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Multiple Sklerose (MS)

Multiple Sklerose (MS) trifft vor allem junge Erwachsene. Die Krankheit befällt das zentrale Nervensystem, schädigt die Hüllschicht der Nerven. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein. Mehr zu Anzeichen, Ursachen, Verlauf und Behandlung


Multiple Sklerose schädigt die Schutzhülle (Myelinscheide, grün) von Nerven (gelb)

Was ist Multiple Sklerose?

Fallbeispiel: Eine 28-jährige Studentin bemerkt seit drei Tagen eine zunehmende Sehstörung auf einem Auge. Sie hat das Gefühl durch eine Milchglasscheibe zu blicken. Bald kann sie mit dem Auge nahezu nichts mehr erkennen. Zunächst sucht Sie einen Augenarzt auf, der sie schon bald zum Neurologen weiterschickt. Dieser äußert nach einigen Untersuchungen den Verdacht auf eine Multiple Sklerose.

So oder ähnlich beginnt manchmal die Krankheitsgeschichte bei Multipler Sklerose (auch Encephalomyelitis disseminata, ED genannt). Sie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter.

Bei der Multiplen Sklerose (MS, lateinisch multiplex = vielfach; griechisch skleros = hart) handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie kann das Gehirn, das Rückenmark sowie die Sehnerven befallen.

Welche Ursachen hat Multiple Sklerose?

Als Ursache dieser Erkrankung wird eine Autoimmunreaktion angenommen: Entzündungs- und Abwehrzellen des Körpers greifen fälschlicherweise körpereigene Strukturen an. Dies führt zu einem Abbau der Hüllschicht von Nervenfasern (Myelinscheiden) und zu einer Schädigung der Nervenfaser selbst. In den betroffenen Fasern werden Nervenreize schlechter weitergeleitet. Denn die Schutzhüllen umgeben die Nervenfortsätze wie eine Isolierschicht ein elektrisches Kabel. Sie sind unerlässlich dafür, dass die Nervenimpulse mit einer adäquaten Geschwindigkeit an den gewünschten Ort gelangen.

Wie Multiple Sklerose genau entsteht, ist bis heute nicht vollständig verstanden. Ärzte vermuten, dass viele Faktoren zusammentreffen. Am häufigsten kommt MS in den kühlen Klimazonen vor (Mittel- und Nordeuropa, USA, Südkanada, Südaustralien, Neuseeland). In Deutschland leiden nach Schätzungen etwa 120.000 Menschen an einer Multiplen Sklerose. Mehr zu möglichen Auslösern lesen Sie im Kapitel Ursachen.



Unser Experte: Dr. med. Joachim Havla

Welche Symptome sind typisch für MS?

Multiple Sklerose (MS) kann fast jedes neurologische Symptom auslösen, so dass die Krankheitsgeschichte bei verschiedenen Personen oft sehr unterschiedlich aussieht. Das gilt für den zeitlichen Verlauf sowie die Schwere und Ausprägung der Beschwerden. Man nennt die MS daher "die Krankheit mit den vielen Gesichtern". Sie kann zum Beispiel Muskelschwäche oder Lähmungen, eine Minderung der Sehschärfe bei Beteiligung der Sehnerven (Optikusneuritis), eine krampfhafte Erhöhung der Muskelspannung (Spastik) sowie Gefühlsstörungen oder Missempfindungen hervorrufen. Genaueres zu möglichen Anzeichen lesen Sie im Kapitel Symptome.

Multiple Sklerose: Verlauf und Therapie

Der Erkrankungsverlauf ist im Einzelfall nicht vorhersehbar. Am häufigsten verläuft die Krankheit zunächst in Schüben (schubförmig remittierender Verlauf). Das heißt, es entwickeln sich episodisch Krankheitssymptome, die sich nach einem gewissen Zeitraum spontan oder unter Therapie zurückbilden – ganz oder zumindest teilweise. Bei etwa 50 Prozent der Patienten geht der schubförmige Verlauf irgendwann in einen fortschreitenden Verlauf über. Seltener ist die von Anfang an chronisch fortschreitende (progrediente) Form. Dabei nehmen die Funktionsstörungen stetig zu (siehe auch Kapitel Verlaufsformen).

Frauen erkranken doppelt so häufig an MS wie Männer. Bei den meisten Betroffenen zeigt sich die Krankheit erstmals im Erwachsenenalter zwischen 20 und 40 Jahren (Gipfel bei 30 Jahren). Selten tritt Multiple Sklerose schon im Kindesalter oder erst im späten Erwachsenenalter auf.

MS ist nicht heilbar, aber durch moderne medikamentöse Therapieansätze gut behandelbar. Ziel der Behandlung ist es, die Selbstständigkeit und Lebensqualität des Betroffenen zu erhalten. Genauere Informationen finden Sie im Kapitel Therapie.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Jörg Neisel
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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 08.10.2014, erstellt am 13.09.2005
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Jörg Neisel

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