Magen-Zwölffingerdarmgeschwür

Magengeschwüre und Zwölffingerdarmgeschwüre sind relativ häufige Erkrankungen des Verdauungstraktes. Die Ursachen können unterschiedlich sein, oft steckt eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori dahinter

aktualisiert am 19.11.2015

Tiefer Krater: Graphische Darstellung eines Magengeschwürs

Mauritius Images GmbH/Phototake

nach obenWas ist ein Magen-Zwölffingerdarmgeschwür?

Das Magen-Zwölffingerdarmgeschwür ist eine der häufigsten Erkrankungen des Verdauungstraktes. Jeder zehnte Deutsche leidet im Laufe seines Lebens mindestens einmal daran. Wenn man bedenkt, wie es dazu kommt, ist dies auch nicht weiter verwunderlich:

Der Magen produziert Salzsäure, um die Nahrung zu verdauen. Die Salzsäure würde auch die Wand des Verdauungsorgans selbst angreifen, wenn sie nicht durch eine Schleimschicht davor geschützt wäre. Diese wird extra von speziellen Zellen der Magenschleimhaut produziert. Weist die schützende Schleimschicht Lücken auf, wird zu viel Salzsäure erzeugt oder tritt beides auf, beginnt sich der Magen selbst zu verdauen und es kommt zu Schleimhautschäden. Reichen solche Verletzungen bis durch die obere Muskelschicht (Muscularis mucosae) oder in noch tiefer gelegene Magenwandschichten, so spricht man von einem Geschwür (Ulkus).


Je nachdem, wo es sich befindet, wird es als Magen- (Ulcus ventriculi) oder Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) bezeichnet. Mediziner fassen diese beiden Krankheitsbilder gerne unter dem Begriff gastroduodenale Ulkuskrankheit zusammen.


Helicobacter pylori: Häufige Ursache für Magengeschwüre

iStock/AxelKock

nach obenUrsachen und Risikofaktoren

Helicobacter pylori findet sich bei einem Zwölffingerdarmgeschwür in fast allen Fällen und bei Magengeschwüren in 75 Prozent . Das Bakterium ist seit 1982 bekannt und wird mittlerweile mit einigen Erkrankungen im Magen-Darmtrakt in Verbindung gebracht. Jeder zweite Erwachsene über 50 Jahre beherbergt es in seiner Magenschleimhaut, mit zunehmendem Alter tritt es noch häufiger auf.

Helicobacter pylori verträgt die saure Umgebung im Magen nicht besonders gut. Um dennoch überleben zu können, hat er Mechanismen entwickelt, um sich vor der Magensäure zu schützen. Zum einen haftet er sich sehr eng an die Magenschleimhautzellen an und versteckt sich so direkt unter der Schleimschicht, die die Magenwand vor der Säure schützt. Zum anderen hat Helicobacter pylori einen Weg gefunden, die ihn umgebende Magensäure zu neutralisieren. Das Bakterium produziert dafür in großen Mengen ein spezielles Enzym, die Urease. Mit diesem Enzym wird der im Magen vorhandene Harnstoff in Ammoniak und Kohlendioxid gespalten. Ammoniak neutralisiert die Magensäure. Das Bakterium befindet sich nun in einem neutralen Milieu.

Helicobacter pylori hat es geschafft, in einer für ihn an sich feindlichen Umgebung zu überleben. Die Schleimhautzellen vertragen die Besiedelung mit dem Keim weniger gut. Bereits die Anhaftung des Bakteriums schädigt die Zellen und der Ammoniak tut sein übriges. Eine Unterart von Helicobacter pylori produziert sogar noch zusätzlich Zellgifte. Die Zellen werden dadurch beeinträchtigt und die Produktion des schützenden Schleims geht zurück. Dies alles kann dann zu einer chronischen Magenentzündung führen.

 Ein Geschwür entwickelt sich aber meist nur, wenn noch zusätzlich begünstigende genetische  und/oder äußere Faktoren hinzukommen. Als solche gelten Alkohol, Rauchen und Stress in Form besonderer Belastungssituationen, wie einer intensivmedizinischen Behandlung.

Magengeschwüre treten bei Männern und Frauen in etwa gleich häufig auf, Männer entwickeln jedoch dreimal so häufig ein Zwölffingerdarmgeschwür. Jüngere Menschen haben eher ein Zwölffingerdarmgeschwür, ältere erkranken häufiger an einem Magengeschwür. Zudem scheinen auch genetische Faktoren eine Rolle zu spielen: Zwölffingerdarmgeschwüre kommen zum Beispiel etwas häufiger bei Blutgruppe 0 vor.

