Rhagaden: Einrisse im Mundwinkel

Die lästigen Läsionen können schmerzhaft sein. Wie sie sich am besten behandeln lassen, welche Mangelzustände und Krankheiten dahinter stecken können

von Christian Krumm, aktualisiert am 20.03.2017

Als ob sich die Haut abrollt: Rhagaden können ziemlich weh tun

Mauritius Image BROKER/Andre Schuster, iStock/volnSveta

"Die dünne Haut der Lippen besitzt keine Talgdrüsen, die einen schützenden Fettfilm bilden könnten", erklärt die Apothekerin Helen Brugger aus Herrsching. Die Haut trocknet daher besonders in kalter Luft leicht aus. Auch das Benetzen der Lippen mit der Zunge hilft wenig. "Das verspricht kurzfristig Linderung, aber der Speichel wäscht noch mehr Fett aus der Haut und verschlimmert das Leiden zusätzlich", ergänzt der Dermatologe Professor Philipp Babilas aus Regensburg.

Lippen pflegen

Umso wichtiger ist es, die Lippen mit Pflegestiften oder -cremes zu schützen, beispielsweise mit Dexpanthenol oder Melissenextrakt. Ein Tipp der Apothekerin: nach dem Essen die Mundwinkel mit einem sauberen Tuch abtupfen.


Rhagaden: Risse im Mundwinkel

Rhagaden sind Risse im Mundwinkel

Okapia Bildarchiv KG

Zahnersatz überprüfen

Schlecht angepasster Zahnersatz kann zu einem verstärkten Speichelfluss führen. In den Mundwinkel­falten quillt die Lippenhaut dann schnell auf – das fördert Entzündungen und damit schmerzhafte Einrisse, sogenannte Läsionen.

Lassen Sie also gegebenenfalls vom Zahnarzt überprüfen, ob Ihre Prothesen noch richtig sitzen.

Mangelzustände beheben

Mitunter kann auch ein Mangel an Vitamin B2 (Riboflavin) oder Eisen die schmerzenden Mundwinkelrisse begünstigen. Daher ist es vor allem bei hartnäckigen Rhagaden, so der Fachausdruck, immer ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Er kann einen mög­lichen Mangelzustand feststellen und mit entsprechenden Präparaten gezielt behandeln.

In leichten Fällen genügt oft schon eine entsprechende Umstellung der Ernährung.


Infektionen bekämpfen

"Wenn die empfindliche Haut an der Lippe aufweicht, bietet sie einen optimalen Nährboden für Pilze, Bakterien oder Viren. Viele davon zählen zum normalen Keimspektrum der Mundhöhle", erläutert Dermatologe Babilas. Ist die Hautbarriere an der Lippe aber geschädigt, haben die Erreger ein leichtes Spiel.

"Heilt die Verletzung nach ein paar Tagen nicht ab oder tritt sie häufiger auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden", rät Apothekerin Brugger. Bei ­einer Herpesinfektion kann der Arzt ein virenhemmendes Medikament verschreiben. Gegen Pilzinfektionen helfen Präparate mit Nystatin. Bak­­terielle Infektionen lassen sich mit antibiotischen Salben, mitunter auch mit entsprechenden Tabletten bekämpfen.

Erkrankungen behandeln

Manche chronischen Krankheiten können Mundwinkelrisse begünstigen. "Dies ist beispielsweise bei Diabetes, Allergien oder Neurodermitis der Fall", so Babilas. Auch Parkinson-Patienten leiden aufgrund eines vermehrten Speichelflusses häufiger ­unter Rissen im Mundwinkel. Umso wichtiger ist es, dass die Grund­erkrankun­gen konsequent behandelt und die Lippen stets gut gepflegt werden.


Entzündungen lindern

Vorübergehend können Cremes und Tinkturen mit Dexpanthenol, Myrrhe, Kamillen- oder Salbeiextrakt die Beschwerden lindern. Sie hemmen – mehrmals täglich aufgetragen – die Entzündungen, desinfizieren und bekämpfen die Schmerzen. Geeignet sind auch Zinkpasten, die die Feuchtigkeit aufnehmen und die Haut trocken halten. Scharfe und saure Speisen dagegen fördern die Entzündung und sollten daher bis zur Abheilung besser vermieden werden, rät Helen Brugger.



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