Gesunde Ohren – damit Sie stets gut hören

Hörsturz, Tinnitus, Schwerhörigkeit oder Mittelohrentzündung: Welche Therapien es bei Hörproblemen gibt und wie unsere empfindlichen Ohren gesund bleiben


Hören – und sei es ein Flüstern – ist für uns selbstverständlich. Doch die Ohren sind kompliziert aufgebaut und empfindlich

Unsere Ohren geben uns mehr Informationen über die Welt, als wir glauben: Wir können am Telefon hören, wenn ein Mensch lächelt. Wir merken an der Stimmlage, ob unser Gesprächspartner traurig oder fröhlich ist. Und wir können uns selbst im größten Lärm noch auf ein Geräusch konzentrieren. Hören ist für Menschen mit gesunden Ohren selbstverständlich. Doch dahinter steckt ein sehr komplexer Vorgang, der schnell aus dem Gleichgewicht geraten kann. Zu den wichtigsten Erkrankungen der Ohren zählen:


Wie wir hören

Anatomie: So funktioniert das Hören

Ein Geräusch oder Ton trifft auf die Ohrmuschel, die Schallwellen wie ein Trichter einfängt. Zum Außenohr gehören auch der Gehörgang und die äußere Seite des Trommelfells. Dank des Außenohrs können Menschen bestimmen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt. Der Schall wandert ins Mittelohr: Das Trommelfell vibriert, und diese Schwingungen werden über die drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel nach innen geleitet. Für die Belüftung des Mittelohrs und den Druckausgleich sorgt die Eustachische Röhre (Tuba Auditiva, kurz: Tube), die zum Nasenraum führt.

Das eigentliche Hörorgan ist aber das Innenohr: Hier liegt die Gehörschnecke (lateinisch Cochlea) und in ihr befinden sich Haarzellen: Sinneszellen mit winzigen Härchen an einem Ende. Sie wandeln die Vibration in einen elektrischen Impuls um und geben das Signal an den Hörnerv weiter. Über die Hörbahn gelangt es ins Gehirn, das die Information verarbeitet: Wir hören.

Verändert sich auch nur ein einziger Baustein in dem komplexen Gefüge – etwa durch einen Unfall oder eine Krankheit –, gerät der gesamte Hörvorgang aus dem Gleichgewicht. Dann ist das Gehör in Gefahr oder im schlimmsten Fall gänzlich zerstört. Ärzte unterscheiden zwischen Krankheiten, die direkt das Innenohr betreffen, und Krankheiten des Außen- und Mittelohrs, die verhindern, dass der Schall weitergeleitet wird.


Typische Innenohrerkrankung: Altersschwerhörigkeit

Allein in Deutschland leidet etwa 19 Prozent der Bevölkerung an einer mindestens leichten Form der  Schwerhörigkeit. „Die Schwerhörigkeit ist eine der häufigsten Berufskrankheiten“, sagt Professor Alexander Berghaus, Direktor der HNO-Klinik der Uniklinik München. Schwerhörigkeit ist eine Begleiterscheinung des Alterns. Vor allem die hohen Töne gehen als erstes verloren. „Die Altersschwerhörigkeit hat wahrscheinlich mit der Anatomie des Innenohrs zu tun“, erklärt Berghaus. Die Zellen, die für die hohen Töne zuständig sind, liegen unten an der Schnecke. Sie werden aber auch bei tiefen Tönen immer mit aktiv, weil die Schalldruckwelle immer von unten nach oben steigt. Sie nutzen sich mit der Zeit ab: „Diese Zellen stellen als erste ihre Funktion mit fortschreitendem Alter ein“, sagt Berghaus.

Hörverlust nach einem Hörsturz

Altersschwerhörigkeit schreitet fort, anders als bei einem Hörsturz: Der Patient kann plötzlich nichts mehr hören. Grund kann eine Funktionsstörung der Haarzellen sein. „Meist ist der Hörverlust nach einem Hörsturz noch reversibel“, sagt Berghaus. Häufig kehrt das Gehör ganz von allein zurück.

Lärm schadet dem Gehör

Durch übermäßige Lautstärke bei einem Discobesuch, einen lauten Knall oder besonders bei andauernder beruflicher Lärmbelastung kann es zur Lärmschwerhörigkeit kommen. Sie ist ebenfalls im Anfangsstadium noch behandelbar. „Wer sich schützen will, sollte sich von Lärm fernhalten oder einen Lärmschutz einsetzen“, rät Berghaus.

