Anmelden | Registrieren
Drucken

Malignes Melanom (Schwarzer Hautkrebs):
Therapie

Welche Behandlungsstrategie gewählt wird, hängt vor allem davon ab, wie weit fortgeschritten die Krankheit ist


Operation: Unter Umständen müssen auch Lymphknoten herausgenommen werden

Das Melanom wird – sofern machbar – operativ entfernt. Ist der bösartige Tumor dicker als ein Millimeter und gibt es bislang keine Hinweise auf Tochtergeschwülste im Körper, wird in der Regel zusätzlich ein ganz bestimmter Lymphknoten, der sogenannte Wächterlymphknoten, auf Krebszellen untersucht. Er heißt so, weil er der erste Lymphknoten in der Umgebung des Tumors ist, den die Krebszellen auf ihrem Weg zu anderen Organen passieren müssen. Der Wächterlymphknoten übernimmt also quasi die Rolle eines ersten "Wachtpostens". Die Probenentnahme aus diesem Lymphknoten heißt Wächterlymphknotenbiopsie (mehr dazu weiter unten). Finden sich in diesem Lymphknoten bösartige Zellen, hat sich der Krebs offenbar doch schon ein Stück weit im Körper ausgebreitet. In diesem Fall werden – außer dem Melanom – auch die benachbarten Lymphknoten herausgenommen.

Um den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen und möglicherweise kleinste noch nicht nachweisbare Tochtergeschwülste (Metastasen) im Körper zu bekämpfen, wird Patienten mit höherem Risiko eine zusätzliche Behandlung empfohlen: die adjuvante (= unterstützende) Immuntherapie mit Interferon-alpha (mehr dazu weiter unten). Ein höheres Risiko besteht beispielsweise bei einer Tumordicke über 1,5 Millimeter oder dann, wenn auch Lymphknoten entfernt werden mussten.


Tochtergeschwülste an anderen Organen werden, falls möglich, in einer Operation entfernt. Bei Hirnmetastasen kann auch eine Bestrahlungstherapie durchgeführt werden. Ist eine Operation nicht möglich, stehen verschiedene Chemotherapien oder Chemoimmuntherapien zur Verfügung.

Operative Therapie

Bei der Behandlung des Melanoms steht die vollständige operative Entfernung der verdächtigen Hautveränderung an erster Stelle. In der Regel erfolgt das in lokaler Betäubung (Lokalanästhesie). Bei eindeutigem Verdacht auf ein malignes Melanom sollte der Tumor mit einem Sicherheitsabstand von einem Zentimeter entfernt werden. Der Sicherheitsabstand ist die Entfernung zwischen Schnittrand und Melanom. Falls vor der Operation eine Tumordickenmessung mittels Ultraschall durchgeführt wurde (siehe dazu auch Kapitel "Diagnostik"), richtet sich der Sicherheitsabstand nach der geschätzten Dicke des Melanoms. Andernfalls muss nach Entfernung des bösartigen Tumors und feingeweblicher Bestimmung der Tumordicke eventuell eine Nachoperation mit dem empfohlenen Sicherheitsabstand erfolgen.

Empfehlungen zu Sicherheitsabständen beim malignen Melanom:

Tumordicke ≤ 2 Millimeter – Sicherheitsabstand 1 Zentimeter

Tumordicke > 2 Millimeter – Sicherheitsabstand 2 Zentimeter

Die Empfehlungen zu den Sicherheitsabständen bei der Operation von Melanomen haben sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Wie sich in großen repräsentativen Studien herausstellte, haben die früher eingehaltenen großen Sicherheitsabstände (von bis zu fünf Zentimeter bei dicken Tumoren) am Verlauf der Erkrankung nichts geändert.

Wächterlymphknoten-Biopsie

Um frühzeitig kleinste Tochtergeschwülste – sogenannte Mikrometastasen – zu erfassen, hat sich in den letzten Jahren die Probenentnahme (Biopsie) aus dem Wächterlymphknoten etabliert. Der Wächterlymphknoten ist der erste Lymphknoten aus dem Lymphabstromgebiet des Tumors. Die Biopsie des Wächterlymphknotens wird ab einer Tumordicke von einem Millimeter empfohlen, wenn bei der Ausbreitungsdiagnostik (siehe Kapitel "Diagnostik") keine Metastasen gefunden wurden. Für das Verfahren wird in den Schnittrand des Tumors sowohl eine radioaktiv angereicherte als auch eine mit Farbstoff markierte Substanz gespritzt. Mit einem Geigerzähler, der die Radioaktivität misst, kann dann der Wächterlymphknoten identifiziert und eine Probe entnommen werden. In einer feingeweblichen Untersuchung wird sie auf Tumorzellen überprüft. 

