Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen

Erkrankungen der Lungen gehören neben Atemwegskrankheiten zu den Hauptursachen von Atemnot. Husten ist ein häufiger Begleiter
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 17.02.2016

Ärzte können viele Lungenerkrankungen "hören"

W&B/Fotolia

Das Lungengewebe im engeren Sinn setzt sich aus Hunderten von Millionen Luftbläschen (Alveolen) zusammen. Diese sitzen wie Trauben an den kleinsten Bronchien. Umschlossen sind sie von einem Netz feinster Gefäße (Kapillaren). Der eingeatmete Sauerstoff gelangt aus den Luftbläschen über die Kapillaren und schließlich die Lungenvenen in das linke Herz, von dort aus weiter in die Körperorgane.

Das heißt, ausnahmsweise transportieren hier Venen sauerstoffreiches Blut. Das Kohlendioxid nimmt die umgekehrte Richtung, es gelangt über feinste Adern in die Kapillaren und von dort in die Lungenbläschen. Dann wird es abgeatmet.

In diesem Kapitel geht es um Erkrankungen wie Lungenkrebs, Lungenentzündung und Lungenfibrose einschließlich exogen-allergischer Alveolitis und BOOP-Syndrom. Weitere Aspekte sind Lungenveränderungen wie Emphysem, Atelektase und das akute Lungenversagen (ARDS).

  • Lungenkrebs (Bronchialkarzinom): Es ist allgemein üblich, vom Bronchialkarzinom als Lungenkrebs zu sprechen. Zwar entsteht Lungenkrebs häufig in den Bronchien. Aber oft sind angrenzende Teile der Lunge mitbetroffen. Mittlerweile ist das Bronchialkarzinom die häufigste Krebstodesursache bei Frauen und Männern. Hauptverantwortlich ist Zigarettenrauch (Aktiv- und Passivrauchen). Weitere Auslöser sind Stoffe in der industriellen Produktion und Baustoffe, allen voran Asbest, sodann Radon in Wohnungen, Luftverschmutzung, genetische Veranlagung und Narben in der Lunge durch Vorerkrankungen. Es gibt zwei Hauptformen: das aggressivere kleinzellige Lungenkarzinom, das ausschließlich bei Rauchern vorkommt, und das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom.

    Symptome: Frühe Symptome fehlen im Allgemeinen. Verdächtig können bei Erwachsenen über 40 Jahren eventuell anhaltende oder wiederholte erkältungsähnliche Symptome sein, die trotz Behandlung nicht zurückgehen, vor allem auffallender Husten. Dieser, dazu viel Auswurf, eventuell auch blutig, Atemnot, Brustschmerzen, Heiserkeit, mitunter eine Schluckstörung und stärker hervortretende Gefäße am Hals und Nacken oder Herabsinken eines Augenlids, können, müssen aber nicht Zeichen der fortgeschrittenen Erkrankung sein. Wenn bestimmte Lungentumoren, etwa sogenannte Karzinoide, Hormone bilden, sind teilweise spezielle Krankheitszeichen möglich, zum Beispiel ein sogenanntes Cushing-Syndrom. Das Blutkalzium kann ansteigen, es kann sich ein Unterzucker entwickeln oder eine Muskelschwäche auftreten, zum Beispiel eine Myasthenie (siehe auch unter "Schluckstörung (Dysphagie)"; Kapitel "Gehirn, Nerven, Muskeln", und im Ratgeber "Myasthenie").

    Diagnose: Leider wird die Diagnose oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium gestellt. Richtungsweisend sind bildgebende Verfahren (verschiedene Arten der Computertomografie) und endoskopische Untersuchungen, die auch eine Gewebeentnahme (Biopsie) zur feingeweblichen Untersuchung einschließen. Anhand der Befunde wird das Erkrankungsstadium festgelegt. Danach und nach weiteren Merkmalen des Tumors richtet sich die Therapie. Sie umfasst eine Operation (meist gilt das jedoch nicht für das kleinzellige Bronchialkarziom), Chemo- und Strahlentherapie sowie neue, zielgerichtete Therapien mit sogenannten Tyrosinkinasehemmern bei nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen.

    Mehr, insbesondere zur Diagnose und Therapie, steht im Ratgeber "Lungenkrebs".

