Hypertrophe Narbe
Nach Operationen am Hals, etwa Entfernung der Schilddrüse oder einer Halszyste oder Halsfistel, können trotz „narbensparender“ Schnittführung Schwellungen durch Blutungen, Infektionen und Abszesse und dann Wundheilungsstörungen bis hin zur klaffenden Naht (Dehiszenz) entstehen. Letztlich kommt es zu unschönen Narben, die aber nicht über den ursprünglichen Schnitt hinausgehen. Dazu gehört auch hypertrophe Narbenbildung mit zu viel Bindegewebe. Auch nach Verbrennungen oder Verätzungen oder bei Akne treten häufiger hypertrophe Narben auf. Teilweise können sie sich im Laufe der Zeit von selbst zurückbilden.
Therapie: Frühzeitiges Einschreiten bei sich abzeichnender Wundheilungsstörung, beispielsweise durch Einspritzen von Kortison oder Kompressionstherapie (siehe unten, Keloid). Im späteren Verlauf Narbenkorrektur durch Laserverfahren. Bei Aknenarben werden Verfahren wie das sogennannte chemische Peeling, Abschleiftechniken (Dermabrasio) und Unterspitzungen eingesetzt.
Übers Ziel hinausgeschossen: Keloide
Von hypertrophen Narben zu unterscheiden sind Narbenkeloide. Darunter versteht man gutartige Gewebewucherungen durch überschießende Bildung von Bindegewebe. Das aufgeworfene, wulstartig geschwollene und gerötete Gewebe reicht außerdem deutlich über die Narbenzone hinaus. Erst mit der Zeit blasst es ab, bleibt aber als entstellende Geschwulst erhalten. Zu Keloiden besteht eine gewisse Veranlagung. Die Gebilde entwickeln sich vor allem am Hals, im Brust- und Schulterbereich. Sie können auch nach Verletzungen, Hautschädigungen, etwa bei ausgeprägter Akne, oder spontan, quasi als gutartige „Tumoren“, entstehen (der Begriff „Tumor“ steht ganz neutral für jede Art von „Geschwulst“).
Ein Keloid kann gelegentlich auch druckschmerzhaft sein, jucken, bei entsprechender Lage die Beweglichkeit von Gelenken einschränken und vor allem psychisch stark belasten. Daher bestehen manche Betroffene auf der chirurgischen Entfernung. Sie kann aber einen noch stärkeren „Rückfall“ provozieren, weshalb man damit sehr zurückhaltend ist. Der Chirurg wird dann oder wenn ein anderer Eingriff nötig ist, die Wunde sofort mit Kortison, Interferon, gegebenenfalls auch mit einem Zytostatikum behandeln und im Anschluss bestrahlen lassen, um die Neubildung von Bindegewebe in Schach zu halten. Möglich sind auch spezielle Haut-Transplantationsverfahren, Therapien mit Lasern, Kältebesprühung (Kryotherapie) oder verschiedene Arten der Druckbehandlung (Kompressionstherapie).
Tipp: Hygienischer und schonender Umgang mit der Naht, eventuell Narbenpflege mit speziellen Präparaten gemäß Empfehlung des Operateurs, sowie Rauchverzicht tragen zu einer störungsfreien Wundheilung bei. Vorsicht vor Sonnenbestrahlung, solange die Narbe nicht abgeblasst ist.
Lymphödem
Wurden Lymphknoten entfernt, kann es zu einer Schwellung durch Lymphstau kommen, da Lymphbahnen durchtrennt wurden und die Gewebeflüssigkeit sich neue Wege sucht. Diese Probleme werden bei der operativen Nachsorge kontrolliert und behandelt. Eventuell wird auch am Hals eine Behandlung mit Lymphdrainage empfohlen.
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19.05.2009, aktualisiert am 11.05.2012
Bildnachweis: W&B/Jörg Neisel
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