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Schwellung am Hals
Abszesse

Unter einem Abszess versteht man eine abgekapselte Eiteransammlung in einer Kammer, die durch Einschmelzung bakteriell infizierten Gewebes entstanden ist


Der längliche strangförmige Muskel ist der Halswender

Die nachfolgend genannten Krankheitsbilder sind in der Ära der Antibiotika zum Glück selten geworden. Sie betreffen in erster Linie (Klein-)Kinder, gelegentlich auch Jugendliche, junge Erwachsene oder ältere Menschen. Bei rechtzeitiger Therapie sind die gerade am Hals potenziell sehr gefährlichen Abszesse heute vermeidbar.

Mastoiditis und Abszess im Halsbereich

Als Folge einer bakteriellen Mittelohrentzündung beispielsweise kann es zu einer akuten, eitrigen Mastoiditis hinter dem Ohr mit Flüssigkeitsansammlung kommen. Die Mastoiditis ist eine Entzündung des sogenannten Warzenfortsatzes, dem tastbaren Vorsprung des Schläfenbeinknochens hinter dem Ohr. Der Knochenfortsatz enthält mit Schleimhaut ausgekleidete, luftgefüllte kleine Kammern, die über einen Gang mit der Paukenhöhle des Mittelohrs verbunden sind. Daher können Mittelohrentzündungen auf den „Vorposten“ übergreifen.
Als weitere, sehr seltene, aber schwerwiegende Komplikationen ist theoretisch die Ausbreitung der Infektion als Abszessbildung in die oberflächliche Halsmuskulatur (Kopfwender-Muskel) oder ins Gehirn (Notfälle!) möglich. Als auslösende Erreger kommen vor allem Staphylokokken und Streptokokken, aber auch andere Keime in Betracht.


Symptome: Es kommt zu starken Schmerzen, einer Schwellung hinter dem Ohr (das Ohr kann abstehen), einer Rötung über dem sehr druckschmerzhaften Knochenvorsprung am Hals und Fieber. Aus dem Ohr kann Flüssigkeit austreten. Hinter dem Ohr können zudem auch Lymphknoten angeschwollen sein. Bei einem Abzess im Kopfwender-Muskel kommt es zusätzlich zu den genannten Symptomen zu einer deutlichen Schwellung (Beule) seitlich am Hals. Eventuell lässt sich die enthaltene Flüssigkeit durch ein Schwappen tasten.

Diagnose: Der klinische Befund, eine Otoskopie (Spiegelung des Gehörgangs) mit Beurteilung von Gehörgang und Trommelfell, Röntgenaufnahme des Mastoids, eine Sonografie (Abszess im Kopfwender-Muskel), evenuell auch eine Computertomografie ergeben zusammen die Diagnose. Die Erreger werden im Labor bestimmt.

Therapie: Über die Blutbahn werden Antibiotika gegeben. Gegebenenfalls erfolgt eine Umstellung entsprechend der Erregerbestimmung. In schweren, medikamentös nicht beeinflussbaren Situationen ist eine Operation mit Entfernung des Mastoids nötig. Ein Abszess wird chirurgisch eröffnet und ausgeräumt. Im Falle eines Falles muss der betroffene Warzenfortsatz entfernt werden.

Retropharyngeal- und Mundbodenabszess

Infektionen der Mundhöhle, etwa der Zähne, des Rachens, der Zungenmandel oder von Lymphknoten können sich in seltenen Fällen, die dann aber sehr ernstzunehmen sind, in die Tiefe ausdehnen. Das kann zum einen der Mundboden sein, zum anderen der hintere Bindegewebsraum (Retropharyngealraum) des Halses. Der Hals wird durch Bindegewebs„blätter“, sogenannte Faszien, in einzelne Fächer eingeteilt. Sie umschließen die Muskeln, Halseingeweide und die Blutgefäß- und Nervenbahnen. Die Faszien setzen Infektionen teilweise Grenzen. Daher birgt ein Retropharyngealabszess das Risiko, dass der eitrige Prozess sich dahin ausdehnen kann, wo Platz ist. Dabei kann er lebenswichtige Strukuren erfassen, zum Beispiel ein Blutgefäß im Hals. Weitaus seltener entsteht ein Retropharyngealbszess durch Übergreifen einer eitrigen Schilddrüsenentzündung oder einer Knochenentzündung der Halswirbel (zum Beispiel bei Tuberkulose möglich). Dabei kommt es neben anderen Symptomen zu einer Schwellung und starken Nackenschmerzen.

Symptome: Die Betroffenen wirken ausgesprochen krank, haben eine gepresste Stimme, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, hohes Fieber. Wenn der Eingang zum Kehlkopf geschwollen ist, bestehen Atemprobleme. Möglicherweise tritt auch eine Kieferklemme auf – dann kann der Mund nicht mehr richtig geöffnet werden, sodass das Essen Probleme macht –, oder der Hals lässt sich nur mehr schlecht als recht bewegen. Nahe gelegene Lymphknoten können anschwellen und (druck-)schmerzhaft sein.

Diagnose: Die Schwellung im Halsgewebe kann, soweit sie nicht bei der Untersuchung des Rachens und Halses als Vorwölbung sicht- und / oder tastbar wird, durch eine Röntgen- oder computertomografische Untersuchung nachgewiesen werden.

Therapie: Hier ist sofort eine intensive Behandlung nötig. Die Atemwege müssen freigehalten werden. Der Abszess wird chirurgisch und mit Antibiotika über die Blutbahn behandelt. Gegebenenfalls erfolgt die Anpassung der Medikamente an den definitiv nachgewiesenen Erreger (siehe oben).


Entzündung der Speicheldrüsen

Dieser Umstand ist ein weiterer möglicher Ausgangspunkt für einen Abszess im Halsbereich. Mehr im Kapitel „Speicheldrüsen“ in diesem Beitrag.



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www.apotheken-umschau.de; 19.05.2009, aktualisiert am 11.05.2012
Bildnachweis: W&B/ Ley

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