Magenkrebs (Magenkarzinom)

Magenkrebs geht meistens von entarteten Zellen in der Magenschleimhaut aus. Er ruft in frühen Stadien kaum Symptome hervor und wird daher häufig spät entdeckt. Immer weniger Menschen erkranken in Deutschland neu an Magenkrebs
aktualisiert am 08.12.2014

Engstelle: Magenkrebs kann zum Beispiel den Magenausgang verlegen

W&B/Dr. Ulrike Möhle

Was ist Magenkrebs?

Als "Magenkrebs" werden normalerweise Tumoren des Magens bezeichnet, die ihren Ursprung in der Magenschleimhaut haben. Da diese Magenkarzinome üblicherweise von den Drüsenzellen der Magenschleimhaut ausgehen, gehören sie zu den sogenannten Adenokarzinomen.

Neben den klassischen Magenkarzinomen können auch andere Tumorarten im Magen vorkommen, so zum Beispiel Leiomyosarkome, die vom Muskelgewebe in der Magenwand abstammen. Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) zählen zu den Weichteiltumoren. Ebenso wie die sogenannten MALT-Lymphome – bösartige Erkrankungen des Lymphgewebes – können auch GIST im Magen liegen. Dieser Text beschränkt sich auf das klassische Magenkarzinom, das von der Magenschleimhaut ausgeht.

Magenkrebs gehört zu den wenigen Krebsarten, deren Häufigkeit in den westlichen Ländern in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen hat. Manche Wissenschaftler führen das auf die Kühl- und Gefrierschränke und den dadurch verminderten Verzehr von durch Einsalzen, Pökeln oder Räuchern haltbar gemachten Fleisches zurück (mehr dazu im Abschnitt "Ursachen").

Trotzdem ist Magenkrebs nach wie vor auch in Deutschland verbreitet. Zirka 15.000 neue Fälle treten hierzulande jährlich auf. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei etwa 71, für Frauen bei 75 Jahren. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Weil Magenkrebs nur wenige Symptome hervorruft, wird er oft spät entdeckt. Ist der Tumor nicht mehr operabel, sind die Heilungschancen schlecht.

Risikofaktor für Magenkrebs: Besiedlung mit Helicobacter pylori

iStock/Axel Kock

Ursachen und Risikofaktoren

In ihrem Erbmaterial enthält jede Zelle des Körpers Anweisungen, welche Aufgaben sie zu erfüllen und wann sie sich zu teilen hat. Darüber hinaus ist festgelegt, unter welchen Umständen sie "Selbstmord" zu begehen hat, beispielsweise bei fortgeschrittenem Alter, bestimmten genetischen Veränderungen oder gestörter Funktion. Man spricht in diesem Zusammenhang vom sogenannten programmierten Zelltod (Apoptose).
Manche Zellen aber verändern sich so, dass dieser Schutzmechanismus bei ihnen nicht mehr einwandfrei arbeitet. In der Regel stirbt eine solche Zelle nach einiger Zeit trotzdem. Selten kommt es vor, dass sie sich auch den anderen Kontrollmechanismen des Körpers vollständig entzieht und sich unkontrolliert in kurzen Abständen teilt. Ein Tumor entwickelt sich. Die Entartung von Zellen und damit die Entstehung von Krebs – zum Beispiel im Magen – kann durch bestimmte Risikofaktoren gefördert werden.

Der Magen und seine Teile (um die Grafik zu vergrößern, bitte auf die Lupe klicken!)

