Magenverkleinerung und Magenbypass

Wenn alle anderen Therapien versagen, können die operativen Methoden Magenverkleinerung und Magenbypass krankhaft übergewichtigen Menschen beim Abnehmen helfen

von Dr. Alexandra Kirsten, 10.02.2014

Eine Magenverkleinerung soll zu Gewichtsverlusten führen

Panthermedia/Marc Dietrich

Die Adipositaschirurgie: komplizierte Eingriffe mit Folgen

Es gibt verschiedene Verfahren zur operativen Verkleinerung oder Umgehung des Magens.

  • Restriktive Techniken verringern das Fassungsvermögen des Magens. Der Magen ist dementsprechend schneller gefüllt. Dadurch fühlt sich der Patient früher satt und nimmt weniger Nahrung zu sich. Zu diesen restriktiven Methoden gehören der Schlauchmagen und das Magenband.
  • Bypass-Techniken umgehen einen Teil des Verdauungstraktes. Auf diese Weise schränken sie die Nährstoffaufnahme ein.

Operative Verkleinerung des Magens zu einem Schlauchmagen

W&B/Dr. Ulrike Möhle/bearb. Szczesny

Schlauch-Magen

Bei der Schlauchmagen-Operation, auch Sleeve-Resektion genannt, entfernt der Chirurg einen Teil des Organs. Somit entsteht ein  kleiner Magen. Dieser hat die Form eines Schlauches. Im Normalfall kann er noch 100 bis 150 Milliliter aufnehmen, während ein normaler Magen ungefähr zwei bis drei Liter Fassungsvermögen hat. Der Patient kann durch den Schlauchmagen nur wenig essen und fühlt sich schneller satt. Da der Teil des Magens entfernt wird, der das Hungerhormon Ghrelin bildet, ist der Patient schneller satt und hat weniger Hunger. Allerdings muss der Patient nach der Operation in der Regel zusätzliches Vitamin B12 zu sich nehmen. Es wird durch die Verkleinerung im Magen nicht mehr genug Substanz zur Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung gebildet.
Die Operation wird in der Regel minimal-invasiv über eine Bauchspiegelung durchgeführt. Sie ist aber aufgrund der Magennähte anspruchsvoll: Die Nähte müssen dicht sein, um ein Leck zu vermeiden.


Magenbypass: Umgehung des Magens mittels angenähter Dünndarmschlinge

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Magenbypass

Diese Operation begrenzt nicht nur die Nahrungsaufnahme, sondern reduziert auch die Aufnahme von Nährstoffen in den Körper. Daher besteht nach der Operation auch die Gefahr von Nährstoffmangelsyndromen. Der Patient muss meist lebenslang Vitamine, Spurenelemente und Eiweiß einnehmen.
Bei diesem Eingriff handelt es sich um eine große Operation mit zahlreichen Darmnähten. Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt.
Zuerst wird der Magen verkleinert. Der Magenrest von 15- 20 ml wird anschließend mit einer tiefer liegenden Dünndarmschlinge von 100-150 cm vernäht. Dies sorgt dafür, dass der Körper durch den kürzeren Darm weniger Kohlenhydrate aufnehmen kann und der Zwölffingerdarm ausgeschaltet ist.


Umleitung der Verdauungssäfte bei der biliopankreatischen Diversion

W&B/Dr. Ulrike Möhle/bearb. Szczesny

Biliopankreatische Diversion (BPD)

Bei der BPD wird ein Magenrest von 200-300 ml gebildet. Dieser wird mit einer tiefen Dünndarmschlinge unter Ausschaltung des Zwölffingerdarmes und des oberen Dünndarmes verbunden. Bei der BPD leitet man außerdem die Verdauungssäfte um, die für die Aufnahme der Nährstoffe nötig sind: Der Chirurg versetzt die Dünndarmschlinge, in welche die Galle aus der Leber und das Sekret der Bauchspeicheldrüse eintreten. So haben Verdauungssäfte und Nahrung eine kürzere gemeinsame Strecke. Nur ungefähr 75 bis 100 Zentimeter Dünndarm stehen dann für die Aufnahme von Fetten und Kohlenhydraten, aber auch lebenswichtigen Vitaminen und Spurenelementen zur Verfügung. Dadurch wird nur ein kleiner Teil der Stoffe in den Körper aufgenommen, was bei der Gewichtsabnahme hilft.

Neue Operationstechniken zur Verhinderung des Dumpingsyndroms

Nach der BPD und dem Magenbypass besteht das Problem, dass der verkleinerte Vormagen am Ausgang keinen Schließmuskel besitzt. Dadurch kann es zum sogenannten Dumpingsyndrom kommen: Verlässt zuckerhaltige Nahrung den Magen sehr rasch, gelangt der Zucker plötzlich über die Dünndarmschleimhaut ins Blut. Dadurch schüttet die Bauchspeicheldrüse extrem viel Insulin aus. Der Zucker wird schnell verstoffwechselt. Danach folgt eine Unterzuckerung des Blutes, und die Patienten leiden unter Übelkeit und Schweißausbrüchen.
Aus diesem Grund wird bei neueren Techniken, wie der biliopankreatischen Diversion mit Duodenal Switch, ein Schlauchmagen gebildet und der Schließmuskel am Ausgang erhalten. Die Effekte bei der Gewichtsabnahme sind ähnlich, aber es kommt nicht zu der Nebenwirkung des Dumping-Syndroms.