Diagnostiziert der Arzt ein Geschwür im Magen oder im Zwölffingerdarm und kann Helicobacter pylori nicht nachweisen, so spricht er von einem Helicobacter-negativem Geschwür. Hierfür kommen mehrere Ursachen in Betracht: 
Oftmals ist die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten, den so genannten Cyclooxygenasehemmern, das Problem. Diese verringern nämlich als unerwünschte Nebenwirkung die Produktion der schützenden Schleimschicht. Das Risiko, ein Geschwür zu entwickeln, ist bei einer Therapie mit diesen Arzneimitteln viermal so hoch. Bekannte Vertreter dieser Medikamentengattung sind zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac und Ibuprofen.


Auch Kortisonpräparate scheinen einen ungünstigen Effekt auf die Schleimproduktion zu haben. Die Einnahme dieser Medikamente allein reicht aber wohl noch nicht aus, um ein Geschwür hervorzurufen. Verschreibt der Arzt jedoch Cyclooxygenasehemmer in Kombination mit Kortisonpräparaten, so steigt das Risiko um das 15fache!

 Sehr selten ist das körpereigene Hormon Gastrin für die Entstehung von Geschwüren verantwortlich. Gastrin regt die Bildung der Magensäure an. Durch eine Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus) oder durch Gastrin produzierende Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Zollinger-Ellison-Syndrom) wird vermehrt Gastrin ausgeschüttet und so die Produktion der Magensäure gesteigert. Hierdurch erhöht sich die Gefahr, ein Geschwür zu entwickeln. Allerdings kommen beide Krankheitsbilder nur sehr selten vor.

 Auch durch extrem starke körperliche Belastungen, etwa bei einer intensivmedizinischen Behandlung, kann ein Geschwür auftreten, das so genannte Stressulkus.


Schmerzen im Oberbauch können auf ien Geschwür hinweisen

Thinkstock/Polka Dot Images

nach obenSymptome

In vielen Fällen sind die Symptome bei einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür eher unspezifisch. Schmerzen im Oberbauch oder Völlegefühl könnten zum Beispiel Anzeichen für ein Geschwür sein. Ebenso können Übelkeit, Erbrechen oder mangelnder Appetit auf ein Geschwür hindeuten. Diese Beschwerden können aber auch vielen anderen Krankheiten zugeordnet werden.

In Einzelfällen erleichtern typische Beschwerdebilder die Diagnose: Sowohl beim Magen- als auch beim Zwölffingerdarmgeschwür kommt es zu starken Schmerzen in der Magengrube. Beim Zwölffingerdarmgeschwür treten die Schmerzen aber typischerweise bei nüchternem Magen, spät abends oder nachts auf. Eine Mahlzeit kann die Symptome bessern. Das typische Beschwerdenbild des Magengeschwürs hingegen sind Schmerzen sofort nach dem Essen oder unabhängig davon.

Ein Drittel der Betroffenen ist bis zum Auftreten von schwerwiegenderen Komplikationen völlig beschwerdefrei.


Histologie: Magengeschwür im Schnittbild

Getty Images/Biophoto Associates

nach obenKomplikationen

Bei jedem fünften Magen-Zwölffingerdarm-Geschwür tritt eine Blutung auf. Diese kann sich auf verschiedene Weisen bemerkbar machen. Handelt es sich um eine starke Blutung, so wird das Blut entweder erbrochen oder mit dem Stuhlgang ausgeschieden. Da das Blut sich durch den Kontakt mit der Magensäure schwarz verfärbt, sieht auch der Stuhl schwarz aus – man spricht vom so genannten Teerstuhl.

Ist der Blutverlust hoch, kann dies zu einem Kreislaufschock führen. Daher sollte in diesem Fall der Notarzt verständigt werden. Gehen über einen längeren Zeitraum konstant geringe Mengen an Blut verloren, so fällt dies oft erst bei einer Laboruntersuchung durch den Nachweis einer Blutarmut (Anämie) oder durch einen Test auf verborgenes Blut im Stuhl auf.

