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Mandeloperation

Zusammenfassung:
Da die Gaumenmandeln im Immunsystem des Körpers eine wichtige Rolle spielen, sollten sie nicht ohne triftigen Grund entfernt werden. Eine routinemäßige Entfernung als Vorbeugemaßnahme gegen Folgeerkrankungen wird heute nicht mehr gemacht. Nur bei entsprechender Indikation werden die Mandeln operativ entfernt: Liegt eine chronische Angina vor, müssen die Gaumenmandeln entfernt werden. Da Mandeln eine bevorzugte Eintrittspforte für bestimmte Bakterien (medizinisch: Streptokokken) in den Körper sind, können die Folgen einer chronischen Angina schwerwiegend sein: Herdinfektionen, wie Herzinnenhautentzündung (medizinisch: Endokarditis), Gelenkentzündungen (medizinisch: Polyarthritis), Nierenentzündung (medizinisch: Glomerulonephritis) oder entzündliche Gefäßerkrankungen sind möglich.



Vorgehensweise

Bei der Operation werden die Gaumenmandeln mit einer speziellen Zange erfasst und mit einer langen Schere und stumpfen Instrumenten aus ihrer Umgebung herausgelöst. Die sie versorgenden Gefäße werden unterbunden bzw. "verkocht" (medizinisch: koaguliert). Nach dem Eingriff finden sich zwischen den beiden Gaumenbögen jeder Seite im Durchmesser etwa drei Zentimeter große Wundflächen, die sich in den folgenden Tagen mit einem weißlichen Schorf bedecken.

Die Wahl der Betäubung
Die Mandeloperation wird stationär und heute zumeist in Vollnarkose durchgeführt. Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung während und nach der Operation verringert die Beschwerden danach beträchtlich

Nach der Operation
Der weißliche Wundbelag, der gelegentlich einen unangenehmen Geruch hat, löst sich etwa eine Woche nach der Operation, die Wunde "reinigt sich". Erst dann setzt allmählich die narbige Abheilung ein. Der Patient kann bei stabilen Kreislaufverhältnissen in der Regel nach vier bis sechs Stunden wieder aufstehen. Kälteanwendung von innen (durch kühle Getränke) und außen (durch eine sogenannte Eiskrawatte) senken das Nachblutungsrisiko und wirken schmerzlindernd. Am Operationstag erhalten die Patienten nach vier bis sechs Stunden kühlen Tee. Anschließend wird die Kost aufgebaut, von flüssiger über breiige Kost und, sobald es die Schmerzen zulassen, zu fester Nahrung. Vorsicht mit Gewürzen und Obst (-säften), da sie brennende Schmerzen verursachen können. Zur Schmerzlinderung können anfangs circa 30 Minuten vor den Mahlzeiten schmerzlindernde Medikamente (in den ersten Tagen am besten als Zäpfchen) verabreicht werden. Schmerzmittel die Acetylsalicylsäure, wie Aspirin, enthalten sollten nicht verwendet werden, da sie die Blutungsneigung fördern.
Wegen der offenen Wunden im Rachenraum darf der Patient die Zahnpflege am ersten Tag nach der Operation nur mit Wasser oder Wasserstoffperoxid durchführen (kein Mundwasser benutzen, nicht gurgeln). Ab dem zweiten Tag nach der Operation kann auch Zahncreme verwendet werden (möglichst nichts davon schlucken). Der Aufenthalt im Spital zur genauen Nachbeobachtung ist unterschiedlich, und beträgt etwa 1-2 Tage. Zwei bis drei Wochen nach der Operation sollten sich Kinder und Erwachsene körperlich schonen, von Arbeit, Schule und Kindergarten daheim bleiben, keinen Sport betreiben und auch nicht heiß baden. Eine besondere Nachbehandlung ist nicht erforderlich.
Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist individuell unterschiedlich, im Durchschnitt beträgt sie 14 Tage.

Erfolgsrate

Risiken und Komplikationen
Nach der Mandeloperation besteht die Gefahr einer Nachblutung in 3 von 100 Eingriffen.
Das höchste Risiko einer Nachblutung besteht in den ersten 24 Stunden nach der Operation und nach einer Woche, wenn die weißlichen Wundbeläge abgestoßen werden. Pulsanstieg, häufiges Schlucken und Würgen, sowie Blutungen aus dem Mund sind Alarmsignale, die sofort einer ärztlichen Kontrolle bedürfen. Gelegentlich tritt nach einer Mandeloperation eine - zumeist vorübergehende - Geschmacksstörung ein.

Heilungschancen
Bei unkompliziertem Verlauf liegen die Heilungschancen nach einer Mandeloperation bei nahezu 100 Prozent. Untersuchungen bei Kindern haben gezeigt, dass bei richtig gestelltem Operationsgrund und -zeitpunkt bei etwa 80 Prozent der operierten Kinder Infektionen der oberen Luftwege deutlich seltener auftreten und chronische Nebenhöhlenentzündungen und eine chronische Bronchitis gut ausheilen. Nachblutungen können auch noch lebensbedrohlich sein, die Wahrscheinlichkeit liegt jedoch im Promillebereich.
 

Letzte Aktualisierung:
07.05.2007 (Patricia Herzberger)
Autor:
Doris Tschabitscher
Experten für diese Seite:
Univ. Prof. Dr. med. Doris Maria Denk-Linnert (HNO)
Univ. Prof. Dr. med. Peter Franz (HNO)


Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.


Quelle: surfmed; 13.09.2005, aktualisiert am 03.12.2007

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