Die Untersuchung des Wächterlymphknotens hilft, die Prognose des Patienten besser zu beurteilen. Eventuell können weitere Therapiemaßnahmen eingeleitet werden.

Vorgehen bei Lymphknotenmetastasen

Beim Nachweis von Mikrometastasen im Wächterlymphknoten wird eine operative Entfernung der benachbarten Lymphknoten (radikale Lymphadenektomie) empfohlen, weil die Hoffnung besteht, dass die Prognose des Patienten dadurch verbessert wird. Gesichert ist das aber noch nicht.

Werden bereits in der Ausbreitungsdiagnostik (siehe Kapitel "Diagnostik") Lymphknotenmetastasen gefunden, stellt die radikale Lymphadenektomie die Standardtherapie dar.

Vorgehen bei Organmetastasen

Wenn möglich sollten Metastasen an anderen Organen auch operativ entfernt werden. Dieses Vorgehen ist insbesondere bei einzelnen Metastasen sinnvoll. Bei einzelnen Metastasen im Gehirn kann alternativ eine spezielle gewebeschonende Strahlentherapie (sogenannte stereotaktische Bestrahlung) zum Einsatz kommen.

 


Stadieneinteilung des Tumors (Staging)

Nach der Ausbreitungsdiagnostik (siehe Kapitel "Diagnostik"), der operativen Entfernung des Melanoms und der Entfernung von Lymphknoten- oder anderer Organmetastasen erfolgt eine Stadieneinteilung des Tumors. Beim malignen Melanom hat sich die sogenannte TNM-Klassifikation etabliert. Dabei steht T1-4 für die Tumordicke, N1-3 für die Zahl der befallenen Lymphknoten und M1a-1c für die Organmetastasen.

Unterstützende (adjuvante) Therapie

Eine adjuvante Therapie kann sich an die erfolgreiche Behandlung des Tumors anschließen. Ziel ist es, kleinste, noch nicht nachweisbare Tochtergeschwülste, die möglicherweise im Körper verblieben sein könnten, zu bekämpfen und so die Prognose des Patienten zu verbessern. Die Therapie mit Interferon-alpha konnte in klinischen Studien sowohl bei Patienten mit dickeren Melanomen (Tumordicke > 1,5 Millimeter) als auch bei Patienten nach Entfernung von Lymphknotenmetastasen die Prognose verbessern. Interferon-alpha beeinflusst das Immunsystem, die Behandlung wird daher Immuntherapie genannt. Abhängig vom behandelnden Zentrum und der Stadieneinteilung des Tumors wird entweder ein Therapieschema mit hohen Dosen Interferon-alpha oder ein Niedrigdosisschema durchgeführt. Bei der Hochdosis-Behandlung kann es zu schweren Nebenwirkungen kommen. Daher sollten Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen und mit dem Patienten besprochen werden.

Chemotherapie, Chemoimmuntherapie

Diese Therapieformen kommen bei Patienten mit Metastasen zur Anwendung, die nicht operiert werden können. Abhängig vom Tumorstadium und der Art der Metastasen können sowohl Chemotherapien mit einer Substanz (Monotherapie) als auch mit mehreren Zytostatika (Polychemotherapie) durchgeführt werden. Die Medikamente sollen vor allem Tumorzellen im Körper vernichten. Zu einem Teil treffen sie allerdings auch gesunde Zellen, insbesondere diejenigen, die sich schnell teilen. Deshalb hat eine Chemotherapie oft auch unerwünschte Effekte. Neben den Chemotherapeutika haben sich auch Substanzen, die das Immunsystem beeinflussen (zum Beispiel Interleukin-2), als wirksam erwiesen.