W&B/Jörg Neisel
  • Magenerkrankungen

Bestimmte Magenerkrankungen können die Entstehung von Krebs im Magen begünstigen: 

Obwohl der Magensaft sehr aggressiv ist, gibt es Keime, die sich in dieser für sie eigentlich unwirtlichen Umgebung ausbreiten. Am bekanntesten ist ein Bakterium namens Helicobacter pylori, das sich unter der schützenden Schleimschicht im Magen ansiedelt.
In Industriestaaten kommt Helicobacter pylori im Magen jedes zweiten bis fünften Menschens vor, auch in Deutschland sind schätzungsweise 20 bis 30 Millionen Menschen betroffen. Helicobacter pylori kann eine bestimmte Art der Magenentzündung, eine sogenannte Typ-B-Gastritis verursachen. Chronische Entzündungen können die Entstehung von Tumoren begünstigen. Außerdem ist das Bakterium auslösender Faktor für etwa drei Viertel aller Magengeschwüre. Helicobacter pylori ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für ein Magenkarzinom im Bereich des Magenkörpers (Korpus) und des Antrums (siehe Zeichnung).

Eine Magenschleimhautentzündung , die durch das Bakterium Helicobacter pylori verursacht ist (Typ-B-Gastritis), kann mit Medikamenten mittlerweile zuverlässig behandelt werden. Dies ist nicht nur aufgrund der Beschwerden durch die Magenschleimhautentzündung zu empfehlen, sondern auch wegen des erhöhten Magenkrebsrisikos.

Auch andere Magenerkrankungen machen es wahrscheinlicher, Magenkrebs zu bekommen. Das gilt zum Beispiel für die chronische Gastritis vom Typ A, eine Autoimmunerkrankung.  Auch beim "Morbus Ménétrier", ebenfalls eine Form der chronischen Magenentzündung (Gastritis), ist das Risiko für ein Magenkarzinom erhöht. Außerdem gibt es bestimmte Arten von Magenschleimhautpolypen, die bereits als Vorstufe eines Tumors einzustufen sind. Das ist aber eher die Ausnahme. Die meisten Magenpolypen sind harmlos und haben mit Magenkrebs nichts zu tun.

Bei Patienten, die an Magenpolypen, chronischer Gastritis oder dem sogenannten Ménétrier-Syndrom leiden, wird normalerweise vom betreuenden Arzt regelmäßig eine Magenspiegelung durchgeführt, um Magenkrebs frühzeitig zu erkennen.

Gegrilltes kann ein Gesundheitsrisiko sein

PhotoDisc/RYF
  • Ernährung und Lebensstil

Der häufige Verzehr von stark gesalzenen Speisen erhöht das Risiko für ein Magenkarzinom. Auch gepökelte, geräucherte oder stark gegrillte Lebensmittel können Magenkrebs begünstigen. Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum spielen ebenfalls eine Rolle.

  • Genetische Faktoren

Auch die Gene haben einen gewissen Einfluss. So kommt Magenkrebs bei bestimmten erblichen Karzinomsyndromen, aber auch bei verschiedenen anderen genetischen Mutationen gehäuft vor. Letztere sind aber sehr selten.

Druck im Oberbauch? Anzeichen für Magenkrebs sind sehr unspezifisch

Jupiter Images GmbH/Polka dot

Symptome

Im Frühstadium verursacht Magenkrebs nur wenige oder gar keine Symptome. Oft wird die Erkrankung daher erst entdeckt, wenn der Tumor bereits über das Frühstadium, in dem die Heilungserfolge am größten sind, hinaus fortgeschritten ist.

Kommt es zu Beschwerden, sind diese oft sehr unspezifisch: Es kann zu Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Gewichtsabnahme kommen.

Zusätzlich kann Magenkrebs zu Verdauungsbeschwerden vielerlei Art führen, wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, häufiges Erbrechen (auch mit Blut), Druckgefühl im Oberbauch, Mundgeruch und einem schwarz gefärbten Stuhl. Bei manchen Magenkrebspatienten lässt sich eine zunehmende Abneigung gegen Fleisch beobachten.

Solche Beschwerden lassen nicht direkt an Magenkrebs denken. Dies ist ein weiterer Grund, warum die Krankheit häufig erst in späteren Stadien entdeckt wird. Dann kann eventuell bereits ein Tumor im Oberbauch tastbar sein oder der Krebs hat schon in die örtlichen Lymphknoten oder in entfernte Organe wie die Leber gestreut.

