Organspendeausweis: Wie entscheiden Sie?

Warum jeder einen Organspendeausweis besitzen sollte – und wie viele Menschen ihn tatsächlich bei sich tragen. Eine Faktenbox liefert die Antworten

von Valerie Till, aktualisiert am 04.03.2016

Kann Leben retten: Der Organspendeausweis

Fotolia / Alexander Raths

Organspende – ja oder nein? Mit dieser Frage sollte sich seit November 2012 jeder Deutsche auseinandersetzen. Denn seitdem gilt beim Thema Organspende die sogenannte Entscheidungslösung. Das bedeutet, dass jeder Bürger in einem geregelten Verfahren über die Organspende informiert und zu einer persönlichen Erklärung aufgefordert wird: Ob er einer Organspende zustimmt, nicht zustimmt oder sich erklären möchte.

Laut einer repräsentativen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2015 stehen 80 Prozent der Befragten einem Organspendeausweis eher positiv gegenüber. 71 Prozent wären grundsätzlich bereit, ihre Organe zu spenden. Aber nur 35 Prozent der Befragten besitzen einen Ausweis. Dabei könnte jeder mit einem ausgefüllten Ausweis seinen Angehörigen eine wichtige Entscheidung im eigenen Todesfall abnehmen: Nämlich, ob Organe und Gewebe nach dem Tod entnommen werden dürfen oder nicht.


Einen weiteren Vorteil sieht Karl-Josef Laumann, der Patientenbeauftragte der Bundesregierung: "Jeder von uns kann mit einer Organspende einem Mitmenschen nach seinem eigenen Tod ein wunderbares Geschenk machen: ein neues Leben." Er fügt hinzu, dass auch jeder von uns selbst eines Tages auf eine Organspende angewiesen sein könnte. "Daher sollten wir uns ganz bewusst mit dem Thema auseinandersetzen. Denn nur wer gut informiert ist, kann eine klare eigenverantwortliche Entscheidung treffen", sagt Laumann.

Um die bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema Organspende voranzutreiben, bietet www.apotheken-umschau.de in Kooperation mit der AOK eine Faktenbox zum Thema "Organspendeausweis" an. Hier werden wichtige Informationen sowie Nutzen und Risiken dargelegt, um die eigene Entscheidung für oder gegen einen Ausweis zu erleichtern. Die Box wurde von der AOK in Zusammenarbeit mit dem Berliner Max-Planck Institut für Bildungsforschung erstellt.

 

Faktenbox zum Thema "Organspendeausweis"

Ist es sinnvoll, einen Organspendeausweis auszufüllen?

Im Organspendeausweis ist die eigene Entscheidung verbindlich festgehalten. Das entlastet im Todesfall die Angehörigen.


AOK

Als Organspender kommen nur Menschen in Frage, bei denen der Hirntod eindeutig nachgewiesen ist. In der Regel sind das Unfallopfer oder Menschen mit einer Hirnblutung oder einem Herzinfarkt, die auf der Intensivstation eines Krankenhauses versterben. Für die Feststellung des Hirntods gibt es strengste medizinische Kriterien. Dazu gehört es unter anderem, dass zwei besonders qualifizierte Mediziner unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Außerdem dürfen sie weder an der Transplantion der Organe des jeweiligen Hirntoten beteiligt sein noch darf es ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihnen und den Ärzten geben, die an der Transplantion beteiligt sind.

Hat der Verstorbene keine der drei Möglichkeiten auf dem Organspendeausweis angekreuzt, werden seine Angehörigen befragt, ob sie seine Einstellung für oder gegen eine Organentnahme kannten. Falls das nicht der Fall ist, werden sie um eine Entscheidung gebeten. Diese müssen sie in einer emotionalen Ausnahmesituation treffen. Als besonders belastend kann das empfunden werden, wenn man den Willen des Verstorbenen nicht kannte. Umgekehrt kann es belastend sein, wenn der Verstorbene einen Ausweis hatte, die Angehörigen sich aber eine andere Entscheidung gewünscht hätten. Die Entscheidung des Verstorbenen ist bindend, wenn er seinen Willen dokumentiert hat.

Quelle: www.bundesaerztekammer.de

 

Die meisten Menschen haben eine klare Meinung dazu, ob sie nach ihrem Tod Organe spenden möchten oder nicht. Etwas mehr als jeder dritte bekundet diese Entscheidung in einem Ausweis.


AOK

Quellen: "Wissen, Einstellung und Verhalten der deutschen Allgemeinbevölkerung zur Organspende. BZgA-Repräsentativbefragung 2014."

Befragt wurden 4.002 Personen zwischen 14 und 75 Jahren vom 14. Juli 2014 bis 2. September 2014. www.organspende-info.de

Der AOK-Bundesverband entwickelt die Faktenboxen gemeinsam mit Prof. Dr. Gerd Gigerenzer. 
Er ist Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin.

 


Die Faktenbox "Organspendeausweis" zum Ausdrucken:

Faktenbox "Organspendeausweis" (PDF-Datei) >>


Weitere Faktenboxen folgen

Dieser Artikel zur Faktenbox "Organspendeausweis" stellt den Auftakt einer Faktenbox-Serie dar, um Sie in wichtigen Gesundheitsfragen zu unterstützen. Weitere Themen werden unter anderem sein: das Thrombose-Risiko durch die Anti-Baby-Pille oder zum Beispiel Nutzen und Risiken von Impfungen, Nahrungsergänzungsmitteln oder Vorsorgeuntersuchungen.


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