Mittelohrerkrankungen: Der Schall geht nicht durch

Die Erkrankungen des Mittelohrs basieren auf einem anderen Prinzip als die Schwerhörigkeit oder Taubheit im Innenohr: „Der Schall wird gar nicht erst zur Schnecke transportiert“, erklärt Berghaus. „Selbst wenn das Organ funktioniert, hört der Betroffene wegen der Schallleitungsstörung nichts oder schlecht.“ Auch eine Verstopfung im Gehörgang, also im Außenohr, kann verhindern, dass der Schall weitergegeben wird. Ohrenschmalz oder Fremdkörper können den Gang blockieren.

Besonders häufig klagen Patienten auch über Entzündungen im Mittelohr. Die Ursache liegt häufig im Verbindungsgang zwischen Rachen und Ohr, der Eustachischen Röhre. Durch die Tube können Krankheitserreger ins Mittelohr wandern und sich dort festsetzen. Patienten leiden häufig unter starken Ohrenschmerzen und Hörproblemen, hinzu kommt oft Tinnitus, Fieber und Schwindel. Bei Verdacht auf eine Mittelohrentzündung sollten Betroffene sofort zum Arzt gehen, da sonst lebenslange Schäden zurückbleiben können.

Aber auch die Tube ist wichtig: Ist sie verstopft oder zu eng, ist das Mittelohr schlecht belüftet. Entzündungen breiten sich im Mittelohr aus, die auch chronisch sein können und im schlimmsten Fall auf das Innenohr übergreifen. Ärzte können die verstopfte Eustachische Röhre mit einem winzigen Katheter weiten, ähnlich wie bei verengten Herzkranzgefäßen. Ob dieses Verfahren allerdings im Einzelfall infrage kommt und welche Risiken damit verbunden sein können, sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Kinder leiden häufig an Mittelohrentzündungen

Vor allem Kinder leiden häufig an Problemen mit der Tube: Bei ihnen verstopfen oft vergrößerte oder entzündete Rachenmandeln den Nasen-Rachen-Raum, so dass in die Tube keine Luft mehr dringen kann. Das führt zu Ergüssen oder Entzündungen im Ohr – und die Kinder hören nichts mehr. Im Volksmund spricht man oft von Polypen, tatsächlich handelt es sich um lymphatische Wucherungen. „Diese Adenoide müssen wir operativ entfernen“, sagt Berghaus. Sprechen lernen oder dem Unterricht folgen ist für betroffene Kinder sonst oft schwierig bis unmöglich.

Ohrgeräusche und Schwindel

Menschen mit Ohrerkrankungen ist oft schwindelig. Das liegt daran, dass das Gleichgewichtsorgan neben der Schnecke liegt. Bei Krankheiten wie etwa dem Morbus Menière leiden Betroffene unter anfallsartigem Hörverlust, der mit Ohrgeräuschen (Tinnitus) und starkem Schwindel einhergeht. Akuter oder chronischer Tinnitus bedeutet, dass der Betroffene ständig ein Pfeifen, Rattern und Knistern hört. Tinnitus und Hörsturz stehen häufig im Verdacht, durch Stress zu entstehen, aber auch Störungen der Sinneszellen und Entzündungen können die Ursache sein.

Therapie: Prothesen und Hörgeräte

Inzwischen gibt es viele Hörhilfen: Prothesen aus Titan ersetzen ein durch Unfall oder Entzündung zerstörtes Knöchelchen. Diese Operation nennen Ärzte eine Tympanoplastik. Hat ein Patient ein Loch im Trommelfell, wird der Schall falsch übertragen – mit einer Operation kann der Arzt durch einen Knorpel oder ein Teil eines Muskels das Trommelfell ersetzen. Bei der Otosklerose verknöchert der Steigbügel und schwingt nicht mehr: „Wir können den kleinsten Knochen im menschlichen Körper aber durch eine winzige Prothese ersetzen“, sagt Berghaus. Ein Cochlea-Implantat kann bei bestimmten Erkrankungen sogar das Innenohr quasi ersetzen: Selbst taub geborene Kinder können so lernen zu hören.




Bildnachweis: W&B / Röper, Jupiter Images GmbH/Creatas Images

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Bettina Dobe / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 05.11.2014,
Bildnachweis: W&B / Röper, Jupiter Images GmbH/Creatas Images

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