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Weshalb wir manche Menschen gerne riechen

Der charakteristische Eigenduft jedes Menschen beeinflusst Sympathie und Partnerwahl. Der Duftexperte Hanns Hatt erklärt die Gründe


Attraktivität: Auch eine Frage des Körpergeruchs

Für den einen ist es das schwitzige Trikot des Mannschaftskollegen, für die andere hingegen das duftigste Kleidungsstück der Welt. Weshalb mögen wir bestimmte Personen bloß so unglaublich gerne riechen? "Jeder Mensch hat einen ganz eigenen, einmaligen Körperduft. Wir nennen es auch den Olfaktorischen Fingerabdruck", erklärt Professor Hanns Hatt, Riechbuch-Autor und Neurophysiologe an der Ruhr-Universität Bochum.

Insgesamt setzt sich der Geruch, den wir mit einer Person verbinden, aus verschiedenen Komponenten zusammen. Dazu zählen zum einen künstliche Zusatzdüfte wie Deodorantien, Cremes und Parfüms. Hinzu kommen dann Einflüsse durch die Nahrung. Das Beispiel Knoblauch dürfte jedem bekannt sein. Diese Gerüche mischen sich dann mit dem charakteristischen Eigenduft des einzelnen und führen zum Gesamtergebnis.


"Verbindet man mit einem bestimmten Parfüm schlechte Erinnerungen, dann mag man es auch in der Regel nicht mehr gerne riechen", so Hatt. Ob man sich wünscht, dass der Geliebte Tag und Nacht nach Chorizo-Wurst riecht, ist sicherlich auch Geschmackssache. Aber ob einem der Eigengeruch einer Person gefällt oder nicht, das bestimmen unsere Gene.

Den Eigengeruch legt unser Erbgut fest. Je ähnlicher die Gene zweier Menschen sind, desto ähnlicher ist auch ihr Duft. "Je stärker sich der Eigengeruch eines potentiellen Partners von dem eigenen unterscheidet, desto interessanter ist dieser Mann für eine Frau", so Hatt. Das gilt im Tierreich genauso wie bei uns Menschen. In freier Wildlaufbahn verhindert das Phänomen Inzucht und damit verbundene Erbschäden.

Der persönliche Duft bestimmt also, wen wir sexy finden und wen nicht. Auf Liebe und Sympathie zeigt er laut Hatt hingegen keinen Einfluss. Da man aber mit dem Duft des geliebten Partners positive Empfindungen verbindet, ist er uns auch besonders angenehm. Um noch einmal auf die ähnlichen Gene zurückzukommen: Wieso mögen wir unsere Geschwister so gerne riechen, obwohl doch das Erbgut so viele Übereinstimmungen zeigt? "Brüder und Schwestern können sich in den meisten Fällen über den Duft identifizieren. Hier spielt Sexualität keine Rolle, der Duft fungiert als Sympathieträger", erklärt unser Experte.

Der natürliche Eigengeruch bleibt uns ein Leben lang erhalten. Einfluss können wir nur auf die Zusatzstoffe nehmen, der olfaktorische Fingerabdruck lässt sich einfach nicht verändern. Der typische Schweißgeruch des einzelnen kann allerdings leicht variieren. Beispielsweise durch Hormoneinflüsse in der Schwangerschaft oder nach der Pubertät. Dieser Fall tritt auch im Tierreich ein und markiert oft den Punkt, in dem die Jungen aus der Familie ausgestoßen und somit flügge werden.

Oft hört man von den sogenannten Pheromonen, chemischen Kommunikationsdüften, die sich im Schweiß befinden. Zu ihnen zählen zum Beispiel Sexual-Lockstoffen. Im Tierreich sind Peromone eindeutig vorhanden, beim Menschen konnten Forscher sie bis heute nicht sauber nachweisen. "Ein Pheromon ist ein Duftstoff, der von einem Lebewesen produziert wird und bei einem anderen Tier der gleichen Art immer die selbe Reaktionein hervorruft. Beispielsweise Maus-Maus oder Hund-Hund", erläutert Hatt.

Pheromone, zum Beispiel Androstenon, das ein Eber absondert, versetzen eine Sau in die sogenannte Duldungsstarre. Androstenon riecht übrigens so unangenehm, dass dem Menschen Eberfleisch nicht schmeckt, aber es hilft dem männlichen Tier dabei, das Weibchen begatten. Allerdings wirkt dieser Mechanismus nur, wenn die Sau gerade einen Eisprung hatte. Besagtes Androstenon fanden Forscher auch im Schweiß des Mannes. Es soll Frauen während des Eisprunges dazu bringen, den männlichen Androstenon-Produzenten attraktiver zu finden. "Der Mann lockt so aber nicht nur eine Dame an, sondern alle gleich", fügt Hatt hinzu.



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 15.06.2010, aktualisiert am 29.03.2011
Bildnachweis: iStock/mediaphotos

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