Was tun bei Zungenveränderungen?

Oftmals ist eine verfärbte oder belegte Zunge eher eine Laune der Natur. Sie kann aber auch auf Krankheiten hindeuten. Wann ein Besuch beim Arzt ratsam ist

von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 21.01.2016

Hat sich die Zunge verändert? Manchmal weist ein Zungenbelag auf Krankheiten hin

Mauritius/Alamy

Zungen gibt es in vielen Varianten. Die Farbschattierung weicht von Mensch zu Mensch oft erheblich ab. Und auch die Oberfläche kann sich stark unterscheiden. Menschen mit einer "Lingua plicata" haben beispielsweise eine sogenannte Faltenzunge, in die sich tiefe Furchen eingegraben haben. Das ist aber nicht krankhaft und bewirkt allenfalls, dass sie auf Saures und Scharfes empfindlicher reagieren.

Noch besorgniserregender kann eine "Lingua geographica" aussehen: Weil sich bestimmte Bereiche der Zunge auf dem Zungenrücken unterschiedlich schnell abschilfern, wirkt die Oberfläche wie eine rotweiße, wunde Landkarte. Aber die Landkartenzunge ist ebenfalls kein Grund zur Sorge, allenfalls mitunter für Schmerzen.


Innere Krankheiten können die Zunge beeinflussen

Eine plötzliche Veränderung der Zunge kann jedoch auch auf ein krankhaftes Geschehen hindeuten, mahnt Dr. Jan Peter Thomas, geschäftsführender Oberarzt der HNO-Klinik im St. Elisabeth Hospital der Ruhr-Universität Bochum. Bleiben der Belag oder die Verfärbung trotz normaler Mundhygiene mehrere Wochen bestehen oder kommen andere Beschwerden hinzu, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Innere Krankheiten führen öfter zu typischen Farbwechseln der Zunge:


  • Scharlach: Erst weiß belegt, danach gerötete Zunge, die an eine Himbeere erinnert, deshalb "Himbeerzunge"
  • Typhus: Blasse graue Zunge
  • Leberkrankheiten: "Lackzunge"
  • Magendarm-Erkrankungen: Gelbliche Beläge
  • Eisenmangel oder Blutarmut (Anämie): Gräuliche Zunge mit Zungenbrennen
  • Nierenkrankheiten: Bräunlicher Belag (selten)
  • Addison-Krankheit: Dunkle Flecken

Darüber hinaus gibt es auch einige Substanzen, die unter Umständen die Zunge verfärben:

  • Übertriebene Mundhygiene mit Chlorhexidin: Dunkle Beläge
  • Medikamente wie Tetrazykline (Antibiotikum), Bismutsalze, Protonenpumpenhemmer: Schwarze Zunge
  • Andere Antibiotika: Schwarze "Haarzunge" (eigentlich fadenförmig verlängerte Papillen auf der Zungenoberfläche), bei starker Ausprägung eventuell mit Schluckbeschwerden und beim Sprechen behindernd
  • Nikotin, Kaffee: Schwarzfärbung

Leukoplakien: Riskante weiße Flecken

Es gibt auch Zungenerkrankungen, die von der Mundhöhle selbst ausgehen. Neben der aufgeführten Schwarzfärbung kann Nikotin sowie übermäßiger Alkoholgenuss dazu beitragen, dass eine sogenannte Leukoplakie entsteht. Das ist eine weißliche, nicht abstreifbare Verfärbung eines Teilbereichs der Zunge. Sie kann ebenso auf dem Zungenrücken wie auch am Rand oder an der Unterseite sitzen. "Bis zu 30 Prozent der Leukoplakien können sich ohne Behandlung potenziell zu bösartigen Tumoren entwickeln", sagt Thomas. Schmerzhaft ist eine Leukoplakie normalerweise nicht. Wer sie trotzdem entdeckt, zum Beispiel beim Zähneputzen, sollte die weiße Stelle durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Hautarzt abklären lassen.

Von der Leukoplakie grenzt der Arzt den Lichen ruber planus ab, den es in verschiedenen Ausprägungen gibt. Eine davon geht mit einer streifigen weißlichen, schmerzhaften Entzündung der Mundschleimhaut einher, seltener ist auch die Zunge betroffen. Möglicherweise handelt es sich bei der Krankheit um eine durch Viren ausgelöste Autoimmunreaktion. Deshalb sollte der Arzt nach einem Virenbefall im Körper suchen, der beispielsweise in Form einer Leberentzündung (Hepatitis C) auftritt.


Weißgelber Belag durch Hefepilze

Es ist normal, dass Hefepilze in der Mundhöhle vorkommen. Bei den Patienten, die in seine Klinik kommen, stellt Thomas aber öfter einen übermäßigen Pilzbefall der Zunge fest. Das führt zu weißlichen bis gelblichen Auflagerungen, die in der Regel gleichmäßig die Zunge bedecken. Im Gegensatz zu Leukoplakien lassen sich diese Auflagerungen abstreifen. Darunter ist die Zunge gerötet und blutet leicht. Betroffen sind besonders Ältere, die kaum mehr feste Nahrung zu sich nehmen, sowie Patienten nach einer Bestrahlung oder Chemotherapie und Menschen, die unter Mundtrockenheit leiden. Verminderter Speichelfluss ist zum Beispiel eine Nebenwirkung bestimmter Antidepressiva.

Um die Hefepilze zu bekämpfen, verabreicht der Arzt Medikamente. Diese Antimykotika gibt es sowohl in Tablettenform als auch als Saft, den der Patient eine Weile im Mund behalten und dann herunterschlucken sollte. "Denn nicht selten hat sich der Pilz auch bis in den Schlund und die Speiseröhre ausgebreitet", erklärt Thomas. Das kann allerdings auch Schluckbeschwerden auslösen, die die Behandlung erschweren. Mit einem Zungenschaber lässt sich ein Teil des Belags abtragen. Außerdem gehören – wenn möglich – regelmäßiges Essen und Trinken zur Therapie.

Zungenveränderungen vorbeugen

Fazit des Experten: Kein Tabak, kein übermäßiger Alkoholgenuss, genügend trinken, die Mundhygiene nicht vernachlässigen, aber es auch nicht mit Mundwässern übertreiben. Das alles kann dazu beitragen, dass Zungenveränderungen erst gar nicht entstehen. Hilfreich: Hin und wieder beim Zähneputzen einen Blick auf die Zunge werfen, ob sich etwas verändert hat. Im Zweifelsfall klärt der Arzt dann mögliche Krankheiten ab.



Bildnachweis: Mauritius/Alamy

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