Arzneien, die Muskelschmerzen auslösen

Verkrampft sich plötzlich die Muskulatur, können auch Medikamente dahinter stecken. Worauf Patienten bei der Einnahme von Statinen und Diuretika achten sollten

von Maria Haas, 23.02.2016

Vorsicht: Auch Arzneimittel können Wadenkrämpfe hervorrufen

Fotolia/Focus Pocus/W&B/Martina Ibelherr

Auf einmal zieht es in den Beinen, reißt es in den Schultern. Bei unerklärlichen Muskelschmerzen liegt der Gedanke an eine rheumatische Erkrankung nahe. Doch manchmal verursachen Arzneimittel Schmerzen, Schwäche oder Krämpfe der Muskulatur.

Vor allem an zwei weitverbreitete Medikamentengruppen denken Ärzte und Apotheker, wenn Patienten über unklare Muskelbeschwerden klagen: zum einen Statine, zum anderen Diuretika. Beide bekommen Menschen mit zunehmendem Alter häufiger verordnet, da sie gegen verbreitete Zivilisationsleiden helfen sollen. Statine senken erhöhte Blutfettwerte.


Gestörter Elektrolythaushalt

Diuretika entwässern den Körper und unterstützen ihn so zum Beispiel bei Herzschwäche, die häufiger als Folge eines nicht behandelten Bluthochdrucks auftritt. Sie fördern die Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren und ent­lasten das Herz. Sie werden vor allem eingesetzt, wenn die Betroffenen unter Atemnot oder Wassereinlagerungen leiden, etwa in den Beinen. Weil mit dem Körperwasser auch Mineralsalze wie Natrium, Kalium und Magnesium ausgeschieden werden, kann es in der Folge zu einem Mangel kommen. Gerät der Elektrolythaushalt aus der Balance, können Muskelkrämpfe auftreten.

"Wir sollten grundsätzlich auf eine gute Versorgung mit Magnesium achten", sagt Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Zentrum für Arzneimittelforschung, Entwicklung und Sicherheit der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. "Da liegen wir eher an der unteren Grenze." Ein Mangel gilt als häufige Ursache für Muskelkrämpfe. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt den durchschnittlichen Bedarf ­eines Erwachsenen mit 350 Milligramm pro Tag an. Aber Vorsicht: Zu hoch dosiert, wirken Magnesiumpräparate abführend. Dies kann zur einer erhöhten Ausscheidung von Mineralstoffen führen.

Vorsicht bei zu viel Kalium

Lösen entwässernde Arzneimittel Krämpfe oder Schmerzen aus, wird der Arzt ein anderes Präparat oder eine andere Medikamentenkombination zur Blutdrucksenkung verordnen. Grundsätzlich muss er bei Patienten, die entwässernde Mittel einnehmen, Blutsalze und Nierenwerte regelmäßig kontrollieren.

Das gilt auch, wenn die Patienten gegen Herzschwäche oder Bluthochdruck einen Aldosteron-Antagonisten einnehmen. Diese entwässernden Mittel steigern die Natriumausscheidung in den Nieren und halten Kalium zurück. Das kann zu erhöhten Kaliumwerten führen, einer Hyperkaliämie. "Dieses Problem wird zum Teil unterschätzt", sagt Schubert-Zsilavecz. Die Dosis sollte verringert oder das Präparat gewechselt werden.

Bei plötzlichen Muskelschmerzen zum Arzt gehen

"Die Alarmglocken müssen läuten, wenn unter der Behandlung mit Statinen, insbesondere zu Beginn, Muskelschmerzen auftreten", sagt der Pharmazeut. Wird dieses Warnsignal ignoriert, können die Cholesterinsenker in sehr seltenen Fällen lebensbedrohliche Komplikationen verursachen. Deshalb auf jeden Fall den Arzt informieren! In aller Regel lässt sich das Problem mit einer Dosisanpassung oder einem Präparatewechsel lösen. Häufig verordnet der Arzt Statine einschleichend: Die Dosis wird allmählich bis zur ausreichenden Menge erhöht.

Grundsätzlich sollten Patienten ihren Arzt oder Apotheker immer informieren, wenn nach einer Medikamenteneinnahme unklare Muskelschmerzen auftreten. Beispiels­weise können auch bestimmte Antibiotika, sogenannte Gyrasehemmer, Muskeln und Bänder angreifen.
Gut zu wissen: Heute gibt es genügend Präparate, um für den einzelnen Patienten das richtige in der passen­den Dosierung zu finden.

Was tun bei nächtlichen Wadenkrämpfen?

Sie reißen einen aus dem tiefsten Schlummer. Nächtliche
Wadenkrämpfe sind sehr schmerzhaft, meist dauern sie nur kurz an. Sie sind zwar lästig, aber normalerweise harmlos.

  • So beugen Sie vor: Regelmäßige Bewegung dehnt und kräftigt die Muskulatur. Ernähren Sie sich magnesiumreich. Besonders viel von dem Mineralstoff steckt in Vollkorngetreide, Samen und Nüssen, aber auch in Geflügel und Fisch. Eine gute Quelle sind magnesiumreiche Mineralwässer. Genügt dies nicht, können Magnesiumpräparate die Versorgung ergänzen.
  • Rasche Hilfe: Am besten löst sich der Krampf, wenn Sie das Bein strecken und den Fuß in Richtung Schienbein ziehen. Auch mit gestrecktem Bein aufzutreten kann helfen. Lehnen Sie sich dabei leicht nach vorne, das dehnt die Wade zusätzlich.


Bildnachweis: Fotolia/Focus Pocus/W&B/Martina Ibelherr

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