Die Therapie des Lungenkrebses stützt sich auf die Operation, die Chemo- und die Strahlentherapie. Welchen Ansatz der Arzt einzeln oder in Kombination verfolgt, hängt von der individuellen Krankheitsgeschichte ab.
So befinden sich kleinzellige Karzinome bei der Diagnosestellung meist schon in einem fortgeschrittenen Stadium. Sie können bereits große Teile des Lungengewebes erfasst und oft auch schon Metastasen in anderen Körperregionen gebildet haben. Eine vollständige chirurgische Entfernung des Krebsgewebes ist in diesen Fällen nicht mehr möglich. Die kleinzelligen Tumoren sprechen im Vergleich zu nicht kleinzelligen Karzinomen besser auf eine Chemotherapie an, sodass dieses Verfahren die Behandlung dominiert.
Bei der Behandlung von nicht kleinzelligen Karzinomen im Stadium I und II steht an erster Stelle die Operation. Sie bietet eine Chance auf langfristige Heilung. In weiter fortgeschrittenen Stadien werden Chemo- und Strahlentherapie einzeln oder kombiniert eingesetzt, gegebenenfalls ergänzt durch eine Operation. Sind bereits Fernmetastasen aufgetreten sinken die Heilungsaussichten deutlich. Die Behandlung zielt dann in erster Linie darauf ab, ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern oder zu verlangsamen, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten.
Die Lunge: Der rechte Lungenflügel besteht aus drei, der linke aus zwei Lappen. Diese unterteilen sich dann noch in Segmente
Chirurgie
Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Entfernung eines Lungenflügels (Pneumonektomie) die einzige chirurgische Behandlungsmöglichkeit. Dieser Eingriff geht jedoch mit einer vergleichsweise hohen Komplikationsrate einher und schränkt die Leistungsfähigkeit der Patienten oft deutlich ein.
Mittlerweile können Chirurgen ein breites Spektrum an gewebeschonenderen Techniken anbieten: Bei der Lobektomie wird zum Beispiel nur der betroffene Lungenlappen entfernt, bei der Manschettenresektion – einer Variante der Lobektomie – neben dem Lappen auch ein Teil des zugehörigen Bronchus. Bei der Segmentresektion werden schließlich nur noch Teile eines Lungenlappens entnommen. Mit diesen Verfahren versucht der Operateur einen Kompromiss zu finden, zwischen dem Erhalt von funktionstüchtigem Lungengewebe und der zur Heilung erforderlichen Gewebeentfernung.
Gegebenenfalls kann eine Chemo- und/oder Strahlentherapie der Operation vorausgehen oder sich an diese anschließen. Man spricht dann von neoadjuvanter beziehungsweise adjuvanter Chemo- oder Strahlentherapie.
Chemotherapie
Bei der Chemotherapie werden Substanzen eingesetzt, welche die Teilung von Zellen hemmen und sie zum Absterben bringen (Zytostatika). Diese Chemotherapeutika wirken vor allem auf jene Zellen, die sich stark teilen und einen regen Stoffwechsel haben. Krebszellen sind daher mehr betroffen als gesunde Zellen.
Dennoch bleibt eine Chemotherapie nicht ohne Nebenwirkungen. Dazu zählen beispielsweise eine Erniedrigung der Zahl bestimmter Blutzellen, Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm-Störungen, Appetitlosigkeit und Haarausfall. Darüber hinaus sind Patienten unter einer Chemotherapie anfälliger für Infektionen. Viele dieser Störungen lassen sich jedoch mit speziellen Maßnahmen oder Medikamenten lindern oder sogar vermeiden.
Eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie ist unter bestimmten Bedingungen sinnvoll, um bessere Behandlungsergebnisse zu erhalten. Die beiden Behandlungen können entweder nacheinander durchgeführt werden – in der Regel zuerst die Chemotherapie, danach die Strahlentherapie – oder gleichzeitig. Letzteres erhöht die Heilungsaussichten, allerdings auch die Nebenwirkungen.
Strahlentherapie
Bei der Strahlentherapie werden gezielt energiereiche Strahlen verabreicht, welche die Erbsubstanz (DNS) schädigen. Übersteigen die Schäden ein gewisses Maß, verlieren die Zellen ihre Teilungs- und Funktionsfähigkeit und sterben ab.
Im einfachsten Fall befindet sich die Strahlenquelle außerhalb des Körpers (externe oder perkutane Bestrahlung). Strahlendosis, Eindringtiefe der Strahlen und die Größe des zu bestrahlenden Areals bestimmt der zuständige Arzt so, dass die Zellzerstörung möglichst auf den Tumor beschränkt bleibt.
Außerdem gibt es die Möglichkeit, strahlende Kapseln (Seeds) in das Gewebe einzubringen (Brachytherapie). So wird die Geschwulst quasi von innen heraus bestrahlt. Bei Lungenkrebs wird diese Behandlung zum Beispiel eingesetzt, um bei fortgeschrittenen Tumoren zu verhindern, dass die Geschwulst die Atemwege stark einengt und damit zu Luftnot führt.
