Nur etwa 30 Sekunden darf der Patient reden, bevor er vom Arzt unterbrochen wird – das zeigen verschiedene Studien. Und auch der Arzt nimmt sich dann nicht allzu viel Zeit für das Reden. „Mit einer mittleren Dauer von sechs Minuten pro Beratungsgespräch ist Deutschland das Schlusslicht in Europa“, kritisiert der Internist Professor Linus Geisler aus Gladbeck.
„Aber das gute, gezielte Gespräch spart Zeit“, sagt der Ethik-Experte. Oft könne es schon die entscheidenden Informationen zur richtigen Diagnose liefern. Wir geben Tipps, wie Sie dieses knappe Gut am besten nutzen.
1. Bereiten Sie sich gut vor
Überlegen Sie, welche Informationen wichtig sein könnten. Zum Beispiel: Seit wann haben Sie die Beschwerden? Treten die Symptome nur in bestimmten Situationen auf? Wie stark sind Ihre Schmerzen? Haben Sie sich schon mit Hausmitteln selbst behandelt oder Medikamente eingenommen? Schreiben Sie alle Präparate auf, auch solche, die Sie wegen anderer Erkrankungen oder zur Nahrungsergänzung nehmen.
2. Machen Sie sich Notizen
Wenn der Arztbesuch Sie nervös macht oder Ihnen Wichtiges oft erst hinterher einfällt, schreiben Sie auf, was Sie den Arzt fragen möchten.
3. Präsent sein
Signalisieren Sie durch Ihre Körpersprache Selbstbewusstsein. Setzen Sie sich aufrecht auf die ganze Stuhlfläche. Beschreiben Sie Ihr gesundheitliches Problem ohne Umschweife, und geben Sie Ihre Beschwerden genau an. Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Es kann auch hilfreich sein, sich während des Gesprächs Notizen zu machen.
4. Arznei erklären lassen
Nach einer aktuellen Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) ist jeder zehnte gesetzlich versicherte Patient unzufrieden damit, wie ihn der Arzt über verordnete Medikamente informiert. Mangelnde Aufklärung kann ein Grund dafür sein, dass Arzneien erst gar nicht eingenommen werden. Damit es nicht so weit kommt, weil vielleicht Informationen auf dem Beipackzettel Sie verunsichern, fragen Sie besser noch einmal bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach.
5. Kontakt auf Augenhöhe
„Immer mehr Patienten wollen gefragt werden, welche Behandlungsmöglichkeit sie bevorzugen, und schließlich gemeinsam mit ihrem Arzt entscheiden“, sagt der WINEG-Direktor Dr. Frank Verheyen. Aber jeder fünfte Patient bemängelt, dass sein Arzt ihn nicht ausreichend in Entscheidungen einbindet, zeigt die WINEG-Studie. „Wenn ein Patient versteht, warum eine bestimmte therapeutische Maßnahme notwendig ist, und er sich gemeinsam mit dem Arzt dafür entschieden hat“, erklärt Verheyen, „ist seine Bereitschaft mitzuwirken wesentlich größer, als wenn er nur die Anweisungen des Arztes befolgt.“ Fragen Sie nach, erkundigen Sie sich nach Alternativen.
6. Seien Sie offen
Verschweigen Sie nicht, dass Sie beispielsweise das verordnete Medikament nicht genommen haben, dass Sie nicht wie empfohlen mehr Sport treiben oder Ihre Ernährung umgestellt haben. Formulieren Sie stattdessen Ihre Probleme, und bitten Sie um Unterstützung: Bietet die Krankenkasse einen Diätkurs an? Gibt es eine Selbsthilfegruppe?
7. Entscheidung überdenken
Manchmal kommt eine belastende Diagnose völlig unvorbereitet. Wenn es sich nicht um einen Notfall handelt, überstürzen Sie nichts. Lassen Sie sich Vor- und Nachteile der Behandlung erklären. Besprechen Sie sich mit einer vertrauten Person, holen Sie vielleicht auch eine zweite Experten-Meinung ein. Das ist Ihr gutes Recht, und in aller Regel ist dazu auch Zeit. Lassen Sie sich eventuell Kopien Ihrer Patientenakte geben, oder leihen Sie sich Ihre Röntgenaufnahmen aus.
Maria Haas / Apotheken Umschau;
19.07.2011
Bildnachweis: Thinkstock/Hemera
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