In fünf Prozent der Fälle kommt es zum gefürchteten Magendurchbruch. Hierbei frisst sich das Geschwür durch die gesamte Magenwand hindurch und hinterlässt ein Loch. Nun kann der Mageninhalt, also ein Gemisch aus Nahrung, Säure, Verdauungsenzymen und Bakterien, in den Bauchraum gelangen. Dadurch kommt es zu einer heftigen Entzündung des Bauchfells. Die Patienten verspüren stärkste Schmerzen in der Magengrube. Im Röntgenbild kann man Luft im Bauchraum erkennen, die aus dem Verdauungstrakt entwichen ist. Bei dieser Komplikation darf nicht gezögert werden! Es muss sofort operiert werden, denn mit jeder Minute sinken die Überlebenschancen.

Befindet sich das Geschwür im Bereich des Magenausgangs, so kann es bei seiner Abheilung dort zu einer Verengung (Stenose) kommen. Der Nahrungsbrei wird dann nicht mehr ungehindert weitergeleitet, der Patient muss erbrechen und verliert stetig an Gewicht.

Nur in drei Prozent der Fälle macht sich ein Magenkrebs in Form eines Geschwürs bemerkbar.


Die Gastroskopie ermöglicht einen Blick in den Magen

W&B/Martina Ibelherr

nach obenDiagnose

Da die Beschwerden meist sehr unspezifisch sind, sollte bei länger anhaltenden Problemen eine Abklärung durch eine Magenspiegelung (Ösophagogastroduodenoskopie) erwogen werden. Der Arzt sieht sich hierbei den Magen durch ein Endoskop genau an und entnimmt Proben aus verdächtig erscheinenden Bereichen (Biopsie). Diese werden anschließend in Form von dünnen Gewebeschnitten mikroskopisch begutachtet.

Typischerweise treten Magengeschwüre im Bereich der kleinen Magenkrümmung und im Bereich des Pförtnermuskels auf. Befindet sich das Magengeschwür in einer anderen Region des Magens, so ist das zunächst einmal verdächtig. Der Arzt wird hier auf jeden Fall Gewebeproben (Biopsien) entnehmen, um Magenkrebs möglichst auszuschließen. Jeder fünfte Betroffene entwickelt gleichzeitig mit einem Magengeschwür auch ein Zwölffingerdarmgeschwür. Das Zwölffingerdarmgeschwür befindet sich typischerweise im oberen Teil des Zwölffingerdarms.

Um die Besiedelung der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori – der Hauptursache der Geschwüre – nachzuweisen, stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die am häufigsten verwendeten Tests basieren auf der Spaltung von Harnstoff durch das Enzym Urease, das – wie im Kapitel "Ursachen und Risikofaktoren" beschrieben – von Helicobacter pylori produziert wird. Beim so genannten Urease-Schnelltest werden Gewebeproben aus der Magenspiegelung mit einer harnstoffhaltigen Flüssigkeit zusammengebracht. Ist Helicobacter pylori im Biopsiematerial enthalten, so spaltet die Urease den Harnstoff und die Flüssigkeit verfärbt sich.

Eine andere Möglichkeit ist der 13C-Atemtest. Hierbei trinkt der Patient eine Testlösung mit 13C -markierten Harnstoff. Ist Helicobacter pylori im Magen vorhanden, so spaltet nun die von ihm produzierte Urease den Harnstoff in Ammoniak und Kohlendioxid. Der Arzt weist das so entstandene, mit 13C markierte Kohlendioxid in der ausgeatmeten Luft nach und somit auch indirekt Helicobacter pylori. Direkt lässt sich der Keim in Gewebeschnitten unter dem Mikroskop oder in Kultur nachweisen.

Ist bei Diagnose einer gastroduodenalen Ulkuskrankheit kein Helicobacter pylori nachweisbar und nimmt der Patient auch keine Ulkus begünstigenden Medikamente (Cyclooxygenasehemmer, Kortisonpräparate) ein, so gilt es gegebenenfalls abzuklären, ob ein Zollinger-Ellison-Syndrom oder eine Überfunktion der Nebenschilddrüse vorliegen.


Eine Behandlung mit Tabletten beseitigt Helicobacter pylori fast immer

W&B/Simon Katzer

nach obenTherapie mit Medikamenten

Die Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren unterscheidet sich in der Regel nicht voneinander. Bei Nachweis von Helicobacter pylori wird Ihnen Ihr Arzt zur Behandlung mit Medikamenten raten, die den Keim abtöten. Hierzu verschreibt er Ihnen zwei Antibiotika und einen Säureblocker. Diese Medikamente müssen Sie in der Regel mindestens sieben Tage lang einnehmen. Durch diese so genannte Eradikationstherapie kommt es in 90 Prozent der Fälle zu einer erfolgreichen Beseitigung des Helicobacter pylori und somit in der Regel zu einer Ausheilung der Ulkuskrankheit.

 Normalerweise entsteht kein weiteres Geschwür und deshalb ist auch keine weitere Behandlung mehr nötig. Ohne Eradikationstherapie kommt es dagegen bei etwa neun von zehn Zwölffingerdarmgeschwüren und bei jedem zweiten Magengeschwür zu einem Rückfall. Nur sehr wenige Menschen stecken sich nach einer erfolgreichen Behandlung wieder mit Helicobacter pylori an und erkranken dann eventuell erneut.

Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, bei denen kein Helicobacter pylori nachgewiesen werden kann, werden nur symptomatisch behandelt. Zunächst einmal müssen die auslösenden Faktoren gemieden werden: Ulkusbegünstigende Medikamente wird der Arzt - wenn das möglich ist - absetzen. Eigenmächtig sollte jedoch auf keinen Fall auf eine ärztlich verordnetet Therapie mit Arzneimitteln verzichtet werden! Sprechen Sie immer erst mit Ihrem Arzt! Das Rauchen sollte ganz aufgegeben und Stress minimiert werden. 

Gleichzeitig werden Säureblocker gegeben, um die Produktion der Magensäure zu unterdrücken und so zu ermöglichen, dass die Geschwüre abheilen. Mittel der Wahl stellen hier die Protonenpumpenhemmer dar (zum Beispiel Omeprazol, Pantoprazol, Lansoprazol, Rabeprazol, Esomeprazol), die in Abhängigkeit von der Dosis die Säureproduktion sogar vollständig zum Erliegen bringen können. Als unerwünschte Nebenwirkungen können selten Durchfall, Schwindel, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen auftreten. Die früher verwendeten H2-Blocker (zum Beispiel Cimetidin, Ranitidin) werden wegen ihrer schwächeren Wirkung zur Therapie von Magen-Zwölffingerdarmgeschwüren üblicherweise nicht mehr eingesetzt.

 Beim Magengeschwür sollte die Abheilung nach circa sechs bis acht Wochen durch eine Magenspiegelung und gegebenenfalls durch Entnahme von Gewebeproben überprüft werden, um ein eventuell entstehendes bösartiges Wachstum nicht zu übersehen. Zwölffingerdarmgeschwüre entarten nur äußerst selten, daher ist hier eine Kontrolle nach Therapie nicht üblich.

nach obenChirurgische Behandlung

Die gastroduodenale Ulkuskrankheit kann heutzutage in der Regel erfolgreich ohne Operation behandelt werden. Kann jedoch eine Blutung im Rahmen einer Magenspiegelung nicht ausreichend zum Stillstand gebracht werden, oder kommt es zum Magendurchbruch, so ist eine sofortige Operation angezeigt. Ebenso sollte eine Verengung des Magenausgangs aufgrund eines therapierten Geschwürs in der Regel chirurgisch behandelt werden. Wenn auf dem Boden der Ulkuskrankheit ein Magenkrebs entdeckt wird, kommt es meist auch zu einer Operation. 

Früher wurde auf chirurgischem Weg versucht, die Übersäuerung des Magens zu verhindern. Die Magensäureproduktion wird sowohl durch das Hormon Gastrin als auch durch die Magennerven angeregt. Entweder entfernte der Chirurg also einen Großteil des Magens (Zweidrittel-Teilresektion) und damit auch den Hauptanteil der Gastrin bildenden Zellen, oder er durchtrennte die zum Magenkörper führenden Nerven (sogenannte "selektive proximale Vagotomie"). Diese Verfahren werden seit Einführung der Eradikationstherapie und der Protonenpumpenhemmer nur noch in Einzelfällen eingesetzt.


Schmerzmittel nur einnehmen, wenn sie wirklich nötig sind!

