Was hatte die Apothekerin gesagt? Die Tabletten nicht mit Milch einnehmen? Oder war es Kaffee? Dabei bietet es sich doch an, die Pillen schnell mit dem Nachmittags-Cappuccino herunterzuwürgen. Wird schon nichts passieren.
„Manchmal reicht schon ein Schuss Milch im Kaffee aus, um die Wirkung bestimmter Arzneistoffe zu beeinträchtigen“, warnt jedoch Dr. Ursula Sellerberg, Apothekerin bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).
Antibiotika und Milch
Milch enthält – genauso wie Käse, Joghurt oder einige Mineralwässer – Kalzium. Dieser Mineralstoff, der für die Knochen so wichtig ist, kann im Magen mit bestimmten Antibiotika schwerlösliche Verbindungen eingehen. Dadurch werden die Mittel schlechter vom Körper aufgenommen und wirken schwächer. Allerdings besteht nicht pauschal bei jedem Antibiotikum ein Milchverbot. „Die Wirkstoffe Ciprofloxacin, Norfloxacin und Doxycyclin wechselwirken mit Milchprodukten“, sagt Sellerberg. Bei anderen Antibiotika wie Penicillin oder Erythromycin gebe es laut der Fachliteratur keine bekannten Milch-Interaktionen.
Osteoporose-Mittel und Milch
Auch die sogenannten Bisphosphonate, die gegen Knochenschwund (Osteoporose) helfen, können mit Kalzium Komplexe bilden. „Sicher wissen wir das zum Beispiel bei den Arzneistoffen Alendronsäure oder Risendronsäure“, erklärt die Apothekerin. Daher gilt auch hier: Vorsicht mit Milch- und Milchprodukten.
Simvastatin und Grapefruitsaft
Lipidsenker wie Simvastatin oder Atorvastatin vertragen sich nicht mit Grapefruitsaft. In der Zitrusfrucht steckt die Substanz Naringenin, die im Körper in den Abbau verschiedenster Arzneimittel eingreifen kann. Da dieser Naturstoff bestimmte Enzyme hemmt, kann Grapefruitsaft die Wirkung der Medikamente verstärken. Und damit auch die Nebenwirkungen. Nicht nur bei den Lipidsenkern, sondern auch bei Herzmitteln wie Nifedipin oder Asthma-Medikamenten wie Theophyllin kann diese Wechselwirkung gefährlich werden.
Phenprocoumon und grünes Gemüse
Grüne Gemüsesorten wie Spinat, Brokkoli oder Rosenkohl enthalten viel Vitamin K. Sie sind sehr gesund, können aber den blutverdünnenden Effekt von Phenprocoumon oder Warfarin abschwächen. Nehmen Sie daher nicht einmal ganz viel grünes Gemüse zu sich und dann wieder gar nichts, sondern „kontinuierlich eine ähnlich große Menge“, empfiehlt Sellerberg. Hintergrund: Der Arzneistoff unterdrückt die Vitamin K-abhängige Bildung von Gerinnungsfaktoren im Körper. Dadurch wird das Blut dünner. Gelangt über das Essen viel Vitamin K in den Organismus, lässt die Wirkung von Phenprocoumon oder Warfarin nach.
Paracetamol und Alkohol
Paracetamol senkt Fieber und hilft gegen Kopf- und Gliederschmerzen. Wird das Medikament allerdings überdosiert, kann es die Leber schädigen. Wer zu dem Wirkstoff noch Alkohol trinkt, kann seinem Stoffwechselorgan schwer schaden. Denn Bier oder Wein verstärken den lebertoxischen Effekt von Paracetamol.
Tipp: Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie Ihre Tabletten einfach mit einem Glas Wasser einnehmen. Ob vor, zum oder nach dem Essen, hängt vom jeweiligen Arzneimittel ab.
Hinweis: Diese Wechselwirkungen stellen nur ein paar Beispiele dar. Fragen Sie deshalb in der Apotheke nach, ob Ihr spezielles Medikament mit Nahrungsmitteln interagieren kann. Dort sagt man Ihnen auch, ob es ausreicht, einen zeitlichen Abstand einzuhalten, oder ob Sie für die Dauer der Therapie ganz auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten müssen.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
04.01.2010, aktualisiert am 29.08.2011
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