zirkuläre oder aufgelegte Einhüllungen eines Körperteils mit einer wirksubstanzgetränkten Kompresse, d. h. einem (gefalteten) Tuch. Wickel und Auflagen können eiskalt, kalt, warm oder heiß sein. Die feuchte Kompresse wird nicht oder nur mit einem dünnen trockenen Tuch abgedeckt. Demgegenüber sind Packungen Wickel, bei denen der Großteil des Körpers (v. a. des Rumpfs) mit feuchtkalten oder warmen Tüchern eingehüllt und mit einer trockenen Wolldecke abgedeckt wird. Breiumschläge (Kataplasmen) sind Auflagen aus wärmespeichernden pflanzlichen oder mineralischen Stoffen zur örtlichen Wärmezufuhr, sie werden oft nach der Wirksubstanz benannt; statt Breiumschlägen können auch fertige Wärmepacks verwendet werden, die in einem Wasserbad auf ca. 45 °C erhitzt werden.
Angewendet werden Wickel und Auflagen häufig zur Fiebersenkung, gegen lokale Entzündungen und gegen Schmerzen, z. B. bei rheumatischen Erkrankungen. Die Wirkung (z. B. Durchblutungsförderung, Kühlung, Lösung von Krämpfen, Muskelentspannung) ist meist auf den verwendeten Inhaltsstoff oder die physikalischen Effekte von Wärme bzw. Kälte zurückzuführen (Wärmebehandlung, Kältebehandlung). Die Anwendung ist meist nebenwirkungsfrei.
| Beinwickel | Feuchtkalter Wickel vom Fuß über die Wade bis hinauf zur Hüfte. Durchführung wie Wadenwickel | Venenerkrankungen, auch im Rahmen der Kneipp-Kur | Nicht bei kalten Füßen und Erkältungskrankheiten anlegen |
| Brustwickel | Brust in mittlerer Atemstellung mit kalten bis heißen, nass-feuchten Tüchern umwickeln | Fiebersenkung, Erkrankungen der oberen und unteren Luftwege (Erkältungen, Bronchitis, Lungenentzündung und Asthma) | Bei fieberhaften Erkrankungen erfolgt ein kalter oder lauwarmer Wickel, ansonsten ein heißer. Er kann mit ätherischen Ölen, Senfmehl oder Salben kombiniert werden |
| Essigwickel | Verdünnte Lösung der essigsauren Tonerde, mit dünnem Tuch abdecken | Prellungen, Verstauchungen | Bei längerer Anwendung können Hautschäden auftreten |
| Feuchter Umschlag | Baumwolltücher oder Kompressen mit der vom Arzt verordneten Flüssigkeit (z. B. desinfizierendes Mittel) tränken und auflegen. Dann mit trockenen Baumwolltüchern bedecken | Bei entzündlichen oder nässenden Hauterkrankungen zur Kühlung oder zum Austrocknen, bei Erkrankungen mit Schuppen und Krusten zum Aufweichen und Ablösen derselben | Bei häufiger Anwendung trocknet die behandelte Haut aus. Ist dies nicht erwünscht, muss sie zwischendurch oder zumindest nach Abschluss der Behandlung gut eingecremt werden. Nach einer halben Stunde wird der feuchte Umschlag erneuert |
| Kamillenwickel | Frottiertuch in Längsrichtung mehrmals gefaltet in warmen Kamillentee legen. Den auf den Bauch gelegten Wickel mit Wolltuch bedecken | Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit | Etwa 15 Min. liegen lassen |
| Kartoffelwickel | 3–4 heiße, ungeschälte Kartoffeln in ein Baumwolltuch legen und zerdrücken. Auf die zu behandelnde Stelle kommt ein Zwischentuch, darauf der Kartoffelbreiumschlag und darüber ein Flanell- oder Frotteetuch |