  • Atelektase: Unter Atelektasen versteht man den Kollaps kleinster Bronchien und angrenzender Lufträume in den Lungen – vereinfacht gesagt entstehen luftleere Räume. Atelektasen sind ähnlich wie Bronchiektasen (siehe unter "Atemnot– Ursachen: Erkrankungen der unteren Atemwege") und Emphysen (siehe unten) keine eigenständigen Lungenkrankheiten, sondern mögliche Folgen deselben. Zum Beispiel kann eine Verlegung von innen die Ursache sein, etwa verstopfende Sekrete, ein Tumor (siehe oben: Lungenkarzinom) oder ein Fremdkörper. Äußerer Druck auf das Lungengewebe, wie bei größeren Emphysemen (siehe unten) oder einem Brustfellerguss möglich, ein hoch stehendes Zwerchfell bei einer Lebererkrankung oder ein Tumor außerhalb der Lungen können den Kollaps ebenfalls verursachen. Schließlich können untere Lungenbereiche durch eine geschwächte Atmung von der Belüftung abgeschnitten werden. Dazu kommt es häufiger bei gebrechlichen, bettlägerigen Menschen. Auch nach einer Lungenembolie können in den betroffenen Lungenabschnitten Atelektasen entstehen.

    Symptome: Sie hängen von der Grunderkrankung beziehungsweise auslösenden Ursache ab. Meistens herrschen Atemnot und Blaufärbung der Lippen vor (Zyanose).

  • Emphysem (Lungenemphysem): Emphysem (gr. Aufblähung) bedeutet eine nicht mehr rückgängig zu machende Lungenüberblähung. Hauptverantwortlich ist das Rauchen. Damit ist das Lungenemphysem ein Teilaspekt der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Es beginnt mit einer anhaltenden Entzündung des Gewebes zwischen den kleinsten Bronchien und den Lungenbläschen. Das in den Zwischenräumen sitzende elastische Stützgewebe (Bindegewebe), das die Lungenbläschen (Alveolen) offenhält, wird dabei geschädigt und durch körpereigene Enzyme namens Proteasen abgebaut. Dann erweitern sich die betroffenen Lufträume. Wesentliche Mitspieler sind Stoffe im Zigarettenrauch, die den körpereigenen Stoff alpha-1-Antitrypsin hemmen. Dieser hält normalerweise die Proteasen unter Kontrolle. Daher heißt er Proteaseinhibitor.

    Gendefekte führen zu einem erblich bedingten alpha-1-Antitrypsin-(AAT-)Mangel, auch Proteaseinhibitor-Mangel genannt. Er kann unterschiedlich schwer ausgeprägt sein. Bei nur leichtem AAT-Mangel verstärken oft Schadstoffe wie Zigarettenrauch, Infekte und Stäube das Krankheitsgeschehen. Die Folge ist jeweils ein deutliches Lungenemphysem.

    Manchmal entwickelt sich ein Emphysem auch durch Überdehnung der Lunge aufgrund von Narben oder nach Entfernung von Lungengewebe. Das Emphysem kann in verschiedenen Bereichen der Lunge auftreten, häufig im sogenannten Oberlappen, oder es verteilt sich gleichmäßig über die Lungen. Größere Emphysemblasen können umgebendes Lungengewebe zusammendrücken (Atelektasen) und so die Atemnot vergrößern.

    Symptome: Leitsymptom des Lungenemphysems ist die Atemnot. Zusätzlich kommt es oft auch zu "Bronchitis-Symptomen" wie Husten und Auswurf, außerdem zu wiederholten Atemwegsinfektionen. Die Betroffenen nehmen beim Atmen oft eine Sitzposition mit aufgestützten Armen ein, um so die Atemhilfsmuskeln – bestimmte Brust- und Bauchmuskeln – besser zu nutzen und mehr Atemkraft zu entwickeln. Durch die sogenannte Lippenbremse (Ausatmen gegen die fest geschlossenen Lippen) erhöht sich der Druck im Brustraum beim Atmen, um die Kollapsneigung der Bronchien zu überwinden.

    Mehr Wissenswertes finden Sie unter COPD im unter "Ursachen: Erkrankungen der unteren Atemwege" und im Ratgeber "Lungenemphysem".
  • Lungenentzündung (Pneumonie): Atemnot ist auch bei Lungenentzündungen eines der Leitsymptome. Entweder entzündet sich der Bereich der Lungenbläschen oder das Gewebe dazwischen, das sogenannte Interstitium. Es gibt viele Formen und Ursachen. Ein typischer Entstehungsweg ist, dass eine Infektion von den oberen Atemwegen auf die Lunge übergreift (Bronchopneumonie).

