Urtikaria (Nesselsucht)

Auf der Haut bilden sich Quaddeln, die stark jucken? Dieses Symptom kann auf die Krankheit Urtikaria (Nesselsucht) hindeuten. Mehr zu Ursachen, Diagnose und Therapie
von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 28.12.2016

Die Nesselsucht geht mit stark juckenden Quaddeln auf der Haut einher

Mauritius/PhotoResearchers

Was ist eine Nesselsucht (Urtikaria)?

Die Urtikaria (Nesselsucht) ist gekennzeichnet durch Quaddeln. Diese kommen durch umschriebene Wasseransammlungen in den oberflächlichen Anteilen der Haut zustande. Die Quaddeln machen sich als stark juckende, umschriebene Schwellungen an unterschiedlichen Körperstellen bemerkbar.

Bei allen Formen der Urtikaria – außer bei der Urticaria factitia – können zusätzlich zu Quaddeln auch Angioödeme auftreten. Unter einem Angioödem versteht man eine Schwellung der tiefen Anteile der Haut sowie der Unterhaut. Diese entsteht häufig gleichzeitig mit Quaddeln, seltener für sich alleine, das heißt isoliert. In vielen Fällen stellt ein isoliertes Angioödem eine Nebenwirkung eines Medikaments aus der Gruppe der ACE-Hemmer dar (ACE-Hemmer-induziertes Angioödem). Sehr selten ist ein Angioödem ein Anzeichen für eine erbliche Krankheit: das hereditäre Angioödem. Speziell im Bereich von Schleimhäuten wird ein Angioödem auch nach dem Erstbeschreiber, dem Arzt Heinrich Irenaeus Quincke, als Quincke-Ödem bezeichnet.


Frau Angela Unholzer

Autorin und Expertin: Dr. Angela Unholzer, Fachärztin für Dermatologie

W&B/Privat

Jeder vierte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Urtikaria – mit oder ohne begleitendem Angioödem. Bei den meisten Betroffenen treten die Hautveränderungen schubweise und unabhängig von äußeren Einflüssen auf. Dann spricht man von einer spontanen Urtikaria. Eine induzierbare Urtikaria liegt hingegen dann vor, wenn die Quaddeln durch einen bestimmten Reiz ausgelöst werden.

Häufigste Form: akute spontane Urtikaria

Bei einer spontanen Urtikaria sind die Quaddeln unregelmäßig über die gesamte Haut verteilt. In über 90 Prozent der Fälle heilt die Erkrankung innerhalb von sechs Wochen ab. Dann liegt eine akute spontane Urtikaria vor, die auch kurz akute Urtikaria genannt wird. Sie ist die mit Abstand häufigste Form der Nesselsucht. Hält die Quaddelbildung länger als sechs Wochen an, spricht man von einer chronischen spontanen Urtikaria oder kurz von einer chronischen Nesselsucht. Hiervon sind zumeist Menschen im mittleren Erwachsenenalter betroffen, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer.

Eine akute spontane Urtikaria wird häufig durch einen akuten Infekt ausgelöst. In einigen Fällen entstehen die Hautveränderungen durch eine allergische Reaktion vom Soforttyp (anaphylaktische Reaktion), zum Beispiel durch einen Wespen- oder Bienenstich, durch ein Nahrungsmittel oder ein Medikament.

Auch lässt sich bei etwa 80 Prozent der Patienten mit einer chronischen spontanen Urtikaria eine konkrete Ursache ermitteln. Am häufigsten ist dies eine chronische Infektion (Infekturtikaria), eine Unverträglichkeit eines wiederholt eingenommenen Medikaments oder Lebensmittelbestandteils (Intoleranzurtikaria) oder eine anhaltende Reaktion des Abwehrsystems auf körpereigene Strukturen (autoreaktive Urtikaria). Bei zirka 20 Prozent der Betroffenen kann die Ursache nicht geklärt werden. Dann spricht man von einer idiopathischen Urtikaria.

Bei einer induzierbaren Urtikaria kommt es nur dann zu Quaddeln, wenn ein spezifischer Reiz auf die Haut einwirkt. Stellt dieser Reiz eine physikalische Größe dar, wie zum Beispiel Druck, Kälte, Wärme oder Licht, dann handelt es sich um eine physikalische Urtikaria. Im Gegensatz zur spontanen Urtikaria entstehen die Hautveränderungen nur an den Stellen, auf die der spezifische Reiz einwirkt.

Sowohl die akute als auch die chronische Form der spontanen Urtikaria behandelt der Arzt innerlich mit Medikamenten, die die Effekte des Botenstoffs Histamin blockieren. Diese Wirkstoffe werden Antihistaminika genannt. Bei den induzierbaren Formen der Urtikaria empfiehlt es sich, den Auslöser zu meiden. Gelingt dies nicht vollständig, kann der Betroffene die Krankheitszeichen ebenfalls mit Hilfe eines Antihistaminikums unterdrücken.

Wichtig: Juckende Rötungen und Schwellungen auf der Haut können zahlreiche Ursachen haben. Nicht immer handelt es sich um eine Urtikaria. Veränderungen an der Haut deshalb grundsätzlich vom Arzt abklären lassen!


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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