Thinkstock/Bananastock

nach obenVorbeugen

Das Bakterium Helicobacter pylori gilt als Hauptursache für die gastroduodenale Ulkuskrankheit. Bezüglich der Entstehung eines Magen- und Zwölffingerdarmgeschwürs wäre es also wünschenswert, sich erst gar nicht mit dem Keim anzustecken. Helicobacter pylori kommt nur beim Menschen vor und die Infektion erfolgt meist schon in der Kindheit.

Der Ansteckungsweg ist noch nicht restlos erforscht. Die Übertragung geschieht wohl über die Aufnahme von Stuhl, Speichel oder Erbrochenen von Infizierten. Ebenso wird mit Helicobacter pylori kontaminiertes Trinkwasser als Infektionsquelle diskutiert. Diese Hypothese wird dadurch untermauert, dass mit zunehmender Hygiene in den Industrieländern die Infektionszahlen rückläufig sind. Eine wichtige Maßnahme, um die Verbreitung von Helicobacter pylori zu vermindern, ist die Einhaltung üblicher Hygieneregeln. Erhebungen haben auch gezeigt, dass Kaffeetrinker sich wohl leichter mit Helicobacter pylori infizieren als diejenigen, die auf das Getränk verzichten.


Allerdings muss eine Infektion mit dem Erreger nicht immer unbedingt etwas Schlechtes bedeuten. Kinder, bei denen Helicobacter pylori die Schleimhaut besiedelt, erkranken wohl seltener an Allergien. Aus diesem Grund sollte eine prinzipielle Behandlung des Bakteriums kritisch hinterfragt werden, auch wenn es laut WHO zu den krebserzeugenden Agenzien gehzählt wird.

Aber die Infektion mit Helicobacter pylori allein lässt ja in der Regel auch noch kein Geschwür entstehen, viel mehr gilt es also, die zusätzlichen Ulkus begünstigenden Faktoren zu vermeiden:

Auf Rauchen sollten Sie nach Möglichkeit ganz verzichten, Alkohol nur in Maßen trinken. Eine spezielle Ernährung in Form einer Magenschonkost, wie Sie sie vielleicht von früher noch kennen, findet heutzutage keine Anwendung mehr. Sie wissen selbst wahrscheinlich am besten, welche Lebensmittel Sie gut vertragen, und wovon Sie Magenprobleme bekommen. Darauf sollten Sie dann eben verzichten. Auch Stress im Alltag könnte ein zusätzlicher Auslöser sein. Dem können Sie entgegenwirken, indem Sie Entspannungstechniken erlernen und anwenden.

Medikamente (zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Kortisonpräparate), welche die Produktion der schützenden Schleimschicht vermindern, sollten Sie nur einnehmen, wenn Sie diese wirklich benötigen. Kann darauf nicht verzichtet werden, zum Beispiel im Rahmen der Behandlung einer rheumatischen Erkrankung, so sollten Sie - natürlich in Absprache mit ihrem behandelnden Arzt - eventuell zusätzlich einen Protonenpumpenhemmer einnehmen, um die schädliche Wirkung der Säure zu minimieren.

Müssen die Ulkus begünstigenden Medikamente längerfristig eingenommen werden und es wird gleichzeitig eine Helicobacter pylori-Besiedelung festgestellt, so sollte eine Eradikations-Therapie durchgeführt werden, um die Entstehung eines Geschwürs zu vermeiden!

Wenn Sie eine Tablette Acetylsalicylsäure benötigen, nehmen Sie diese mit viel Wasser und nicht auf nüchternen Magen ein. Acetylsalicylsäure verringert nämlich als Nebenwirkung nicht nur die Produktion der schützenden Schleimschicht im Magen, sondern schädigt die Schleimhaut auch direkt.


Dr. med. Severin Daum

Unser Experte: Dr. med. Severin Daum

W&B/Privat

nach obenBeratender Experte

Privatdozent Dr. Severin Daum ist Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologe. Er habilitierte sich 2008 an der Charité Berlin. Seit 2006 ist er als Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin I der Charité-Campus Benjamin Franklin tätig.  Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich gastrointestinale Onkologie, Zöliakie, Spruesyndrome und Non-Hodgkin-Lymphome des Magen-Darm-Traktes.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Quellen:

Herold G, Innere Medizin, 2014




Bildnachweis: iStock/AxelKock, Thinkstock/Bananastock, Thinkstock/Polka Dot Images, W&B/Privat, W&B/Simon Katzer, Mauritius Images GmbH/Phototake, Getty Images/Biophoto Associates, W&B/Martina Ibelherr

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