Magenverkleinerung und Magenbypass

Wenn alle anderen Therapien versagen, sollen operative Methoden wie Magenverkleinerung und Magenbypass krankhaft übergewichtigen Menschen beim Abnehmen helfen
von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 04.04.2017

Ziel Abnehmen: Eine Magenverkleinerung soll zu Gewichtsverlusten führen

Panthermedia/Marc Dietrich

Die Adipositaschirurgie: technisch komplexe Eingriffe mit Folgen

Wenn Ärzte Patienten operieren, die abnehmen möchten, haben sie die Wahl zwischen mehreren Verfahren zur Verkleinerung oder Umgehung des Magens. Grundsätzlich gibt es folgende zwei Ansätze:

  • Restriktive Techniken verringern das Fassungsvermögen des Magens. Der Magen ist dementsprechend schneller gefüllt. Dadurch fühlt sich der Patient früher satt und nimmt weniger Nahrung zu sich. Zu diesen restriktiven Methoden gehören der Schlauchmagen und das Magenband.
  • Bypass-Techniken umgehen einen Teil des Verdauungstraktes. Auf diese Weise schränken sie die Nährstoffaufnahme ein.

Operative Verkleinerung des Magens zu einem Schlauchmagen

W&B/Dr. Ulrike Möhle/bearb. Szczesny

Schlauch-Magen

Bei der Schlauchmagen-Operation, auch Sleeve-Resektion genannt, entfernt der Chirurg einen Teil des Organs. Somit entsteht ein kleinerer Magen. Dieser hat die Form eines Schlauches. Im Normalfall nimmt er noch 100 bis 150 Milliliter auf, während ein normaler Magen ungefähr zwei bis drei Liter Fassungsvermögen hat. Der Patient kann durch den Schlauchmagen nur wenig essen und fühlt sich schneller satt. Da der Teil des Magens entfernt wird, der das Hungerhormon Ghrelin bildet, ist der Patient schneller satt und hat weniger Hunger. Allerdings muss der Patient nach der Operation in der Regel zusätzliches Vitamin B12 zu sich nehmen. Durch die Verkleinerung wird im Magen nicht mehr genug Intrinsic Factor und Magensäure zur Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung gebildet.
Die Operation führt der Arzt in der Regel minimal-invasiv über eine Bauchspiegelung durch. Sie ist aber aufgrund der Magennähte anspruchsvoll: Die Nähte müssen dicht sein, um ein Leck zu vermeiden.

Magenbypass: Umgehung des Magens mittels angenähter Dünndarmschlinge

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Magenbypass

Diese Operation begrenzt nicht nur die Nahrungsaufnahme, sondern reduziert auch die Aufnahme von Nährstoffen in den Körper. Daher besteht nach der Operation auch die Gefahr von Nährstoffmangelsyndromen. Der Patient muss meist lebenslang Vitamine, Spurenelemente und Eiweiß einnehmen.

Bei diesem Eingriff handelt es sich um eine große Operation mit zahlreichen Darmnähten. Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt.

Zuerst verkleinert der Chirurg den Magen. Den Magenrest von 15 bis 20 Milliliter vernäht er anschließend mit einer tiefer liegenden Dünndarmschlinge, so dass der Zwölffingerdarm für die Verdauung ausgeschlossen ist. Folglich müssen die Patienten neben Vitamin B12 auch mit Kalzium und Eisen substituiert werden, damit durch die Überbrückung des Zwölffingerdarms keine Mangelzustände auftreten. Regelmäßige Laborkontrollen sind erforderlich, um eine Mangelernährung frühzeitig zu erkennen und zu therapieren.

Noch nicht weit verbreitet: Mini-Loop Bypass

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Mini- oder Omega-loop Bypass

Beim Omega (Mini) Bypass handelt es sich um eine Bypass Variante, die noch keine generelle Anwendung gefunden hat. Der Chirurg legt eine Magenverkleinerung an, die gering größer ausfällt als beim Magenbypass. Jedoch durchtrennt der Operateur den Dünndarm nicht, sondern verbindet ihn zwei Meter nach dem Zwölffingerdarm mit der Magentasche. Im Vergleich zum Magenbypass verlieren die Patienten dadurch mehr Gewicht, und ihre Begleiterkrankungen bilden sich besser zurück. Nachteil ist der Kontakt von Galle mit der Magenschleimhaut. Dieser soll in bis zu 14 Prozent zu Geschwüren im Magen führen und mit einem erhöhten Risiko für eine Krebsentstehung einhergehen. Auch hiernach müssen Patienten infolge der Ausschaltung des Zwölffingerdarmes und des Magenausganges Vitamin B12, Kalzium und Eisen zu sich nehmen, um Mangelzustände zu vermeiden. Auch auf eine eiweißreiche Nahrung ist zu achten.

Umleitung der Verdauungssäfte bei der biliopankreatischen Diversion

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Biliopankreatische Diversion (BPD)

Bei der BPD bildet der Operateur einen Magenrest von 200 bis300 Millilitern Fassungsvermögen. Diesen verbindet der Arzt mit einer tiefen Dünndarmschlinge unter Ausschaltung des Zwölffingerdarmes und des oberen Dünndarmes. Bei der BPD leitet man außerdem die Verdauungssäfte um, die für die Aufnahme der Nährstoffe nötig sind: Der Chirurg versetzt die Dünndarmschlinge, in welche die Galle aus der Leber und das Sekret der Bauchspeicheldrüse eintreten. So haben Verdauungssäfte und Nahrung eine kürzere gemeinsame Strecke. Nur ungefähr 75 bis 100 Zentimeter Dünndarm stehen dann für die Aufnahme von Fetten und Kohlenhydraten, aber auch lebenswichtigen Vitaminen und Spurenelementen zur Verfügung. Dadurch wird nur ein kleiner Teil der Stoffe in den Körper aufgenommen, was bei der Gewichtsabnahme hilft.

Duodenal Switch: Verhindert das Dumping-Syndrom

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Duodenal Switch (DS)

Bei der biliopankreatischen Diversion mit Duodenal Switch entfernt der Arzt den großen Anteil des Magens und bildet einen Schlauchmagen. Er durchtrennt den Zwölffinderdarm und verbindet ihn mit dem unteren Ende des Dünndarmes. Der obere Anteil des Dünndarmes wird 100 Zentimeter vor dem Dickdarm in den unteren Dünndarm eingebunden. Die Vorteile der Methode ergeben sich aus der Erhaltung des Magenpförtners, also dem Schließmuskel am Magenausgang. Dadurch wird das sogenannte Dumping-Syndrom verhindert, das bei anderen Formen Probleme bereiten kann: Dabei gelangt zuckerhaltige Nahrung zu schnell in den Dünndarm und damit ins Blut, wo sie über eine Gegenregulation Unterzucker mit Übelkeit und Schweißausbrüchen auslösen kann.

Nur bei krankhaftem Übergewicht ist eine Magenverkleinerung angebracht

Stockbyte/Platinum

Risiken der Operation

Bariatrische Eingriffe sollten nur an dafür spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Laut dem Barmer GEK Krankenhausreport 2016 bieten in Deutschland in etwa 350 Krankenhäuser solche Operationen an. Von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie sind aber nur 44 Zentren zertifiziert. Dort ist die Komplikationsrate niedriger.

