Den Enstehungsmechanismus eines Emphysems erklären sich Mediziner so:
• Im Lungengewebe herrscht im Normalfall ein Gleichgewicht zwischen bestimmten Eiweißen (Proteasen), die das Lungengewebe abbauen, und solchen, die es schützen (Antiproteasen, Protease-Inhibitoren).
• Schadstoffe, wie der inhalierte Rauch beim Zigarettenrauchen und anhaltende Entzündungen können dieses empfindliche Gleichgewicht stören, sodass schließlich die abbauenden Eiweiße überwiegen.
• Die Wände der Lungenbläschen werden angegriffen und zerstört. Es entstehen immer mehr sackartige, blasige Hohlräume. Größere Blasen werden als Bullae bezeichnet.
• Weil immer mehr Lungengewebe abgebaut wird, schrumpft die verfügbare Gasaustauschfläche. Der Sauerstoffgehalt im Blut nimmt ab, insbesondere unter Belastung.
• Die Lunge verliert häufig auch an Elastizität und Dehnbarkeit, da zusätzlich meist eine chronisch obstruktive Bronchitis besteht. Die kleinsten Bronchialäste werden eingeengt und fallen leichter zusammen (sie kollabieren). Das behindert den Atemfluss vor allem beim Ausatmen. Diese Atemwegsbehinderung (Atemwegsobstruktion) besteht dauerhaft – anders als beim Asthma, wo die Obstruktion anfallsartig auftritt und sich dann wieder bessert.
Neben dem Rauchen begünstigen und verstärken einige Risikofaktoren die Bildung eines Emphysems. Hierzu zählen erbliche Veranlagung, immer wiederkehrende Atemwegsinfekte (wie chronische Bronchitis und Lungenentzündung) sowie Schadstoffe, zum Beispiel Autoabgase, Stäube und Gase am Arbeitsplatz.
Es gibt verschiedene Formen des Emphysems:
Das Lungenemphysem im Rahmen einer COPD (COPD = chronisch obstruktive Lungenerkrankung) ist die häufigste Emphysem-Form. Sie wird vor allem durch Rauchen verursacht. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung haben eine COPD, davon etwa ein Drittel ein deutliches Emphysem. Oft sind bei dieser Form zunächst die oberen Lungenabschnitte betroffen. Die Substanzen im Rauch schädigen die Lunge direkt, stören aber auch das Gleichgewicht von abbauenden und schützenden Eiweißen (siehe oben), weil sie schützende Eiweiße inaktivieren.
Alpha-1-Protease-Inhibitor-Mangel-Emphysem: Diese Form des Emphysems beruht auf einem angeborenen Mangel an schützendem Eiweiß (Protease-Inhibitor, PI, siehe dazu auch erster Textabschnitt): Der Körper stellt zu wenig Alpha-1-Antitrypsin (AAT) her, es besteht ein AAT-Mangel. Diese Substanz wirkt normalerweise einem Abbau von Lungengewebe entgegen. Ein Emphysem entsteht leichter, wenn Alpha-1-Antitrypsin nicht in ausreichender Menge vorliegt. Oft betrifft diese Emphysem-Form vor allem die unteren Lungenbereiche. Ein reines Alpha1-PI-Mangel-Emphysem ist eher selten (etwa ein bis zwei Prozent aller Emphysem-Erkrankungen). Oft ist dann gleichzeitig auch die Leber erkrankt. Dieses Emphysem kann durch die Verabreichung von Alpha-1-Antitrypsin behandelt werden.
Es existieren jedoch verschiedene Varianten des Alpha-1-PI-Mangels, je nachdem, welche Informationen genau in den Erbanlagen vorliegen. So gibt es neben einem ausgeprägten Mangel auch deutlich mildere Formen, die viele Jahre symptomlos bleiben können – vorausgesetzt, die Betroffenen belasten ihre Lunge nicht zusätzlich. Wer jedoch einen Alpha1-PI-Mangel hat und zusätzlich raucht, erhöht sein Risiko für ein Emphysem deutlich. In ausgeprägten Fällen kann es schon im mittleren Lebensalter dazu kommen.
Es gibt noch das Narbenemphysem und das Überdehnungsemphysem, das deutlich weniger Probleme macht. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um "klassische" Emphyseme, bei denen die Wand der Lungenbläschen durch eine chronische Entzündung zerstört wird. Beim Narbeemphysem kommt es vielmehr zur Überdehnung von Lungengewebe in der Umgebung von narbig schrumpfenden Lungenbereichen – zum Beispiel infolge einer narbig abheilenden Lungenerkrankung wie einer Lungenentzündung oder einer Tuberkulose. Ein Überdehnungsemphysem entsteht, wenn sich die Restlunge nach einer operativen Teilentfernung der Lunge ausdehnt, oder bei starken Formveränderungen des Brustkorbs (zum Beispiel einer Wirbelsäulenverkrümmung).
Das Altersemphysem ist eine Sonderform des Lungenemphysems, das keine Krankheit darstellt. Da es sich um eine normale Alterungserscheinung handelt, wird es auch als "physiologisches Emphysem" bezeichnet. Die Lunge verliert hierbei altersbedingt an Elastizität und Dehnbarkeit. Schwere Atemnot wird beim Altersemphysem nicht beobachtet.
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13.09.2005, aktualisiert am 10.03.2011
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