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Macht Migräne krank?

Studien zufolge erhöht Migräne das Risiko für bestimmte Erkrankungen wie Depression und Herzinfarkt


Die heftigen Kopfschmerzattacken belasten Menschen, die an einer Migräne leiden

Als seien sie nicht schon genug gestraft, haben Migränepatienten offenbar ein doppelt so hohes Herzinfarktrisiko wie Menschen ohne die quälenden Attacken. Zu diesem Schluss kommen Forscher um Richard Lipton vom Albert Einstein College of Medicine in New York (USA) im Fachblatt Neurology. Sie hatten die Daten von 6102 Migränepatienten analysiert und mit denen von 5243 Gesunden verglichen. Die Betroffenen hatten zudem ein um 50 Prozent höheres Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte. Die Autoren empfehlen, diese Risikofaktoren für Herz und Kreislauf bei Migränepatienten im Auge zu behalten und frühzeitig zu behandeln.



Bislang galt Migräne als schmerzhafte, aber harmlose Erkrankung, die die Lebensqualität beeinträchtigt, sich aber nicht auf die Lebenserwartung auswirkt. Wäre aufgrund dieser Daten ein Umdenken angebracht? DMKG-Präsident Arne May sieht hier noch großen Forschungsbedarf. „Es muss kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Migräne und Herzinfarktrisiko bestehen“, betont er. Andere Faktoren könnten die Statistik verfälschen. „So haben Übergewichtige meist mehr Anfälle als Dünne“, weiß er. „Gleichzeitig bewegen sie sich weniger. Bewegungsmangel wiederum fördert Migräneanfälle und ist ein unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“


Andere Zusammenhänge gelten dagegen als gesichert. „Migränepatientinnen mit Aura haben ein leicht erhöhtes Schlaganfallrisiko“, berichtet May, „vor allem, wenn sie zusätzlich rauchen und mit der Pille verhüten.“ Bei Migränikerinnen zwischen 20 und 45 Jahren sei das Risiko im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne Migräne um das Dreifache erhöht. Experten raten betroffenen Frauen, das Rauchen aufzugeben und regelmäßig ihre Blutdruck- und Cholesterinwerte überpüfen zu lassen.



Ein weiterer Zusammenhang steht ebenfalls außer Frage: „Migränepatienten bekommen dreimal häufiger Depressionen als andere“, sagt Professor Andreas Straube, Leiter der Münchner Kopfschmerzsprechstunde. „Umgekehrt haben Depressive ein erhöhtes Risiko, im weiteren Verlauf Migräne zu entwickeln.“



Wie niederländische Forscher der Universität Leiden im Fachblatt Neurology berichten, werden Migräne und Depression durch gemeinsame Erbfaktoren ausgelöst. In ihrer Studie mit rund 2600 Teilnehmern war das Risiko einer Depression bei Migräne ohne Aura um 30 Prozent, bei Migräne mit Aura sogar um 70 Prozent erhöht. „Wahrscheinlich liegt eine Störung des Serotoninstoffwechsels vor, der bei beiden Erkankungen eine Rolle spielt“, sagt Straube. „40 Prozent unserer Patienten haben zudem eine begleitende Angsterkrankung.“



Zum Schluss noch eine gute Nachricht: Frauen mit Migräne haben offenbar ein um 30 Prozent verringertes Brustkrebsrisiko. Wissenschaftler des Krebsforschungszentrums in Seattle (USA) führen dies auf hormonelle Einflüsse zurück. So scheinen hohe Östrogenspiegel vor Migräne zu schützen, erhöhen aber das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.



Barbara Kandler-Schmit / Apotheken Umschau; 03.09.2010
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Ablestock

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