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Medikamente zur richtigen Tageszeit einnehmen!

Manche Arzneimittel wirken besser und sind verträglicher, wenn Sie sie zeitgenau dosieren. Hier die wichtigsten Tipps


Nicht alle Arzneimittel wirken zu jeder Tageszeit gleich gut

Wenn Asthmatiker einen Anfall erleiden, dann passiert das oft nachts. Patienten mit einem Herzinfarkt werden häufig vormittags in die Notaufnahme eingeliefert. Unser Schmerzempfinden ist in den Nachmittagsstunden am geringsten. Alles hat seine Zeit – auch in der Medizin.

Fast sämtliche Funktionen unseres Körpers unterliegen zeitlichen Schwankungen. Wissenschaftler sprechen von „zirkadianen Rhythmen“ und meinen damit die Abhängigkeit unserer Physiologie von der Tageszeit. Die Organe arbeiten zu ganz bestimmten Zeiten auf Hochtouren, und auch Stoffwechsel und Ausscheidung sind nicht zu jeder Tageszeit gleich aktiv. Da überrascht es nicht, dass die Wirkung von Medikamenten ebenfalls vom Einnahmezeitpunkt beeinflusst wird.


Professor Björn Lemmer, emeritierter Leiter des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Heidelberg, hat sich in seinen Forschungsarbeiten viele Jahre lang mit der Frage beschäftigt, zu welcher Tageszeit welche Arzneimittel eingenommen werden müssen, damit sie optimal wirken. Eine zeitgenaue Dosierung bringt vor allem dem Patienten Vorteile.

„Wer Medikamente zum idealen Zeitpunkt einnimmt, profitiert in vielerlei Hinsicht“, erläutert der Pharmakologe. Die Dosis der Arzneimittel lässt sich dann zum Beispiel verringern, die Nebenwirkungen fallen schwächer aus, und der Körper wird weniger stark belastet. „Deshalb trägt die praktische Umsetzung der Chronopharmakologie dazu bei, dass Arzneimittel gezielter und sicherer eingesetzt werden“, urteilt Lemmer.

Lange Zeit vernachlässigt

Ein spürbarer Nutzen. Und trotzdem wurde das Forschungsgebiet der Chronopharmakologie jahrzehntelang eher stiefmütterlich behandelt. Ein gleichmäßiger Wirkstoffspiegel im Blut durch die regelmäßige Gabe eines Medikaments erschien den meisten Pharmakologen wichtiger als die Abstimmung des Einnahmezeitpunkts auf den zirkadianen Rhythmus. Das hat sich geändert.

„Viele chronopharmakologische Empfehlungen hat die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft mittlerweile in ihre Arzneiverordnungen übernommen“, sagt Lemmer. Auch Apotheker haben in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung bei der Umsetzung der Chronopharmakologie im Alltag beobachtet. Viele Patienten bekommen vom Arzt mittlerweile entsprechende Einnahmeempfehlungen. Bei nicht rezeptpflichtigen Medikamenten weisen die Apotheker meist auf den richtigen Einnahmezeitpunkt hin. 

Ideal für chronisch Kranke

Doch die Chronopharmakologie hat ihre Grenzen. Im akuten Notfall oder bei Kindern lässt sich der optimale Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme nicht immer einhalten. Für chronisch Kranke dagegen lohnt es sich, diese am Rhythmus ihrer Körperfunktionen auszurichten. Allerdings ist das nicht immer möglich.

Für viele Wirkstoffe gibt es keine chronopharmakologischen Empfehlungen. „Die Untersuchungen dazu sind sehr aufwendig“, erläutert Lemmer. Um die tageszeitabhängige Wirkung eines Medikamentes zu testen, müsse man Studien bei Tag und bei Nacht durchführen – doch das kostet viel Zeit und Geld.


Wann Sie welche Medikamente einnehmen sollten

  • Morgens Kortison

Unser Kortisonspiegel erreicht zwischen sechs und neun Uhr morgens den Höchststand. Dann bildet die Nebennierenrinde das Hormon auf Hochtouren. Eine Kortisontherapie versucht man an den natürlichen Rhythmus anzupassen. Werden Kortisontabletten in hoher Dosis eingenommen, drosselt der Körper die eigene Produktion. Es besteht die Gefahr, dass die Nebennierenrinde die Arbeit einstellt und verkümmert. Nehmen Patienten Kortisontabletten, wenn die körpereigene Kortisonkonzentration hoch ist, also frühmorgens, ist der Körper weniger störanfällig.

  • Morgens/abends Mittel gegen Magenschmerzen

Nachts steigt die Ausschüttung der Magensäure an. Deshalb haben viele Menschen in der Nacht Magenschmerzen. H2-Antihistaminika wie Ranitidin senken die Säureproduktion. Die Einnahme von Protonenpumpenhemmern wie Omeprazol wird morgens empfohlen, da die Arzneistoffe vom Körper erst noch in die Wirkform umgewandelt werden müssen.

  • Abends Statine

Wer einen erhöhten Cholesterinspiegel hat, bekommt häufig Statine verschrieben. Sie blockieren die körpereigene Cholesterinproduktion und senken so den Cholesteringehalt im Blut. Da unser Körper nachts vermehrt Cholesterin bildet, werden Statine abends eingenommen.

  • Morgens/abends Blutdrucksenker

Bei Bluthochdruck ist dieser tagsüber meist stärker ausgeprägt. Deshalb verordnet der Arzt häufig ein Medikament mit langanhaltender Wirkung, das tagsüber stärker ist und in der Nacht nachlässt. Menschen, die auch nachts hohe Werte haben oder frühmorgens einen starken Anstieg, müssen häufig zusätzlich abends ihre Blutdrucktabletten einnehmen.



Julia Schulters, Apotheken Umschau; 15.08.2011
Bildnachweis: Thinkstock/Hemera

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