Multiple Sklerose (MS): Verlaufsformen und Prognose

Multiple Sklerose verläuft oft anfangs in Schüben und später chronisch-voranschreitend. Sie führt nicht zwangsläufig zu schwerer Behinderung. Der Verlauf hängt von verschiedenen Faktoren ab
aktualisiert am 18.09.2017

Verlaufsformen der Multiplen Sklerose

W&B/Astrid Zacharias

Grundsätzlich gibt es bei Multipler Sklerose zwei Verlaufstypen: einen schubförmigen und einen chronisch-voranschreitenden (progredienten). Häufig geht ein anfangs schubweiser Verlauf später in einen chronisch-voranschreitenden Verlauf über (sekundär progredienter Verlauf). Es gibt aber auch den eher seltenen anfangs schon chronisch-voranschreitenden Verlauf (primär progredienter Verlauf) ohne Auftreten von erkennbaren Erkrankungsschüben.

Schubförmiger Verlauf

Bei über 80 Prozent der Patienten beginnt die MS mit einem schubförmigen Verlauf. Ein Schub ist folgendermaßen definiert: Es bestehen neue Symptome über die Dauer von mindestens 24 Stunden, die nicht anderweitig erklärbar sind (zum Beispiel durch Fieber). Und seit dem Beginn des letzten Schubes sind mehr als 30 Tage vergangen.

Meistens finden sich keine eindeutig auslösenden Faktoren für einen Erkrankungsschub. Allerdings können seelische und körperliche Belastungen einen Schub begünstigen. Dazu zählen insbesondere Infektionen, psychischer Stress oder seelische Belastungssituationen.

Ein Schub kann einige Tage bis mehrere Wochen anhalten. Die Abstände zwischen zwei Schüben betragen Wochen oder auch viele Monate bis Jahre. Bei einem Schub mit kompletter Remission bilden sich die Symptome anschließend wieder ganz zurück. Im Gegensatz dazu verbleiben bei einem Schub mit unvollständiger Rückbildung (inkomplette Remission) Restsymptome – mit der Folge einer bleibenden Funktionsstörung. Dies ist häufig in späteren Krankheitsstadien der Fall.

Chronisch-voranschreitender (chronisch-progredienter) Verlauf

Man unterscheidet den seltenen von Beginn an voranschreitenden Verlauf (primär progredient) ohne Erkrankungsschübe. Daneben gibt es den häufigen sekundär progredienten Verlauf. Hier treten zunächst Erkrankungsschübe auf. Nach einer variablen Zeit kommt es zu einem langsamen, kontinuierlichen Fortschreiten der MS mit oder ohne zusätzlichen Schüben. Symptome und Beschwerden nehmen dabei allmählich zu.

Folgeerkrankungen und Lebenserwartung

Den Krankheitsverlauf individuell vorherzusagen, ist derzeit noch sehr schwierig. Allerdings konnten Ärzte Faktoren identifizieren, die mit einem eher günstigen Verlauf einhergehen:
1)    Erstsymptom Sehnerventzündung oder Sensibilitätsstörungen
2)    Beginn unter 40 Jahre
3)    Schubförmige Verlaufsform
4)    Wenige Schübe mit kompletter Rückbildung der Beschwerden
5)    Weibliches Geschlecht

Als Faustregel gilt: Circa ein Drittel der MS-Patienten lebt ohne größere Behinderungen im Verlauf. Ein weiteres Drittel hat neurologische Beschwerden, die für Alltagstätigkeiten relevant sind, die sich aber zum Beispiel mit dem Beruf oft noch vereinen lassen. Bei einem weiteren Drittel führt die MS zu behindernden neurologischen Symptomen, die mit Berufsunfähigkeit und oft auch Pflegebedürftigkeit einhergehen können.

Um die Verlaufsformen besser zu charakterisieren, läuft unter anderem in Deutschland eine Langzeitstudie des krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (nähere Informationen unter www.kompetenznetz-multiplesklerose.de). Zwischenauswertungen der umfangreich gesammelten Daten stehen noch aus.

Ob sich Folgeerkrankungen einstellen oder nicht, hängt unter anderem von der ärztlichen Versorgung, dem Ansprechen auf die Behandlung, der Pflege, den Rehabilitationsmaßnahmen und der sozialmedizinischen Betreuung ab.

Die Lebenserwartung bei Multipler Sklerose ist heutzutage kaum noch verkürzt – insbesondere wenn keine höhergradigen Behinderungen vorliegen. Sollten schwerwiegende Komplikationen auftreten, liegt die Lebenserwartung statistisch betrachtet etwa sechs bis zehn Jahre unter der allgemeinen Lebenserwartung.


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