Fortschreitende Erkrankung: Verlaufsformen der Multiplen Sklerose (Um die Grafik ganz zu sehen, bitte auf die Lupe oben links klicken!)
Grundsätzlich gibt es bei Multipler Sklerose zwei Verlaufstypen: einen schubförmigen und einen chronisch-voranschreitenden (progredienten) Verlaufstyp. Häufig geht ein anfangs schubweiser Verlauf später in einen chronisch-voranschreitenden Verlauf über (sekundär progredienter Verlauf). Es gibt aber auch den eher seltenen anfangs schon chronisch-voranschreitenden Verlauf (primär progredienter Verlauf) ohne Auftreten von erkennbaren Erkrankungsschüben.
1. Schubförmiger Verlauf
Bei über 80 Prozent der Patienten beginnt die MS mit einem schubförmigen Verlauf. Ein Schub ist folgendermaßen definiert: Es bestehen neue Symptome über die Dauer von mindestens 24 Stunden, die nicht anderweitig erklärbar sind (zum Beispiel durch Fieber). Und seit dem Beginn des letzten Schubes sind mehr als 30 Tage vergangen.
Meistens finden sich keine eindeutig auslösenden Faktoren für einen Erkrankungsschub. Allerdings können alle seelischen und körperlichen Belastungen einen Schub begünstigen. Dazu zählen insbesondere Infektionen, psychischer Stress oder seelische Belastungssituationen.
Ein Schub kann einige Tage bis mehrere Wochen anhalten. Die Abstände zwischen zwei Schüben betragen Wochen oder auch viele Monate und Jahre. Bei einem Schub mit kompletter Remission bilden sich die Symptome anschließend wieder ganz zurück. Im Gegensatz dazu verbleiben bei einem Schub mit unvollständiger Rückbildung (inkomplette Remission) Restsymptome – mit der Folge einer bleibenden Funktionsstörung. Dies ist häufig in späteren Krankheitsstadien der Fall.
2. Chronisch-voranschreitender (chronisch-progredienter) Verlauf
Man unterscheidet den seltenen von Beginn an voranschreitenden Verlauf (primär progredient) ohne Erkrankungsschübe. Daneben gibt es den häufigen sekundär progredienten Verlauf. Hier treten zunächst Erkrankungsschübe auf. Nach einer variablen Zeit kommt es allerdings zu einem langsamen, kontinuierlichen Fortschreiten der MS mit oder ohne zusätzliche Schübe. Symptome und Beschwerden nehmen dabei allmählich zu.
Prognose und Folgeerkrankungen
Die Multiple Sklerose führt nicht zwangsläufig zu schwerer Behinderung. Nach Erfahrungen aus dem Klinikalltag und einer Studie von 1971 sind etwa 15 Jahre nach Erkrankungsbeginn auch ohne jede Therapie noch mindestens die Hälfte aller Patienten gehfähig. Weniger als zehn Prozent sterben an den direkten Folgen der Erkrankung beziehungsweise deren indirekten Komplikationen. Es sei ganz klar darauf hingewiesen, dass zur Zeit dieser Studien noch keine modernen Therapiekonzepte angewendet wurden. Die Ergebnisse spiegeln also einen "natürlichen Verlauf" ohne Behandlung wider. Neuere Langzeitdaten stehen noch aus. Diesbezüglich läuft seit mehreren Monaten eine Langzeitstudie des krankheitsbezogenen Kompetenznetz Multiple Sklerose, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (nähere Informationen unter www.kompetenznetz-multiplesklerose.de).
Wann im Krankheitsverlauf Behinderungen auftreten, ist ganz unterschiedlich und im Einzelfall nicht vorhersehbar. Ob sich Folgeerkrankungen einstellen oder nicht, hängt unter anderem von der ärztlichen Versorgung, dem Ansprechen auf die Behandlung, der Pflege, den Rehabilitationsmaßnahmen und der sozialmedizinischen Betreuung ab.
Die Lebenserwartung bei Multipler Sklerose ist heutzutage kaum noch verkürzt – insbesondere wenn keine höhergradigen Behinderungen vorliegen. Sollten schwerwiegende Komplikationen auftreten, liegt die Lebenserwartung statistisch betrachtet etwa sechs bis zehn Jahre unter der allgemeinen Lebenserwartung.
www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 29.09.2011
Bildnachweis: W&B/Purucker
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