Daher gilt: Bei wiederholten Beschwerden im oberen Bauchbereich sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen. Er kann die Ursache abklären.

Blick ins Organ: Magenspiegelung

W&B/Martina Ibelherr

Diagnose

Hat der Arzt den Verdacht auf eine Magenerkrankung, wird er den Patienten genau zu seinen Symptomen und den Ernährungsgewohnheiten befragen. Anschließend untersucht er ihn. Dabei sucht er unter anderem nach geschwollenen Lymphknoten und nach einer Geschwulst im Bauchbereich.

Um eine Magenerkrankung zu diagnostizieren ist jedoch meist der Blick in das Organ nötig.  Eine Magenspiegelung (Gastroskopie) macht dies möglich. Dabei schluckt der Patient eine Art Schlauch, den der Arzt vom Mund aus durch die Speiseröhre bis in den Magen vorschiebt. Dieses schlauchartige Gerät ist am vorderen Ende mit einer Lichtquelle und einer kleinen Videokamera ausgestattet, so dass sich damit die Innenwand des Magens auf einem Monitor begutachten lässt. Mit Hilfe einer kleinen Zange kann der Arzt Gewebeproben entnehmen, anhand derer später zum Beispiel eine Entzündung, ein Befall mit Helicobacter pylori, aber auch Magenkrebs nachgewiesen oder ausgeschlossen werden kann.

Wird bei der Untersuchung der Gewebeproben festgestellt, dass es sich um Magenkrebs handelt, folgt das sogenannte Staging: In mehreren weiteren Untersuchungen erfasst man Stadium und Ausbreitung der Erkrankung.

Beim endoskopischen Ultraschall (der so genannten Endosonografie) wird ein Ultraschallkopf in den Magen eingeführt, was wie bei der Gastroskopie ebenfalls über den Mund geschieht. Mit dieser Untersuchung lässt sich genau bestimmen, wie weit der Tumor die Magenwand bereits durchdrungen hat und ob benachbarte Lymphknoten befallen sind.

Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen (zum Beispiel von der Lunge), weiteren Ultraschalluntersuchungen (zum Beispiel vom Bauch) und der Computertomografie wird nach eventuell vorhandenen Tochtergeschwulsten (Metastasen) gesucht. Magenkrebs breitet sich auf dem Lymphweg, über das Blut oder direkt weiter entlang der benachbarten Organe aus. Es können sich auch Metastasen in den Eierstöcken (Krukenberg-Tumor) oder im sogenannten Douglas-Raum zwischen Gebärmutter und Enddarm bilden.

Um bei örtlich fortgeschrittenen Tumoren, die operiert werden sollen, auszuschließen, dass der Tumor sich bereits auf andere Organe des Magen-Darm-Traktes oder das Bauchfell ausgebreitet hat, nimmt der Arzt eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) vor. Bei Symptomen, die auf Tochtergeschwulste (Metastasen) im Knochen hinweisen (zum Beispiel Knochenschmerzen), kann eine Skelettszintigrafie durchgeführt werden. Bei dieser Untersuchung wird dem Patienten eine schwach radioaktive Substanz (der sogenannte "Tracer") in eine Vene gespritzt. Diese Substanz lagert sich vorübergehend im Knochen ein. Da der Knochenumbau in den Randgebieten von Metastasen erhöht ist, reichert sich hier mehr Tracer an und diese Stellen erscheinen im Szintigramm dunkler. Es gibt auch bestimmte Tumormarker, die der Arzt im Blut bestimmen kann. Diese Werte haben jedoch für die Diagnose keine Bedeutung, sondern dienen allenfalls als Vergleichswerte um den Erfolg der Behandlung feststellen zu können.

Im Labor lässt sich anhand der Gewebeprobe aus der Magenspiegelung der Wachstumstyp des Tumors (Lauren-Klassifikation) und der Differenzierungsgrad der Tumorzellen ("Grading") feststellen.

