Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Epilepsie, Parkinson oder die Alzheimer-Krankheit lassen sich nur schwer mit Medikamenten behandeln. Der Grund: Viele Wirkstoffe können die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden, die das Gehirn vor körperfremden Substanzen schützt.
Hoffnung setzen Forscher auf ein neuartiges miniaturisiertes Dosiersystem, das Medikamente direkt an das Gehirn abgeben kann. Dieser sogenannte NeuroMedicator besteht aus einem Arzneimittelreservoir, das mit speziellen Mikronadeln verbunden ist. Das System soll unterhalb der Schädeldecke eingesetzt werden. Über acht Millimeter lange Siliziumnadeln speist es den gelösten Wirkstoff direkt in die gewünschten Hirnregionen ein.
Gleichzeitig erfassen Elektroden, die in die Nadeln integriert sind, ständig die elektrischen Nervensignale des angesteuerten Hirnbereichs. "Durch das Messen der Gehirnaktivität kann man beispielsweise einen epileptischen Anfall, der sich anbahnt, frühzeitig erkennen“, erläutert Diplom-Ingenieur Sven Spieth, der am Institut für Mikro- und Informationstechnik der Hahn-Schickard-Gesellschaft für die technische Weiterentwicklung des Dosiersystems zuständig ist.
„Wird gleich ein Medikament verabreicht, lässt sich der Anfall vielleicht noch verhindern.“ Der NeuroMedicator ist Teil des gemeinsamen Europäischen Forschungsprojekts NeuroProbes und wird bislang noch ausschließlich als Werkzeug für die neurologische Forschung eingesetzt.
Dr. Luitgard Marschall / Apotheken Umschau;
18.06.2010, aktualisiert am 14.09.2011
Bildnachweis: W&B/Thomas Rathay
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