    Verantwortlich sind Erreger wie Bakterien, Viren, Pilze und andere Mikroorganismen. Als Viren dominieren zum Beispiel Influenza-A- oder B-Viren. Für SARS, das schwere akute respiratorische Syndrom, und die MERS-Erkrankung (Middle-East respiratory syndrome) sind sogenannte Coronaviren verantwortlich (siehe auch weiter unten: akutes Atemnotsyndrom). Bei den Bakterien sind es außerhalb von Krankenhäusern häufig Pneumokokken oder Haemophilus influenzae. Im Krankenhaus sind Keime wie Staphylococcus aureus und Pseudomonas wichtige Erreger.

    Sogenannte atypische Pneumonien werden zum Beispiel durch Legionellen (Quellen: Luftbefeuchter und Wasserreservoirs, zum Beispiel in großen Wohnanlagen, Heimen, Passagierschiffen) verursacht. Bei Immunschwäche (HIV-Infektion / Aids) tritt öfter eine sogenannte Pneumocystis-Pneumonie (Pneumocystis ist ein Schlauchpilz) auf. Andere zehrende Erkrankungen oder eine Organtransplantation können andere Arten von Pilzpneumonien nach sich ziehen.

    Weitere Ursachen von Lungenentzündungen sind Aspiration von Nahrung oder Magensaft in die Luftwege. Bakterien haben dann leichteres Spiel, da sie auf Gewebe treffen, das durch das Aspirat geschädigt wurde. Pneumonien sind außerdem im Verlauf einer Lungenembolie (mehr im Kapitel "Atemnot – Ursachen: Lungengefäße") möglich. Auch nach einer Bestrahlung kann es zu einer Lungenentzündung kommen. Weitere, allerdings seltene Ursachen sind Autoimmunerkrankungen wie ein systemischer Lupus erythematodes oder rheumatoide Arthritis. Die Lungentzündungen heißen hier Pneumonitis –  im Unterschied zu den erregerbedingten Formen der Pneumonien.

    Meistens heilt eine Pneumonie folgenlos aus. Die Betroffenen sind allerdings oft noch längere Zeit danach schlapp und müde. Andererseits verlaufen manche Pneumonien chronisch. Und sie sind mit Abstand die häufigsten, potenziell tödlichen Infektionskrankheiten in den westlichen Ländern. Mögliche Komplikationen sind unter anderem Herz-Kreislaufprobleme, ein Lungenabszess (bei bakteriellen Formen), Streuung der Erreger im Blut und Infektion eines anderen Organs.

    Symptome: Eine typische Lungenentzündung beginnt meistens plötzlich, mit hohem Fieber und Schüttelfrost. Es tritt starker Husten und rötlich-brauner Auswurf auf. Die Atmung ist beschleunigt, es kommt zu Kurzatmigkeit, Brustschmerzen und Atemnot. Das Allgemeinbefinden ist erheblich beeinträchtigt. Bei Kleinkindern ist das teilweise sichtbare Vibrieren der Nasenflügel ("Nasenflügeln") beim Atmen typisch.

    Atypische (oder interstitielle) Lungenentzündungen verlaufen häufig langsamer, milder und weniger akut, ohne Schüttelfrost, mit nur leichtem Fieber keinem oder nur wenig Auswurf, aber doch deutlichen Kopf- und Gliederschmerzen. Ähnlich kann eine Pneumonitis verlaufen: Hüsteln, Atemnot und ein Leistungsknick können hier die führenden Symptome sein. In der Folge kann sich auch eine Lungenfibrose (siehe unten) entwickeln.

    Der Ratgeber "Lungenentzündung" beschreibt das Krankheitsbild der Pneumonie ausführlich.

