Im Normalfall gelangt der Schall (also Töne, Geräusche, Stimmen) durch den Gehörgang zum Mittelohr (siehe Grafik oben). Dort leiten Trommelfell und Gehörknöchelchen die Signale weiter an das Innenohr. Dieses wandelt die Schalleindrücke in elektrische Nervensignale um und schickt sie über die Nerven zum Gehirn – wir hören.
Bei einem Hörsturz funktioniert des erste Teil dieses Hörvorgangs noch reibungslos: Der Schall erreicht das Innenohr ohne Probleme. Die Schalleitung ist also in Ordnung. Doch ab dem Innenohr hakt es plötzlich mit der Informationsübermittlung. Die Sinneseindrücke werden nicht mehr richtig weiterverarbeitet. Das Schallempfinden ist gestört. Mediziner nennen diese Art der Hörstörung Schallempfindungsschwerhörigkeit.
Eine Schallempfindungsschwerhörigkeit kann identifizierbare Ursachen haben – zum Beispiel plötzlichen starken Lärm (eine laute Explosion) oder eine Virusinfektion – dann spricht man nicht von einem Hörsturz, da sich eine äußere Ursache findet. Oder aber es sind keine Auslöser feststellbar. Dann handelt es sich um einen Hörsturz. Er ist definiert als plötzliche Schallempfindungsschwerhörigkeit, deren Ursache im Dunkeln bleibt.
Dazu haben Mediziner verschiedene Theorien. Wirklich bewiesen ist aber noch keine:
Die feinen Hör-Sinneszellen im Innenohr – die Haarzellen – müssen lückenlos mit Sauerstoff und Nährstoffen aus dem Blut versorgt werden. Genauso wie andere Organe auch. Nur so können sie reibungslos funktionieren. Stockt jedoch der Blutnachschub, weil Blutgefäße verlegt oder verengt sind, dann fehlt den Haarzellen der lebensnotwendige "Treibstoff". Die Folge: Die Sinneszellen arbeiten nicht mehr richtig oder gehen sogar zugrunde. Wissenschaftler vermuten, dass bei einem Hörsturz Durchblutungsstörungen in den allerkleinsten Blutgefäßen des Innenohrs auftreten – vielleicht, weil die Blutplättchen dort plötzlich miteinander verklumpen und die Gefäße verstopfen.
Möglich scheint aber auch, dass die Haarzellen selbst defekt sind und nicht mehr korrekt arbeiten. Oder die "Leitung" ins Gehirn ist kaputt. Die beteiligten Nervenzellen übertragen die Hör-Signale plötzlich nur noch fehlerhaft – so eine Annahme. Auch Entzündungen oder Virusinfektionen könnten eine Rolle spielen.
Teile des Innenohrs sind natürlicherweise mit einer speziellen Flüssigkeit gefüllt (Peri- und Endolyphe). Manche Experten vermuten, dass sich die Zusammensetzung dieser Flüssigkeiten plötzlich verändert, und dass es in der Folge zu einem Hörverlust kommt. Dieser Mechanismus spielt vor allem bei der Menièreschen Erkrankung eine Rolle.
Überlastung, Termindruck und Hektik galten lange Zeit als wichtiger Wegbereiter für einen Hörsturz. Denn nicht selten streikt das Hörorgan genau dann, wenn der Stress am größten ist. Doch ein Zusammenhang konnte bis heute nicht bewiesen werden. Es gibt zwar allgemeine Hinweise, dass uns Dauerstress nicht gut tut. Theoretisch ist es auch denkbar, dass Stress Entzündungen oder Durchblutungsstörungen im Ohr begünstigen könnte. Trotzdem gilt Stress derzeit nicht als eindeutiger Risikofaktor für einen Hörsturz.
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13.09.2005, aktualisiert am 09.05.2012
Bildnachweis: W&B/Szczesny
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