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Brockhaus
Gesundheits-Lexikon

Suchen Sie umfassende Informationen in Wort und Bild? Auf dieser Seite bieten wir Ihnen von A wie Anatomie bis Z wie Zivilisationskrankheit Antworten auf Ihre Gesundheitsfragen. Und zwar mit ausführlichen und leicht verständlichen Texten sowie anschaulichen Bildern und Grafiken. Geben Sie bis zu drei Suchbegriffe ein, um das Themenspektrum einzugrenzen. Sie können zudem Begriffe ausschließen und auch angeben, in welchen Werken und welchen Textpassagen gesucht werden soll. Je genauer Sie Ihre Suchanfrage formulieren, desto besser wird das Ergebnis sein.

Alkoholkrankheit, Alkoholismus, Alkoholabhängigkeit: übermäßiger Alkoholkonsum über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr bei gleichzeitigem Kontrollverlust über das Trinkverhalten sowie körperlicher und psychischer Abhängigkeit. Die Alkoholkrankheit ist eine häufige Suchtkrankheit, von der rund 1–3 % der Bevölkerung betroffen sind.Einteilung: Je nach Menge, Situation, Häufigkeit des Konsums und Grad der Abhängigkeit bzw. Gefährdung wird die Alkoholkrankheit oder ihre Vorstufen nach verschiedenen Typen (Jellinek-Typen) eingeteilt. Der Alphatrinker (»Konflikttrinker«) trinkt in Belastungssituationen zur Entspannung. Es besteht eine zeitweise seelische Abhängigkeit. Der Betatrinker (»Gelegenheitstrinker«) trinkt aus Gewohnheit und Anpassung in Gesellschaft anderer. Es besteht zwar keine Abhängigkeit und nur selten eine Organschädigung, dennoch existiert die Gefahr der Sucht und des Übergangs zum Delta-Trinker. Der Gammatrinker (»süchtiger Trinker«) trinkt in Spannungssituationen zur Erleichterung. Kennzeichen sind: Konsum erheblicher Alkoholmengen, heimliches Trinken, Auftreten von Gedächtnislücken und Entwicklung einer körperlichen Toleranz. Schließlich kommt es zu Kontrollverlust mit Rauschzuständen sowie morgendlichem Trinken bei immer noch bestehender Fähigkeit zur zeitweisen Abstinenz. Die chronische Phase ist gekennzeichnet durch tagelange Trunkenheit und körperlichen Verfall. Der Deltatrinker (»Spiegeltrinker«) trinkt regelmäßig, um den Blutalkoholspiegel konstant zu halten. Er entwickelt sich oft aus dem Betatrinker. Körperliche Abhängigkeit, Unfähigkeit zur Abstinenz und schwere Entzugssymptomatik sind charakteristisch. Der Epsilontrinker (»Quartalstrinker«) trinkt episodisch – in Abständen von Wochen oder Monaten – exzessiv und unkontrolliert mit anschließender Abstinenz. Er gilt ebenfalls als alkoholkrank.Ursache: Großen Einfluss auf das Trinkverhalten hat das soziale Umfeld wie Kollegen- oder Freundeskreis, Alkoholtradition im Elternhaus, Strategien der Konfliktbewältigung. Eine erbliche Veranlagung gilt als wahrscheinlich. Akute oder länger andauernde Krisensituationen spielen als Krankheitsauslöser eine wichtige Rolle.Befund: Alkoholkranke sind trotz zunehmender Abhängigkeit zunächst meist unauffällig. In fortgeschrittenem Stadium wechseln sie zu hochprozentigem Alkohol und trinken bereits in der ersten Tageshälfte. Typische Verhaltensveränderungen sind heimliches Trinken, Schuldgefühle, Aggressivität und nachlassendes Verantwortungsgefühl, was Probleme sowohl im privaten Bereich als auch am Arbeitsplatz zur Folge hat. Alkoholkrankheit verursacht schwere körperliche Schäden, insbesondere Fettleber, Fettleberhepatitis oder Leberzirrhose mit der Folge lebensbedrohlicher Speiseröhrenblutungen (Ösophagusvarizen), Blutarmut, Blutgerinnungsstörungen, bei fortgeschrittener Schädigung auch Übergang ins Leberkoma (Leberschäden, alkoholtoxische). Die Beeinträchtigung des Nervensystems äußert sich u. a. in Gangunsicherheit, Zittern der Hände, Krampfanfällen sowie nachlassender Gedächtnis- und Konzentrationsfähigkeit mit schweren Bewusstseinsstörungen (Alkoholentzugsdelir, Korsakow-Syndrom, Wernicke-Enzephalopathie). Auch eine bestimmte Form der Herzschwäche, die dilatative Kardiomyopathie, kann Folge der Alkoholkrankheit sein. Alkohol zerstört das Gewebe der Bauchspeicheldrüse, was eine Entzündung oder Funktionseinschränkung, bei hochgradiger Schädigung auch einen Diabetes mellitus und Neigung zur Unterzuckerung verursachen kann. Das Immunsystem des Alkoholikers ist geschwächt, die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten dadurch erhöht. Schwangere Frauen, die alkoholkrank sind, schädigen auch das ungeborene Kind (Alkoholembryopathie).Behandlung: Auf die akute Entgiftungsphase, die medikamentös unterstützt wird, folgt eine mehrmonatige Entziehungs- und Entwöhnungstherapie, in der die seelische und soziale Betreuung unter Einbeziehung der Angehörigen eine wichtige Rolle spielt. Selbsthilfegruppen, z. B. die Anonymen Alkoholiker oder das Blaue Kreuz, leisten wertvolle Hilfe zur Bewältigung des Alltags, auch über die eigentliche Therapie hinaus. Autogenes Training oder eine psychotherapeutische Behandlung kann sinnvoll sein. Es gilt das Alles-oder-nichts-Gesetz, d. h., der ehemals Alkoholkranke muss streng abstinent sein, um nicht rückfällig zu werden.

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GesundheitPro; 31.05.2010, aktualisiert am 31.05.2010

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