Röntgenbild: Tuberkulose in beiden Lungen

W&B/Prof.Dr.med.T.O.F.Wagner, Uni Frankfurt
  • Lungentuberkulose (Lungen-Tbc, pulmonale Tbc; Erstinfektion = Primärtuberkulose): Die Infektionskrankheit wird überwiegend durch Erreger namens Mycobakterium tuberculosis übertragen. Bei Patienten mit normaler Immunabwehr kann sich die Erkrankung innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Ansteckung entwickeln. Tests können schon nach etwa acht Wochen ein positives Ergebnis zeigen. Zu den Risikogruppen gehören unter anderem ältere Menschen, Patienten mit Diabetes mellitus, Nierenschwäche, Immunschwäche, HIV-Infektion, auch Raucher, Drogenabhängige, Riesende und Einwanderer aus Risikogebieten. Die Ansteckung erfolgt meistens als Tröpfcheninfektion über die Atemwege. In einem alten Tuberkulose-Herd können lebende Tuberkulose-Bakterien wieder aktiv werden, wenn die Körperabwehr geschwächt ist (sogenannte endogene Reinfektion). Da die Tuberkulose-Neuinfektionsraten hierzulande momentan sehr niedrig sind, ist das derzeit der häufigste Erkrankungsweg.

    Symptome: Beschwerden können fehlen, insbesondere bei der sogenannten latenten tuberkulösen Infektion. Hier sind Tests zwar positiv, andere Krankheitszeichen sind nicht erkennbar. Zeigt sich jedoch ein verdächtiger Röntgenbefund, liegt eine Infektion vor. Ein Leitsymptom ist Husten länger als drei Wochen. Außerdem können Allgemeinsymptome auftreten wie leichtes Fieber, Nachtschweiß, Appetit- und Gewichtsverlust, Schwäche. Atemnot und Bluthusten sind meist Zeichen der fortgeschrittenen Erkrankung.

    Der Ratgeber "Tuberkulose" informiert Sie eingehend.
  • Lungenfibrose & Co.: Wenn Bindegewebe auf Kosten des ursprünglichen Gewebes in einem Organ zunimmt, nennen Ärzte das Fibrose. Durch den Umbau schrumpft die Austauschfläche für Atem- und Blutgase. Lungenfibrosen gehören zu den chronischen, diffusen, parenchymatösen Lungenerkrankungen (vereinfacht übersetzt: Lungengewebserkrankungen). Ärzte ordnen hier mehr als 300 Krankheiten ein. Nur bei einem Teil davon ist die Ursache bekannt. Dazu gehören einige Infektionskrankheiten, sodann Staubinhalationskrankheiten (Pneumokoniosen; siehe Extra-Abschnitt unten), die exogen-allergische Alveolitis (siehe ebenfalls weiter unten), Arzneimittel, Strahlentherapien, Systemerkrankungen des Bindegewebes (Kollagenosen), "Knötchen-" oder Granulomerkrankungen wie die Sarkoidose, und sogenannte Speicherkrankheiten. Bei den Lungengewebserkrankungen unbekannter Ursache (idiopathisch) mit chronischer Fibrosebildung werden unter anderem Krankheiten wie idiopathische unspezifische interstitielle Pneumonie und idiopathische Lungenfibrose eingeordnet.

    Schließlich reihen sich chronische Veränderungen der Lungen bei Herzschwäche hier ein (siehe auch unter "Atemnot – Ursachen: "Herzkrankheiten"). Mitunter entwickelt sich ein Hochdruck der Lungengefäße. Beides kann auf das Herz (genauer: die rechte Herzhälfte) zurückwirken, es belasten und schwächen (Cor pulmonale).

    Symptome bei Lungenfibrosen und anderen chronischen Lungengewebserkrankungen: Je nach Ursache können anfangs wenig Symptome bestehen, oder es dominieren Beschwerden durch die Grunderkrankung. Mit fortschreitender Fibrose kommt es zu Atemnot bei Belastung, später auch in Ruhe. Die Atemfrequenz ist gesteigert, die Atmung eher oberflächlich. Beim Versuch vertieften Atmens stoßen die Betroffenen bald an Grenzen. Außerdem neigen sie zu trockenem Husten. Blaue Lippen (Zyanose), aufgetriebene Fingerendglieder ("Trommelschlägelfinger") und uhrglasartig gewölbte Fingernägel sind Zeichen chronischen Sauerstoffmangels.
  • Pneumokoniosen (Lungenerkrankungen durch Inhalation von anorganischen Stäuben), zum Beispiel Silikosen und Asbesterkrankungen:

    – Silikose
    ist die häufigste Pneumokoniose und eine meldepflichtige Berufskrankheit. Sie entsteht durch eingeatmeten quarzhaltigen Feinstaub. Das Bindegewebe in den Lungen bildet sogenannte Silikonknötchen. Schrumpfungsvorgänge begünstigen ein Emphysem (siehe oben), viele Knötchen zusammen ergeben Schwielen.