Infekte der Atemwege (z. B. Bronchitis) zur Dämpfung des Hustenreizes und Schleimlösung, Arthrosen, Schulter-, Nacken- und Rückenschmerzen, Blasenentzündungen | Nicht zu heißen Wickel bis zum Erkalten liegen lassen. Sie können nach dem Auskühlen erneuert werden oder bis zu 24 Std. verbleiben |
| Lehmpackung | Packung mit silikat- oder eisenhaltiger Tonerde | Gelenkschwellung infolge rheumatischer Entzündungen, Blutergüsse nach Verstauchungen, Venenerkrankungen, auch im Rahmen der Kneipp-Kur | |
| Leinsamenpackung | Pulverisierte Leinsamen in ein Leinensäckchen geben und in siedend heißes Wasser legen. Nach dem Quellen wie einen Kartoffelwickel aufbringen | Lokale Entzündungen (z. B. Stirn- und Kieferhöhlenentzündung), Bronchitis, Gerstenkorn, zur Reifung von Furunkeln |
Wickel bzw. Packung kann nach dem Auskühlen erneuert werden oder bis zu 24 Std. verbleiben |
| Prießnitz- Wickel | Leinentuch in kaltes Wasser tauchen, auswringen, eng, aber nicht einschnürend um den zu behandelnden Körperteil legen. Mit einem trockenen Lein- oder Baumwolltuch und einer Wolldecke abdecken, den Betroffenen mit einer weiteren Decke einhüllen | Erkältungskrankheiten, Fieber, Hals- und Mandelentzündungen. Lendenwickel auch bei Verstopfung, Bauchkrämpfen, Bluthochdruck, Schlafstörungen und im Rahmen der Kneipp-Kur | Der Prießnitz-Wickel soll den Organismus zum Schwitzen und zur vermehrten Ausscheidung über die Nieren und die Haut anregen. Der Wickel sollte nach 5–15 Min. als warm empfunden werden, andernfalls ist Wärme durch Teetrinken oder eine Wärmflasche zuzuführen; Anwendung für 1–4 Std. Bei Unwohlsein den Wickel abnehmen |
| Quarkwickel | Frischen, zimmerwarmen Quark direkt auftragen, mit dünnem Baumwolltuch, Frotteetuch und Wolldecke bedecken | Entzündliche Hauterkrankungen, Infekte der tiefen Atemwege: zur Schleimlösung, Hustenstillung, Entkrampfung | Etwa 15 Min. liegen lassen |
| Schwitzpackung | Betroffenen in feuchtheiße Tücher einwickeln und mit einem Federbett zudecken, Gesicht frei lassen | Erkältungskrankheiten, Anregung des Stoffwechsels | Die Schwitzpackung kann durch zusätzliche Wärmflaschen und das Trinken von heißen Getränken verstärkt werden. Nach 20–30 Min. Wäschewechsel mit vorgewärmter Wäsche |
| Wadenwickel | Gummituch und trockenes Handtuch unterlegen, Baumwolltuch mit küh-lem Wasser von etwa 25 °C tränken; kein Eiswasser oder Alkoholwasser verwenden! Wadenwickel an Waden locker anlegen, mit Frotteetuch oder Laken bedecken, nach 10–15 Min. wechseln | Fieber ≥ 39 °C | Nicht anwenden bei kalten Beinen oder Füßen, da sonst Kreislaufversagen droht! Nicht öfter als 3 bis 4-mal hintereinander anwenden |
| Zitronenwickel | Dünnes, feuchtes Baumwolltuch mit Saft von 4–6 Zitronen tränken, auf Brust legen, mit großem Baumwolltuch und Wolltuch bedecken | Bronchitis, asthmatische Beschwerden | Etwa 10–15 Min. belassen |
| Zwiebelwickel | Rohe oder gekochte, zerkleinerte Zwiebeln in Tuch wickeln oder Tuch mit Zwiebelsaft tränken und auf Ohr bzw. Schwellung legen; dann mit Wärmflasche bedecken | Akute Ohrenschmerzen, Insektenstiche | Nach ca. 20 Min. abnehmen |
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 04.04.2011
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