Das Gefühl, als würde die Zunge am Gaumen kleben, ist eines der unangenehmen Symptome des Sjögren-Syndroms. Die nach einem schwedischen Arzt benannte Autoimmunkrankheit richtet sich gegen Zellen der Tränen- und Speicheldrüsen, sie betrifft aber auch andere Schleimhäute. Diese entzünden sich und sind dann nicht mehr voll funktionsfähig. In der Folge geben insbesondere die Drüsen der Mundschleimhaut und an den Augen weniger Flüssigkeit ab.
Je nach Ausprägung kann zudem die Schleimhaut von Nase, Kehlkopf, Bronchien und Scheide in Mitleidenschaft gezogen werden. „Manchmal befällt die Krankheit auch die Gefäße und die inneren Organe“, erklärt Dr. Ino Gao, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie aus Heidelberg.
Auch das Allgemeinbefinden der Patienten verschlechtert sich, wie Elfi Borchers aus eigener Erfahrung weiß: „Eine große Belastung ist die plötzlich auftretende extreme Müdigkeit und damit verbunden der enorme Leistungsabfall“, sagt die Mitarbeiterin des Selbsthilfe-Netzwerks Sjögren-Syndrom.
Das Essen fällt schwerer
Nicht weniger quälend ist die Mundtrockenheit. Sie lässt nicht nur längeres Sprechen zur Tortur werden, sondern macht auch den Genuss von Keksen, trockenem Hartkäse oder Schwarzbrot so gut wie unmöglich.
Außer beim Zerkleinern der Mahlzeiten zu helfen, hat Speichel noch andere wichtige Aufgaben. Seine Inhaltsstoffe spielen bei der Bekämpfung von Krankheitserregern eine Rolle. Zu wenig Speichel führt zu häufigeren Entzündungen der Mundschleimhaut und begünstigt die Bildung von Karies.
Ein trockener Mund kann auch andere Gründe haben
Mundtrockenheit hat jedoch oft auch andere Ursachen. Die Speicheldrüsen können bei Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder als Nebenwirkung mancher Medikamente versiegen. Bei älteren Menschen lässt die Drüsentätigkeit generell nach.
Zur Abklärung, ob ein Sjögren-Syndrom vorliegt, dient eine Blutuntersuchung beim Arzt. Häufig entnimmt er auch ein winziges Stück Mundschleimhaut und lässt sie in einem Labor daraufhin untersuchen, ob die Speicheldrüsen entzündet sind.
Therapie mit Medikamenten und künstlichem Speichel
Ist der Befund positiv, geht die Therapie in zwei Richtungen. Zum einen versuchen Ärzte mit Medikamenten die Entzündung einzudämmen, um den Befall weiteren Gewebes zu verhindern. Zu diesem Zweck können starke Arzneimittel wie Kortison oder Immunsuppressiva nötig sein. Wiederherstellen lässt sich die Drüsenfunktion dadurch jedoch nicht.
Umso wichtiger ist die symptomatische Therapie. Ino Gaos Empfehlungen hierzu: „Für ein angenehmeres Gefühl im Mund sorgt künstlicher Speichel, der zum Beispiel in Form von Sprays erhältlich ist. Auch der Wirkstoff Bromhexin verflüssigt den Schleim.“ Doch es müssen nicht immer Arzneimittel sein: Auch Kaugummi kauen regt die Speichelbildung an.
Welche Hausmittel helfen
„Weitere Tipps sind, Kirschkerne oder Ähnliches zu lutschen oder zu zuckerfreien Bonbons zu greifen. Angenehm ist es auch, einen Teelöffel Speiseöl oder Butter im Mundraum zu verteilen“, rät Elfi Borchers.
Außerdem weist Borchers darauf hin, wie wichtig gerade für Sjögren-Patienten die Mundhygiene ist. „Eine weiche Zahnbürste, Zahnseide und Bürstchen für die Zwischenräume sollten selbstverständlich sein, ebenso regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt und mindestens dreimal jährlich eine professionelle Zahnreinigung.“ Auch Spülungen mit einem Mundwasser aus der Apotheke verschaffen Betroffenen ein Frischegefühl.
In der Psycho-Ecke
Bei Mahlzeiten gilt die Regel: kein Essen ohne Getränk. Meiden sollten Patienten allerdings Säfte, starken Kaffee und Alkohol. „Am besten immer ein Glas Wasser griffbereit haben“, empfiehlt die Expertin des Selbsthilfe-Netzwerks. Neben dem Gefühl des inneren Austrocknens leiden Betroffene auch unter dem fehlenden Verständnis Außenstehender. „Da wir nicht äußerlich sichtbar krank sind, werden wir schnell in die Psycho-Ecke abgeschoben“, beklagt Borchers
Kontakte und Informationen
Betroffene erhalten beim Selbsthilfe-Netzwerk Sjögren-Syndrom (www.sjoegren-erkrankung.de) nähere Informationen über die seltene Autoimmunerkrankung.
Einen ausführlichen Ratgeber für Sjögren-Patienten gibt der Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband heraus. Die Broschüre kann telefonisch angefordert werden unter der Hotline 01804 / 60 000 00 (20 Cent pro Anruf). Weitere Infos: www.rheuma-liga.de
Nicole Schuster / Apotheken Umschau;
31.05.2011, aktualisiert am 11.05.2012
Bildnachweis: Corbis GmbH/Image Source
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