Nachsorge

Ist die Therapie beendet, gilt es vor allem, ein mögliches Wiederauftreten der Krankheit frühzeitig zu erkennen. Dafür werden feste Nachsorgetermine beim Arzt vereinbart. Die empfohlenen Zeitabstände richten sich nach dem Stadium der Krankheit, also nach der Tumordicke und der Ausbreitung des malignen Melanoms. Die Untersuchungen finden alle drei bis sechs Monate über insgesamt zehn Jahre statt. Die Nachsorge ist auch bei Patienten mit dünnen Melanomen und einer guten Prognose sehr wichtig, da Patienten mit einem Melanom in der Vorgeschichte ein erhöhtes Risiko haben, an einem Zweitmelanom zu erkranken.



  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7

Aus der Experten-Sprechstunde

www.apotheken-umschau.de; 11.11.2008, aktualisiert am 12.01.2011
Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

Das Krebs-Expertenforum

Mitarbeiter vom Krebsinformationsdienst KID beantworten hier bei uns Ihre Fragen zum Thema Krebs. Der KID ist Deutschlands Adresse Nummer 1, um verlässliche und valide Informationen über Krebs zu bekommen »

Weitere Krankheitsratgeber zum Nachlesen

Übersicht

Krebserkrankungen

Das Wort "Krebs" steht für eine ganze Reihe unterschiedlicher Krankheiten. Hier finden Sie eine Übersicht »

Die Haut – eine sensible Hülle

Wie Sie ihr äußeres Schutzschild richtig pflegen und welche Strategien gegen Hautkrankheiten es gibt »

Artikel zum Thema

Hautkrebs – Haut immer mehr in Gefahr

UV-Strahlung ist der wichtigste bekannte Risikofaktor bei der Entstehung von Hauttumoren »

Gutartige Hautveränderungen erkennen

Sie sind in der Regel ein rein kosmetisches Problem und müssen deshalb nicht unbedingt behandelt oder entfernt werden  »

Wie sieht eine gute Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchung aus?

Sind Sie versichert, haben Sie Anspruch auf ein kostenloses Hautkrebs-Screening. Vor allem Menschen mit vielen Leberflecken sollten sich regelmäßig untersuchen lassen »

Was Sie über Muttermale wissen sollten

Leberflecke sind in aller Regel harmlos. Veränderungen sollte aber ein Arzt kontrollieren »

Vorbeugen

Was Sie über Sonnenschutzmittel wissen sollten

Fahren Sie in den Urlaub? Vergessen Sie nicht die Sonnenmilch! Was hinter dem Begriff Lichtschutzfaktor steckt, ob der Sonnenschutz nach dem Baden noch wirkt, wie Sie die Präparate am besten anwenden »

So schützen Sie Ihre Haut vor der Sonne

Endlich raus ins Freie! Doch ein Sonnenbad birgt Risiken. Was Sie beachten sollten »

Kann man sich vor Krebs schützen?

Krebs kann einen Menschen in kurzer Zeit dahinraffen. Eine Zauberformel, wie sich einem Tumor vorbeugen lässt, gibt es leider nicht. Krebsforscher kennen jedoch die größten Risikofaktoren »

Sucht nach Sonne und Solarium

Manche Menschen, die sich in ihrer Haut unwohl fühlen, suchen ihr Glück im Solarium – mit enormen Risiken »

Der große Körpercheck

Testen Sie sich online

Depressions-Risiko, Schlafapnoe-Gefahr, Venen-Test – überprüfen Sie hier interaktiv Ihren Körper in Sachen Gesundheit »

Vorsorge-Rechner

Welche Vorsorgeuntersuchung steht Ihnen zu? Unser Online-Rechner sagt es Ihnen »

Experten-Sprechstunde

Wollen Sie mehr zu einem Gesundheitsproblem wissen? Hier finden Sie Informationen aus erster Hand »

Symptome

Geschwollene Beine, Kribbeln, Lymphknoten am Hals? Erfahren Sie mehr über Krankheitszeichen »

Laborwerte

Von CRP über TSH bis PSA – Labormedizin von A bis Z. Was die Werte über den Zustand des Körpers aussagen »

Diagnose-Verfahren

EKG, CT, MRT: Was verbirgt sich hinter solchen Kürzeln? Medizinische Untersuchungen einfach erklärt »

Therapien

Von Chemotherapie über Logopädie bis Akupunktur: Wichtige Behandlungsverfahren im Überblick »

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
BABY und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung