Magenschrittmacher

Ein Magenschrittmacher ähnelt vom Aufbau her einem Herzschrittmacher. Er soll bei der Kontrolle des Hungers helfen, wird aber auch bei der Behandlung einer Magenlähmung eingesetzt
von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 04.04.2017

Vom batteriebetriebenen Stimulator führen Elektroden zur Magenwand

W&B/Martina Ibelherr

Der Magenschrittmacher besteht aus einer Stimulationselektrode, einer Empfangselektrode und einer batteriebetriebenen Einheit. Sein batteriebetriebener Stimulator gibt elektronische Impulse ab. Die Stimulationselektrode leitet die Impulse an die richtige Stelle.

Stromimpulse, um den Magen zu steuern

Stromimpulse können die Entleerung des Magens beeinflussen. Deshalb gibt der Schrittmacher schwache elektrische Impulse ab. Diese wirken über die Sonde auf die Muskeln des Magens. Stimuliert werden kann sowohl die Muskulatur, welche den Weitertransport des Mageninhalts bewirkt (sogenannte Peristaltik), als auch der Schließmuskel zwischen Magen und Dünndarm. Somit können die Impulse entweder die Magenentleerung antreiben oder sie verlangsamen.

Eine Magenlähmung kann sich durch Völlegefühl und Sodbrennen äußern

W&B/Martin Ley

Behandlung der Magenlähmung mit dem Magenschrittmacher

Eine Lähmung des Magens (medizinisch: Gastroparese) kann beispielsweise im Rahmen der Zuckerkrankheit auftauchen. Durch eine Schädigung der Magennerven transportiert der Magen seinen Inhalt verlangsamt weiter zum Dünndarm. Der Patient bemerkt die Magenlähmung typischerweise als unangenehmes Völlegefühl selbst nach kleinen Mahlzeiten. Oft verspürt er auch Sodbrennen. Gegebenenfalls muss der Patient sogar erbrechen und verliert Gewicht. Eine derartige Magenlähmung behandeln Ärzte normalerweise zunächst mit einer Nahrungsumstellung samt erhöhter Flüssigkeitszufuhr und Medikamenten. Sind diese Maßnahmen unwirksam, kann ein Magenschrittmacher sinnvoll sein, um die Magenmuskulatur zu stimulieren.

Magenschrittmacher als Waffe gegen das Übergewicht

Der Magenschrittmacher kann aber auch so eingesetzt werden, dass er die Magenentleerung verzögert. Das nützt man bei Patienten mit starkem Übergewicht. Der Magen bleibt dann durch den Schrittmacher länger gefüllt und sorgt damit für ein früheres Sättigungsgefühl. Der Patient isst somit automatisch weniger.

Die Stärke der Stimulation stimmt der Schrittmacher mittels Nahrungs- und Aktivitätssensoren auf die Nahrungsaufnahme ab. Allerdings unterliegt der Patient durch den Schrittmacher keinen Einschränkungen, was, sondern nur, wie viel er isst. Zusätzlich kann der behandelnde Arzt über eine Programmiereinheit drahtlos die Einstellungen des Schrittmachers überwachen und an die Therapie anpassen.

Die Sensoren des Magenschrittmachers erfassen die Nahrungsaufnahme

StockDisc/ RYF

Sensoren für das Essverhalten

Die Nahrungs- und Aktivitätssensoren liegen quer über der Magenwand. Sie erfassen, wann und wie lange der Patient isst, trinkt oder körperlich aktiv ist. Die über das Ess- und Bewegungsverhalten gewonnenen Daten werden drahtlos an einen Computer gesendet.
Mit diesen Informationen kann der Patient zusammen mit seinem Arzt sein Essverhalten analysieren und Strategien für eine Gewichtsabnahme entwickeln. Die Therapie besteht sowohl aus der Selbstüberwachung des Patienten (oft mit Hilfe eines Online-Tagebuchs) als auch aus der Kontrolle der Schrittmacherstimulation.

Nur ein kleiner Eingriff ist nötig

Der Magenschrittmacher und die Sonden werden minimal-invasiv implantiert. Das heißt, die Operation erfolgt über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie), zu der drei bis vier kleine Schnitte nötig sind. Während die Sonden in der Magenwand zu liegen kommen, wird der Schrittmacher selbst unter der Bauchhaut implantiert. Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt, und dauert im Normalfall eine Stunde.