    Bis sich Beschwerden entwickeln, dauert es meist zehn bis fünfzehn Jahre. Die Neigung zu Lungeninfektionen ist erhöht, ebenso das Risiko für eine Zweitkrankheit namens progressive systemische Sklerose (auch systemische Sklerodermie, eine systemische Bindegewebserkrankung oder Kollagenose). Silikose-Kranke haben im Vergleich zu Nicht-Silikose-Kranken ein doppelt so hohes Risiko für Lungenkrebs.

    Symptome:
    Schon früh kommt es zu einer gewissen Atemnot bei körperlicher Belastung, später ist grauer Auswurf ein charakteristisches Merkmal. Außerdem treten Beschwerden wie bei chronisch-obstruktiver Bronchitis / COPD auf (siehe "Atemnot – Ursachen: Erkrankungen der unteren Atemwege").

    – Auch Asbestosen und durch Asbest erzeugte Krebserkrankungen
    sind meldepflichtige Berufskrankheiten. Asbesthaltige Arbeitsstoffe sind in Deutschland seit 1993 verboten, EU-weit seit 2005. Sofern es wirklich unvermeidbar ist, sich Asbestfaserstaub auszusetzen, gelten strenge Schutzvorschriften. Die Diagnose ergibt sich aufgrund der Berufstätigkeit, anhand von Röntgenbildern, klinischen Befunden, zum Beispiel eine reduzierte Lungenfunktion, sowie dem Nachweis von Asbestfasern und Entzündungszellen im Sekret aus den tiefen Atemwegen (sogenannte bronchoalveoläre Lavage (BAL) bei einer Bronchoskopie).

    In den Lungen können Asbestfasern sich zu langen Spänen auffasern. Sie wandern aus den Alveolen ab und bilden häufig Depots in der Nähe des Rippenfells. Dazu passt, dass die häufigste Komplikation eine sogenannte Asbestpleuritis ist, eine Rippenfellentzündung mit wiederholten kleinen Rippenfellergüssen. Sie tritt in den ersten 20 Jahren nach Exposition auf. Asbest führt zudem zu einer Lungenfibrose und Krebs. Für das erhöhte Lungenkrebsrisiko gibt es eine Rechenformel: Bei ca. 25 Faserjahren verdoppelt es sich. 1 Faserjahr entspricht 1x106 Fasern/m3 Atemluft x1 Jahr. Die Entwicklungszeit kann 15 bis 50 Jahre ab Beginn der Asbesteinwirkung betragen. Die Risiko-Erhöhung für Lungenkrebs durch Rauchen plus Asbest übersteigt die Summe beider erhöhten Einzelrisiken.

    Überdies begünstigt Asbest Krebs des Brustfells (Rippenfells), seltener des Bauchfells oder Herzbeutels (maligne Mesotheliome); ohne Asbestbelastung kommen diese Krebserkrankungen praktisch nicht vor. Auch Kehlkopfkrebs tritt unter Einfluss von Asbest häufiger auf.

    Symptome:
    Bei fortgeschrittener Lungenerkrankung durch Asbest wird das Luftholen immer schwerer. Die Lungenfunktion (Atemtests) lässt nach, es kann schließlich zu deutlicher Einschränkung der Atemkapazität und zu einer Herzbelastung (Lungenherz, auch Cor pulmonale) kommen. Rippenfellkrebs kann ebenfalls zu Atemnot, außerdem zu Brustschmerzen und Husten führen. Ein mögliches Warnsysmptom für Kehlkopfkrebs wiederum ist Heiserkeit.

    Vorbeugung von Staubinhalationserkrankungen:
    Die Arbeitsschutzvorschriften einschließlich konsequenter Staubbekämpfung und regelmäßiger arbeitsmedizinischer Untersuchungen senken das Risiko einer chronischen Berufserkrankung der Atemwege. Eine unbestritten positive Wirkung hat Rauchverzicht. Wichtig ist immer auch die gründliche Behandlung von Atemwegsinfekten. Berufskrankheiten sind im übrigen nicht nur meldepflichtig, sondern rehabilitations- und entschädigungspflichtig.
  • Exogen-allergische Alveolitis: Das Lungengewebe entzündet sich hier aufgrund einer Veranlagung zu einer allergischen Reaktion. Auslösend sind Teilchen in der Luft wie zum Beispiel Tiereiweißstoffe, Baumwollpartikel, Pilzbestandteile und vieles mehr, hier allgemein "organische Antigene" genannt. Es gibt Überlappungen mit Lungenfibrosen. Zwei Beispiele für diese Erkrankungen, die ebenfalls als Berufskrankheiten gelten, sind die Farmerlunge bei Beschäftigten in der Landwirtschaft und die Tierhändlerlunge.

