Neurodermitis: Was hilft, und was nicht?

Cremes, Diätplan, Pillen: Die Behandlungsmöglichkeiten für Neurodermitis sind vielfältig. Doch nicht allen Empfehlungen sollte man folgen. Eine Übersicht

von Christian Andrae, aktualisiert am 13.01.2016

Neurodermitis: Juckende Hauterkrankung

istock/simarik

Kann helfen: Proaktive Therapie mit Kortikoid-Salben

Wenn Patienten häufig Schübe haben, die sie mit Kortikoid-Cremes oder -Salben bekämpfen, leidet auf Dauer die Haut. Sie wird dünner und bekommt rötliche Streifen. Um Schüben vorzubeugen und den Kortikoid-Verbrauch langfristig zu senken, wenden Hautärzte diese Entzündungshemmer vorbeugend und in niedriger Dosierung an: die sogenannte proaktive Therapie. "Die Idee: Die Salbe wird weiterhin dünn aufgetragen, auch wenn das Ekzem verschwunden ist", sagt der Immundermatologe Professor Thomas Werfel. Er ist leitender Oberarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover und einer der führenden Neurodermitis-Experten in Deutschland.

Zweimal pro Woche über mindestens drei Monate sollten betroffene Stellen weiterbehandelt werden. Besser ein Jahr. Denn auch nach dem Abklingen der Entzündung bleibt eine für das Auge nicht sichtbare Art Rest-Entzündung zurück. "Wenn man aufhört zu behandeln, ist sie ganz schnell wieder da", sagt Werfel. Dass die proaktive Therapie Besserung bringen kann, wurde mehrfach in Studien belegt. "Es gibt weniger Schübe, und es wird auch weniger Wirkstoff benötigt."


Professor Thomas Werfel, Immundermatologe und Neurodermitis-Experte

W&B/Stefan Thomas Kröger

In besonders schweren Fällen können Ärzte antientzündliche Wirkstoffe in Tablettenform verordnen. Den Anfang macht oft Kortisol. "Das funktioniert, ist aber aufgrund der Nebenwirkungen schlecht", sagt Werfel. Im Extremfall kann auf Mittel zurückgegriffen werden, die das Immunsystem unterdrücken. "Bei Kindern darf das nur die absolute Ausnahme sein", betont der Experte.

Umstritten: Neurodermitis-Diäten oder Homöopathie

Kuhmilchfrei, hühnereifrei, allesmöglichefrei – sogenannte Neurodermitis-Diäten sind Professor Werfel ein Dorn im Auge. Oder auch Diäten, bei denen angeblich schädliche Stoffe wie Zucker oder Farb- und Konservierungsstoffe weggelassen werden. "Wenn es keine eindeutigen Hinweise auf eine entsprechende Allergie gibt, sind das alles Einschränkungen, die nicht zur Besserung der Neurodermitis beitragen werden", sagt Werfel.

Ähnlich steht es um naturheilkundliche Cremes und Salben, für die es im Hinblick auf Neurodermitis keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis gibt. "Aloe vera zum Beispiel. Aber im Zweifel schaden solche Produkte in der Regel auch nicht", sagt Werfel. Kritisch sieht der Dermatologe den Einsatz homöopathischer Mittel. "Hier gibt es keinen Hinweis auf Wirksamkeit."


Forscher untersuchen neue helfende Wirkstoffe

Gegen 1935 erstmals beschrieben, gilt Kortisol seit Jahrzehnten als Allzweckmittel gegen Neurodermitis. An neuen, besser verträglichen Wirkstoffen wurde kaum geforscht. "Erst seit zwei, drei Jahren haben wir wieder sehr viel Forschung in dem Bereich – nachdem gut 20 Jahre kaum etwas passiert ist", sagt Werfel. Vor allem sogenannte Biologika sind in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Das sind neue, gentechnisch hergestellte Medikamente, die beispielsweise zur Therapie von Schuppenflechte schon zugelassen sind. Im Bereich der Neurodermitis gibt es bislang zwar nur eine veröffentlichte Studie – diese sei laut Werfel jedoch vielversprechend. 2014 schrieb eine Arbeit im New England Journal of Medicine dem Wirkstoff Dupilumab eine deutliche Besserung bei schwerer Neurodermitis zu.

Professor Werfel selbst ist gerade an einer klinischen Studie an der Medizinischen Hochschule Hannover beteiligt. Sie verfolgt einen weiteren Ansatz: Es wird ein Wirkstoff getestet, der den Histamin-4-Rezeptor blockiert. Dieser sitzt auf Entzündungszellen und Nervenfasern, die Juckreiz vermitteln. "Wenn man diese Rezeptoren blockt, kann das Neurodermitikern helfen", sagt Werfel. Die ersten Tests würden positiv verlaufen.


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