Therapie der akuten Nebenhöhlenentzündung: Beim Verdacht auf eine länger oder wiederholt auftretende Nasennebenhöhlenentzündung oder Verdacht auf Komplikationen ist es auf jeden Fall ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Insbesondere wenn Kinder betroffen sind, sollten die Eltern keinesfalls zu lange selbst "herumdoktern". Außerdem sollten sie unbedingt die drei Hinweise für Eltern weiter unten im Text beachten! Der Arzt empfiehlt üblicherweise zur Linderung von Atembeschwerden kurzfristig abschwellende Nasentropfen oder Nasensprays (zum Beispiel mit den Wirkstoffen Xylometazolin oder Oxymetazolin).
Patienten sollten sich aber zu Auswahl und Anwendung der Präparate ausführlich beim Arzt oder in der Apotheke beraten lassen. Denn werden die Mittel zu lange eingesetzt, kann die Schleimhaut austrocknen und Schaden nehmen. Verträglicher für die Nasenschleimhaut sind Präparate ohne das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid. Nach mehr als einer Woche regelmäßiger Verwendung von abschwellenden Mitteln droht eine Gewöhnung oder sogar eine Abhängigkeit: Sobald die Wirkung des Mittels nachlässt, schwillt die Schleimhaut dann jedes Mal umso stärker wieder an, was die Betroffenen immer wieder "zur Flasche" greifen lässt.
Sowohl bakterielle als auch virale Entzündungen heilen in 60 bis 80 Prozent der Fälle innerhalb von zwei Wochen komplikationslos aus. Antibiotika sind nur selten erforderlich. Sie sind insbesondere bei starken Beschwerden oder drohenden Komplikationen angebracht. Bei akuten Verläufen einer chronischen oder häufig wiederkehrenden Entzündung und bei bekannten allergischen Schleimhaut-Reaktionen kann die Anwendung eines Kortison-haltigen Nasensprays die Heilung beschleunigen.
Besser nachgewiesen als bei Antibiotika ist der heilende Effekt von pflanzlichen Sekretlösern (wie Myrtol, Cineol, Primelextrakte). Inhalationen mit warmem Dampf (nach Belieben mit oder ohne ätherische Öle) können ebenfalls oft die Beschwerden lindern.
Gegen Schmerzen im Kopf- und Gesichtsbereich helfen ansonsten rezeptfreie Schmerzmittel aus der Apotheke (zum Beispiel mit den Wirkstoffen Paracetamol oder Ibuprofen).
Zu Auswahl und Anwendung von Präparaten sollten sich Patienten ausführlich beim Arzt oder Apotheker informieren!
Therapie der chronischen Nebenhöhlenentzündung
Bei einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung verschreibt der Arzt oft örtlich wirkende Kortison-Präparate, die der Entzündung entgegen wirken. Auch Nasenspülungen mit Salzlösungen können dann lindernd wirken.
Sind die Nasennebenhöhlenentzündungen durch eine Allergie (mit-)verursacht, kann eine Desensibilisierung oder Allergenvermeidung sinnvoll sein.
Drei wichtige Hinweise für Eltern:
• Säuglinge und kleine Kinder sollten wegen der Verbrühungsgefahr noch nicht inhalieren. Viele Erkältungssalben und ätherische Öle enthalten Menthol. Säuglinge und kleine Kinder sollten auf keinen Fall mit mentholhaltigen Substanzen inhalieren oder damit eingerieben werden, da sie bei ihnen einen Atemstillstand auslösen können! Ähnliches gilt für andere stark riechende ätherische Öle.
• Kinder unter 14 Jahren sollten keine schmerzlindernden und fiebersenkenden Medikamente mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) erhalten. Gerade im Zusammenhang mit Infekten drohen bei ihnen sonst gefährliche Leber- und Gehirnschäden (so genanntes Reye-Syndrom, Ursache noch nicht endgültig geklärt).
• Medikamente, die für Erwachsene entwickelt wurden, können Kindern unter Umständen schaden. Eltern sollten den Kleinen deshalb nur solche Präparate geben, die auch für die entsprechende Altersstufe geeignet sind und auf die altergerechte Dosierung achten. Im Zweifel beim Arzt oder in der Apotheke beraten lassen!
Chirurgische Therapie
In seltenen Fällen kommt es bei einer Nasennebenhöhlenentzündung zu ernsten Komplikationen. Wenn die Entzündung beispielsweise in die Augenhöhle oder in andere Bereiche durchbricht, sind operative Maßnahmen notwendig. Vor allem bei chronischer Nebenhöhlenentzündung wird durch einen operativen Eingriff unter Vollnarkose bei Bedarf die erkrankte Schleimhaut in den Nebenhöhlen abgetragen, die Nasenscheidewand begradigt, der Nasengang erweitert, oder es werden Polypen entfernt. Diese Maßnahmen erfolgen meistens mit dünnen Instrumenten von der Nasenhöhle aus (endoskopisch). Äußere Schnitte sind heute eher selten erforderlich. Operationen an den Nebenhöhlen sind wegen der Nähe zu Gehirn und Augen aber trotzdem nicht ohne Risiko. Komplikationen wie Verletzungen benachbarter Strukturen oder Blutungen können vorkommen.
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13.09.2005, aktualisiert am 09.09.2011
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/French Photographers
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