Häufig verschwinden die Symptome bis zum Schulalter. Bei manchen – so auch bei Angelika G. – bleiben sie jedoch weiterhin bestehen, während wieder andere Neurodermitis erst als Erwachsene bekommen. Die Ursachen des Hautleidens sind vielschichtig und teilweise noch unbekannt. Forscher entdeckten beispielsweise Erbgutveränderungen, die verschiedene Genregionen betreffen.
Ein Gen als wichtiger Faktor
Ein Gen entpuppte sich dabei kürzlich als wichtiger Schlüsselfaktor. Es enthält die Bauanleitung für Filaggrin, ein notwendiges Eiweiß in der Hornschicht unserer Haut. Bildet es der Körper nur vermindert oder überhaupt nicht, ist die natürliche Verhornung gestört. Eine Folge: "Unsere schützende Hautbarriere funktioniert nicht mehr richtig", erklärt Privatdozent Dr. Detlef Becker von der Universitäts-Hautklinik Mainz. "Dann trocknet die Haut der Patienten schnell aus und reagiert empfindlich auf äußere Einflüsse wie klimatische und mechanische Reizungen."
Zwei Beispiele: Schwitzt ein Betroffener, quillt die Haut dort auf, wo sie in kleinen Falten aufeinanderreibt; das kann zu einem Ekzem führen. Und: Kaum ein Neurodermitiker erträgt Wollkleidung direkt auf der Haut. Sofort beginnt es zu jucken – er kratzt, und schon stellen sich Hautveränderungen ein.
Zusätzlich auch noch Allergien
Zusätzlich besitzen die Erkrankten weniger Abwehrstoffe gegen bestimmte Bakterien, die sich normalerweise auf der menschlichen Haut in kleinen Mengen tummeln. Schon ein geringer Anstieg der Zahl dieser einzelligen Organismen verursacht Entzündungen. Hormonelle Faktoren, etwa Veränderungen in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren, können ebenso die Hautfunktion beeinflussen. Und als ob das nicht bereits genug wäre, kann das übernervöse Immunsystem leichter Allergien entwickeln – etwa auf Lebensmittel, Hausstaubmilben oder Tierhaare.
Auch Angelika G. reagierte immer empfindlicher: als Kind auf Erdbeeren und Nüsse, später auf Hausstaubmilben und Pollen. Umwelteinflüsse wie Nahrungsmittelzusätze oder Luftverschmutzung sowie psychosoziale Faktoren wie beruflicher und privater – auch positiver – Stress können die allergischen Reaktionen verstärken.
"Deshalb gibt es bei Neurodermitis die unterschiedlichsten Verläufe", erklärt Dermatologe Becker. Und weiter: "Kombinieren sich die genannten Symptome in unglücklicher Weise, können sie zu einem schweren Krankheitsbild führen." Da Neurodermitis auf Fehler in der Hautbarriere zurückgeht, liegt es nahe, an diesem Punkt anzusetzen und die Funktion der Haut zu unterstützen.