Risiken des Eingriffs hängen von Begleiterkrankungen ab

Komplikationen können bei dem Eingriff und der Narkose vor allem durch die Begleiterkrankungen des Patienten und gegebenenfalls sein Übergewicht begünstigt werden. In ausführlichen Voruntersuchungen schätzen die behandelnden Ärzte das persönliche Risiko ein.
Direkt nach der Operation können wie bei jedem chirurgischen Eingriff Wundheilungsstörungen, Blutungen und Infektionen auftreten. Vor allem rund um das eingepflanzte Fremdmaterial des Schrittmachers entstehen manchmal Entzündungen. Außerdem kann jeder Eingriff im Bereich des Bauchraums dazu führen, dass sich sogenannte Verwachsungen bilden.

Vor einem Magenschrittmacher sollten alle nichtoperativen Abnehmmöglichkeiten versucht werden

Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

Für wen kann ein Magenschrittmacher geeignet sein?

Die Voraussetzung für einen Magenschrittmacher zur Gewichtsreduktion ist, dass der Patient unter schwerem Übergewicht leidet, das der Arzt als "krankhaft" einstuft. Dies ist normalerweise bei Patienten mit einem Body Mass Index (BMI) von mehr als 35 kg/m2; der Fall. Als weitere Voraussetzung sollen alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sein, bei denen kein Eingriff nötig ist.

Ob der Magenschrittmacher bei der Behandlung von krankhaftem Übergewicht anderen Methoden wie dem Magenband oder der Magenverkleinerung auf lange Sicht gleichwertig oder gar überlegen ist, ist noch nicht bekannt. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass der Patient mit einen Magenschrittmacher im Laufe eines Jahres ungefähr dreißig Prozent seines Übergewichts abbauen kann.

Wichtigste Voraussetzung für den Therapieerfolg ist aber auch hier, ebenso wie bei den anderen Behandlungsformen, ein hohes Maß an Eigeninitiative, und die Bereitschaft zur konsequenten Umstellung der Ernährung und der Lebensgewohnheiten.

Zahlt die Krankenkasse?

Weil die Methode zur Therapie von Übergewicht noch relativ neu ist, wurden mit dieser Indikation die meisten Geräte bisher im Rahmen von Studien eingesetzt. Wer außerhalb einer Studie einen Magenstimulator erhalten will, muss die Kostenübernahme mit seiner Krankenkasse klären: Eine Finanzierung durch die Krankenkasse ist in besonderen Einzelfällen möglich, aber nicht garantiert.

Voraussetzung ist auf jeden Fall, dass die medizinische Notwendigkeit ausreichend belegt wurde und der Patient einen ärztlich kontrollierten Abnahmeversuch (zum Beispiel durch Kuren oder ärztlich kontrollierte Diäten) bereits durchgeführt hat. Wer Schrittmacher, Operation und Nachbehandlung selbst zahlen will, muss mit Kosten in Höhe von bis zu 17000 Euro rechnen.

Auch für die Verwendung eines Magenschrittmachers zur Behandlung einer Magenlähmung ist vorab die Kostenerstattung durch die Krankenkassen zu klären.

PD Dr. Christine Stroh

W&B/Privat

Beratende Expertin: Privatdozentin Dr. Christine Stroh, Fachärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit den Zusatzweiterbildungen Ernährungsmedizin und Proktologie, Oberärztin an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie, Wald-Klinikum Gera

Quellen:

1. S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas, Chirurgische Arbeitsgemeinschaft für Adipositastherapie, In Zusammenarbeit mit: Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin, Juni 2010
2. Adipositas: Therapie mit Magenschrittmacher, Dtsch Arztebl 2012; 109(20): A-1042 / B-898 / C-889
3. Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Homepage der Adipositas-Ambulanz. Online: www.uke.de/kliniken/medizinische-klinik-3/index_38599.php     (Abgerufen am 30.11.13)
4. Deutsche Adipositas Gesellschaft. Online: www.adipositas-gesellschaft.de/ (Abgerufen am 29.11.13)
5. Bundesverband Adipositas-Chirurgie e.V. Online: www.bvac.de/ (Abgerufen am 30.11.13)
6. Weiner R, Neue Chancen bei Adipositas: Magenband, Magenbypass und Magenschrittmacher. Erfolge, Risiken, Kosten: Das sollten Sie wissen, Trias Verlag, 1.  Auflage, 2002
7. Städtisches Klinikum München: Wieder Appetit dank Magenschrittmacher. Online: www.klinikum-muenchen.de/presse/medizinthema/magenschrittmacher/ (Abgerufen am 10.1.14)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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