Weitere Therapiemöglichkeiten
Neben den Chemotherapeutika gibt es mittlerweile neue Wirkstoffe, die den Tumor gezielter bekämpfen sollen. Dies kann gelingen, wenn die Wirkstoffe etwa bestimmte, tumorspezifische Wachstumsmechanismen blockieren. Zugelassen sind beispielsweise Substanzen, welche die Übertragung von Wachstumssignalen in der Krebszelle unterbinden (Tyrosinkinasehemmer), oder die Neubildung von Blutgefäßen im wachsenden Tumor hemmen (Angiogenesehemmer).
Symptomorientierte Therapie
Schmerzen sind eines der führenden Symptome bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen. Es sollte daher selbstverständlich sein, dass der Arzt entsprechende Maßnahmen zur Linderung ergreift.
Weitere häufige Symptome, die sich mehr oder weniger gut behandeln lassen, sind Schwäche, Appetitlosigkeit, Erbrechen und Atemnot. Patienten sollten in jedem Fall ihren Arzt auf Therapiemöglichkeiten ansprechen.
Ergänzende Maßnahmen
Neben der medizinischen Standardtherapie gibt es zahlreiche Ansätze, die den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen können.
• Vollwertige Ernährung
Eine vollwertige Ernährung stärkt den allgemeinen Gesundheitszustand und verhindert, dass Nährstoffdefizite auftreten. Von Fastenkuren oder bestimmten Diäten sollte man dagegen unbedingt absehen, da sie den Patienten schwächen können und damit eher einen nachteiligen Effekt haben.
• Psychologische Begleitung
Eine Krebserkrankung stellt eine enorme psychische Belastung dar. Eine Beratung durch einen Psychoonkologen oder einen speziell ausgebildeten Psychologen kann helfen, das seelische Gleichgewicht zu erhalten oder wieder zu finden.
• Ergänzende Therapieverfahren
Viele Ärzte begrüßen es, wenn ihre Patienten ihr Befinden durch komplementärmedizinische Verfahren verbessern wollen. Eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt sollte auf jeden Fall erfolgen, bevor solche Verfahren ergänzend (komplementär) zu den Standardtherapieverfahren eingesetzt werden. Akupunktur kann zum Beispiel manchen Patienten helfen, besser mit der durch die Chemotherapie verursachten Übelkeit zurechtzukommen.
Ein weiteres Beispiel sind Entspannungstechniken wie Autogenes Training, die zum Wohlbefinden beitragen und dem Patienten helfen können, mit Angst und Schmerzen besser umzugehen.
Rehabilitation
Rehabilitationsmaßnahmen helfen den Patienten bei der Rückkehr in den beruflichen und familiären Alltag. Sie können sowohl ambulant als auch in einem spezialisierten Zentrum durchgeführt werden.
Rehabilitationsmaßnahmen helfen den Patienten, wieder mobiler zu werden und besser mit den durch den Krebs oder die Therapie bedingten Beschwerden umzugehen. Zusätzlich bekommen die Patienten Unterstützung bei der psychischen Bewältigung der Erkrankung.
Nachuntersuchungen
Nachuntersuchungen dienen dazu, ein erneutes Auftreten der Krankheit möglichst frühzeitig zu erkennen. Nach einer Therapie, die eine Heilung der Erkrankung zum Ziel hatte, erfolgt die erste Untersuchung vier bis sechs Wochen nach Abschluss der Behandlung. Danach steht beim nicht kleinzelligen in den ersten beiden Jahren etwa alle drei Monate ein Termin beim Arzt einschließlich Röntgen- und Blutuntersuchung auf dem Programm. Anschließend werden die Untersuchungen noch drei Jahre lang alle sechs Monate durchgeführt, danach nur noch einmal im Jahr.
Weitere Untersuchungen wie etwa eine Bronchoskopie (Lungenspiegelung) können je nach Tumorform und Beschwerden im Einzelfall in Frage kommen. Der Einsatz weiterer spezieller bildgebender Verfahren wie etwa einer Computertomographie, hängt ebenfalls von den Symptomen ab.
Palliativtherapie
Bei nicht heilbaren Krebserkrankungen besteht das Behandlungsziel darin, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen, etwaige Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Die Maßnahmen dazu sind im Wesentlichen dieselben wie oben beschrieben. Da das Ziel aber nicht mehr die Heilung, sondern nur eine Linderung der Symptome ist, spricht man von Palliativtherapie. In dieser Situation ist es besonders wichtig, die Nebenwirkungen einer Behandlungsmaßnahme und den Gewinn an Lebenszeit und Lebensqualität gegeneinander abzuwägen.
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13.09.2005, aktualisiert am 20.12.2011
Bildnachweis: W&B/Melanie Bertram, Stockbyte/RYF
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