Nur bei krankhaftem Übergewicht ist eine Magenverkleinerung angebracht

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Risiken der Operation

Komplikationen können bei der Operation und der Narkose vor allem durch das Übergewicht und die Begleiterkrankungen des Patienten entstehen. Direkt nach dem Eingriff können wie bei jeder Operation Schmerzen, Blutungen, Wundheilungsstörungen und Infektionen auftreten. In ausführlichen Voruntersuchungen mit den behandelnden Ärzten wird das persönliche Risiko eingeschätzt und mit dem Patienten besprochen. Adipositas-chirurgische Eingriffe gelten als das letzte Mittel der Wahl.
Indikation für eine solche Operation kann ein krankhaftes Übergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 40 sein, das seit mehr als drei Jahren besteht. Auch ein BMI über 35 mit Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Zuckerkrankheit, Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) oder Bluthochdruck ist eine medizinische Indikation. Außerdem soll der Patient vorher die konservativen Methoden zur Gewichtsverringerung ausgeschöpft haben. Dazu zählen ärztlich kontrollierte Abnehmversuche, Diäten und körperliche Aktivität. Zusätzlich sollte der Patient volljährig sein und darf nicht unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Psychosen oder Alkohol- und Drogensucht leiden.
Der Arzt muss den Patienten ausführlich darüber aufklären, dass die Eingriffe der Adipositaschirurgie Einfluss auf das weitere Leben haben und eine lebenslange Nachbetreuung erfordern.


Gegen hochkalorische Getränke ist selbst eine Magenverkleinerung machtlos

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Nachsorge und Wirksamkeit

Die Ergebnisse des Gewichtsverlustes nach der Operation sind sehr unterschiedlich. Die Erfolge der Behandlung hängen stark von der Motivation des Patienten ab, und davon, wie gut er die Vorgaben zur Ernährungs- und Lebensumstellung befolgt. Die Gewichtsreduktion kann bei motivierten Patienten bei bis zu 70% des Übergewichts innerhalb der ersten 2 Jahre liegen.
Die rein restriktiven Techniken lassen sich allerdings bewusst oder unbewusst „überlisten“, wenn Patienten flüssige oder weiche hochkalorische Lebensmittel zu sich nehmen. Auch ist es möglich, einen Schlauchmagen durch zu große Portionen langsam wieder zu dehnen.
Zur Nachsorge und Langzeittherapie gehört eine Ernährungs- und psychologische Beratung. Darüber hinaus sollten möglicherweise erforderliche Folgeoperationen nach einer massiven Gewichtsreduktion eingeplant werden, beispielsweise die Entfernung von Hautschürzen.

Zahlt die Krankenkasse?

Adipositaschirurgische Eingriffe gehören derzeit nicht zu den normalen Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Die Finanzierung von der Krankenkasse kann aber im Einzelfall geprüft und beantragt werden.
Zur aktuellen Voraussetzung für eine Bezahlung durch die Kassen gehört die Teilnahme an einem multimodalen Therapiekonzept (mit mehreren fachübergreifenden Ansätzen), wie es die meisten zertifizierten Zentren anbieten. An der Behandlung sind Psychologen, Internisten, Adipositaschirurgen, Ernährungsberater und Bewegungstherapeuten beteiligt.


PD Dr. Christine Stroh

W&B/Privat

Beratende Expertin: Privatdozentin Dr. Christine Stroh, Fachärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit den Zusatzweiterbildungen Ernährungsmedizin und Proktologie, Oberärztin an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie, Wald-Klinikum Gera


Quellen:
1. Weiner RA (Hrsg), Adipositaschirurgie: Operationstechnik - Komplikationsmanagement – Nachsorge, Elsevier GmbH, München, 1. Auflage, 2010
2. S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas, Chirurgische Arbeits-gemeinschaft  für Adipositastherapie, In Zusammenarbeit mit: Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin, Juni 2010
3. Karpitschka M, Lang R, Adipositaschirurgie und ihre Komplikationen, Der Radiologe, May 2011, Volume 51, Issue 5, pp 352-365
4. Müller M, Chirurgie für Studium und Praxis 2008/09, Medizinische Verlags- und Informationsdienste, 9. Auflage. N2007
5. Universitätsklinikum Heidelberg. Homepage: Minimal Invasive Chirurgie: Online: www.klinikum.uni-heidelberg.de/Adipositas-Diabeteschirurgie.120784.0.html (Abgerufen am 01.12.13)
6. Deutsche Adipositas Gesellschaft. Online: www.adipositas-gesellschaft.de/ (Abgerufen am 30.11.13)
7. Bundesverband Adipositas-Chirurgie e.V. Online: www.bvac.de (Abgerufen am 1.12.13)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: Panthermedia/Marc Dietrich, W&B/Dr. Ulrike Möhle/bearb. Szczesny, W&B/Privat, Jupiter Images GmbH/Polka dot, Stockbyte/Platinum

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