Komplikationen entstehen bei der Operation und der Narkose vor allem durch das Übergewicht und die Begleiterkrankungen des Patienten. Direkt nach dem Eingriff können wie bei jeder Operation Schmerzen, Blutungen, Wundheilungsstörungen und Infektionen auftreten. In ausführlichen Voruntersuchungen schätzen die behandelnden Ärzten das persönliche Risiko ein und besprechen ihre Beurteilung mit dem Patienten. Adipositas-chirurgische Eingriffe gelten als das letzte Mittel der Wahl.
Indikation für eine solche Operation kann ein krankhaftes Übergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 40 sein, das seit mehr als drei Jahren besteht. Auch ein BMI über 35 mit Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Zuckerkrankheit, Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) oder Bluthochdruck ist eine medizinische Indikation. Außerdem soll der Patient vorher die konservativen Methoden zur Gewichtsverringerung ausgeschöpft haben. Dazu zählen ärztlich kontrollierte Abnehmversuche, Diäten und körperliche Aktivität. Zusätzlich sollte der Patient volljährig sein. Er darf wegen der notwendigen Zusammenarbeit nicht emotional instabil sein und darf nicht unter psychischen Erkrankungen wie Psychosen oder Alkohol- und Drogensucht leiden.

Der Arzt muss den Patienten ausführlich darüber aufklären, dass die Eingriffe der Adipositaschirurgie Einfluss auf das weitere Leben haben und eine lebenslange Nachbetreuung erfordern.

Gegen hochkalorische Getränke ist selbst eine Magenverkleinerung machtlos

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Nachsorge und Wirksamkeit

Die Ergebnisse des Gewichtsverlustes nach der Operation sind sehr unterschiedlich. Die Erfolge der Behandlung hängen stark von der Motivation des Patienten ab, und davon, wie gut er die Vorgaben zur Ernährungs- und Lebensumstellung befolgt. Die Gewichtsreduktion kann bei motivierten Patienten bei bis zu 70% des Übergewichts innerhalb der ersten 2 Jahre liegen.
Die rein restriktiven Techniken lassen sich allerdings bewusst oder unbewusst "überlisten", wenn Patienten flüssige oder weiche hochkalorische Lebensmittel zu sich nehmen. Auch ist es möglich, einen Schlauchmagen durch zu große Portionen langsam wieder zu dehnen.
Zur Nachsorge und Langzeittherapie gehört eine Ernährungs- und psychologische Beratung. Darüber hinaus sollten möglicherweise erforderliche Folgeoperationen nach einer massiven Gewichtsreduktion eingeplant werden, beispielsweise die Entfernung von Hautschürzen.

Zahlt die Krankenkasse?

Adipositaschirurgische Eingriffe gehören derzeit nicht zu den normalen Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Die Finanzierung von der Krankenkasse kann aber im Einzelfall geprüft und beantragt werden.
Zur aktuellen Voraussetzung für eine Bezahlung durch die Kassen gehört die Teilnahme an einem multimodalen Therapiekonzept (mit mehreren fachübergreifenden Ansätzen), wie es die meisten zertifizierten Zentren anbieten. An der Behandlung sind Psychologen, Internisten, Adipositaschirurgen, Ernährungsberater und Bewegungstherapeuten beteiligt.

Prof. Dr. Christine Stroh

W&B/Privat

Beratende Expertin: Prof. Dr. Christine Stroh, Fachärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit den Zusatzweiterbildungen Ernährungsmedizin und Proktologie, Oberärztin an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie, Wald-Klinikum Gera, Leiterin des Zentrums für Adipositas- und metabolische Chirurgie

Quellen:
1. Weiner RA (Hrsg), Adipositaschirurgie: Operationstechnik - Komplikationsmanagement – Nachsorge, Elsevier GmbH, München, 1. Auflage, 2010
2. S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas, Chirurgische Arbeits-gemeinschaft  für Adipositastherapie, In Zusammenarbeit mit: Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin, Juni 2010
3. Karpitschka M, Lang R, Adipositaschirurgie und ihre Komplikationen, Der Radiologe, May 2011, Volume 51, Issue 5, pp 352-365
4. Müller M, Chirurgie für Studium und Praxis 2008/09, Medizinische Verlags- und Informationsdienste, 9. Auflage. N2007
5. Deutsche Adipositas Gesellschaft. Online: www.adipositas-gesellschaft.de/ (Abgerufen am 9.1.2017)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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