer nachts immer Ohrstöpsel trägt, gewöhnt sich oft so sehr daran, dass er sich einbildet ohne den Schutz nicht mehr schlafen zu können."
Wer sich entwöhnen möchte, sollte am besten zu einer anderen Lösung greifen – zum Beispiel Autogenes Training. Macht das nächtliche Sägen des Partners den Lärmschutz notwendig, sollte der Schnarcher einen Arzt aufsuchen. Das laute Atmen kann gesundheitliche Auslöser und Auswirkungen haben. Lässt es sich beheben, profitieren gleich beide Bettgefährten davon.
Ohrstöpsel fürs Flugzeug
Schließlich kommen wir noch zu einer Sonder-Spezies der Ohrstöpsel: das Modell für den Druckausgleich im Flugzeug. Goertzen schätzt die kleinen Helfer. "Viele meiner Patienten kommen sehr gut mit diesen Stöpseln zu recht." Mit Hilfe eines kleinen Ventils verhindern sie den plötzlichen – und teils als sehr schmerzhaft empfundenen – Druckausgleich bei Start und Landung. Während der Reise durch die Luft kann man die Stöpsel dann wieder aus den Ohren nehmen. Lärm halten diese Modelle aber nicht ab.
Fazit: Ohrstöpsel sind bei ordnungsgemäßer Abwendung völlig ungefährlich und erweisen uns nicht nur als Vuvuzela-Stopper bei der Fußball-WM gute Dienste.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
01.07.2010, aktualisiert am 10.02.2011
Bildnachweis: W&B/Simon Katzer
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