Magenkarzinome können nach verschiedenen Klassifikationen eingeteilt werden. Eine Einteilung nach dem Wachstumstyp (histomorphologischer Typ) ist die sogenannte Laurén-Klassifikation. Die beiden Haupttypen sind hier das intestinale Magenkarzinom, das eher polypenartig und oberflächlich wächst, und das diffuse Magenkarzinom, das in die Magenwand einwächst, oft schwer von der Umgebung abzugrenzen ist und frühzeitig in die Lymphknoten streut.

Operation: Falls möglich sollte der Tumor komplett entfernt werden

Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

Therapie

Die Ausdehnung, der Wachstumstyp und die Lage des Tumors bestimmen das Ausmaß der Operation. Tumore, die noch auf die innerste Magenwandschicht (Schleimhaut) beschränkt sind, können im Rahmen einer Magenspiegelung entfernt werden (endoskopische Resektion).

Hierbei werden nur der Tumor und das direkt benachbarte Gewebe herausoperiert. Bei tiefer eingewachsenen Tumoren muss entweder ein Teil oder der gesamte Magen einschließlich umliegender Lymphknoten entfernt werden - eventuell auch noch die Milz und ein Teil der Bauchspeicheldrüse. Um die Nahrungspassage wiederherzustellen wird der Rest des Magens beziehungsweise das Ende der Speiseröhre mit dem Dünndarm verbunden.

Eine zusätzliche (sowohl vor als auch nach der Operation durchgeführte) Chemotherapie kann die Überlebenschancen von Patienten mit örtlich fortgeschrittenen Tumoren, die an sich ein höheres Rückfallrisiko haben, verbessern.

Hat der Tumor ins Bauchfell gestreut (Peritonealkarzinose), so kann bei einem Teil der Patienten durch die operative Entfernung der befallenen Bauchfellanteile kombiniert mit einer sogenannten hyperthermen intraperitonealen Chemotherapie (hierbei werden die Medikamente direkt in den Bauchraum verabreicht) möglicherweise das Überleben verlängert werden.

Lässt sich der Tumor nicht komplett entfernen, wird auf eine Operation verzichtet. In diesem Fall kann eine Behandlung mit Medikamenten (Chemotherapie, eventuell kombiniert mit zielgerichteten Wirkstoffen) die Symptome lindern, das Überleben verlängern und die Lebensqualität verbessern. Wichtig ist auch die Ernährung weiterhin zu sichern. Ist der Magen durch den Tumor stark verengt, kann die Einlage eines Kunststoff- oder Metallröhrchens (eines sogenannten Stents) helfen, wieder eine Nahrungspassage zu ermöglichen. Alternativ kann durch eine Operation eine Umgehung der verengten Stelle hergestellt werden. Gelingt beides nicht, ist gegebenenfalls eine künstliche Ernährung nötig – zum Beispiel über einen dünnen Schlauch, der durch die Bauchhaut in den Magen oder Dünndarm gelegt wird (Ernährungsfistel, PEG-Sonde).

Viele Patienten leiden nach der Operation unter Verdauungsproblemen. Diesen kann mit entsprechenden Maßnahmen jedoch zumindest zum Teil vorgebeugt werden. Bei operierten Patienten sollten die Spiegel von Vitamin B12 und Eisen im Blut überwacht und bei zu niedrigen Werten die entsprechenden Stoffe zugeführt werden. Auch der Ernährungszustand sollte regelmäßig beurteilt werden (Gewichtskontrolle).

Überlebenschancen


Die Überlebensrate im Einzelfall hängt vom Stadium des Tumors ab. Im Frühstadium, wenn der Tumor noch auf die Schleimhaut beschränkt ist, sind die Heilungschancen gut. Kann der Tumor aufgrund seiner Größe jedoch nicht vollständig entfernt werden, sinken die Überlebenschancen deutlich.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Bildnachweis: PhotoDisc/RYF, Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY, W&B/Dr. Ulrike Möhle, iStock/Axel Kock, W&B/Jörg Neisel, Jupiter Images GmbH/Polka dot, W&B/Martina Ibelherr
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