    Symptome:
    Eine exogen-allergische Alveolitis kann sich erstens mit akuten Atemwegsbeschwerden bemerkbar machen, die einige Stunden nach Kontakt mit dem Auslöser auftreten: ein wichtiger Unterschied zum allergischen Asthma, das ja einer Sofortreaktion auf den Auslöser entspricht. Zweitens: Es kommt nicht nur zu Husten und Atemnot, sondern auch zu Fieber, manchmal auch zu Kopf- und Gliederschmerzen. Wenn kein Antigenkontakt mehr besteht, klingen die Beschwerden meist nach einem Tag wieder ab. Das Krankheitsbild kann sich schleichend oder chronisch in Richtung einer Lungenfibrose (siehe oben) weiterentwickeln. Die Atemnot, die sich zunächst nur bei körperlicher Belastung bemerkbar macht, nimmt dann langsam zu und tritt später auch in Ruhe auf. Auffallende Müdigkeit und Gewichtsverlust gehören dann ebenfalls häufig zu den Beschwerden.

    Diagnose, Therapie:
    Die Diagnose ergibt sich aus der Kranken- und Berufsgeschichte, Blutwerten (Antikörpern), Röntgenbildern, Untersuchungen der Lungenfunktion (Atemtests) und aus charakteristischen Befunden des aus den tiefen Atemwegen via Bronchoskopie gewonnenen Schleimes (BAL, siehe oben unter Pneumokoniosen / Asbest). Die Therapie beinhaltet bei zuverlässiger Diagnose einen Berufswechsel, bei akuten Beschwerden Kortison.
  • BOOP-Syndrom: Die Abkürzung BOOP steht für Bronchiolitis mit "organisierender Lungenentzündung". Damit ist gemeint, dass das Gewebe infolge der Entzündung vernarbt. Betroffen sind die kleinen endständigen Bronchien in der Tiefe der Atemwege. Der Bereich entzündet sich, ohne dass die Ursache dafür immer klar wäre (daher kann dann auch nicht immer gesagt werden, ob es sich nicht eher um eine idiopathische interstitielle Pneumonie handelt; dazu siehe oben: Lungenfibrose). Die betroffenen kleinen Bronchien können veröden (Bronchiolitis obliterans).

    Fassbare Auslöser können Infektionskrankheiten sein, etwa eine Virusgrippe oder die Malaria. Auch Patienten, die an einer rheumatischen Erkrankung oder Sklerodermie leiden, können ein BOOP-Syndrom entwickeln. Nach einer Chemo- oder Strahlentherapie oder bei einer Behandlung mit bestimmten Medikamenten gegen Rheuma-Erkrankungen wie auch nach Organtransplantationen kann es ebenfalls auftreten. Die Lungenfunktion kann sich im Verlauf der Erkrankung verschlechtern und die Erkrankung das Herz belasten. Das Krankheitsbild ist selten.

    Symptome sind Atemnot bei Belastung, Husten und leichtes Fieber. Mitunter haben Betroffene kaum Beschwerden. Da ein BOOP jedoch auch mit anderen Grunderkrankungen verbunden sein kann, sind hin und wieder doch Krankheitszeichen zu erwarten.

    Die Diagnose ergibt sich aus den Beschwerden, den körperlichen Untersuchungsbefunden (unter anderem auffällige Atemgeräusche beim Abhören der Lungen), aus bildgebenden Verfahren wie einer Computertomografie der Lungen, meist auch anhand einer Lungenbiopsie.

    Therapeutisch setzt der Arzt je nach genauer Diagnose entzündungshemmende Medikamente wie Kortison und andere Substanzen ein, zum Beispiel Pirfenidon. Teilweise können sie die Lungenfunktion verbessern. Bakterielle Infekte werden gezielt mit Antibiotika behandelt.

    Der Beitrag "Lungenfibrose" fasst die wichtigen Aspekte bei Lungenfibrose zusammen.
  • Akutes Lungenversagen (ARDS oder Adult (Acute) Respiratory Disstress Syndrome): Die Abkürzung ARDS steht für akute Atemkrisen zuvor lungengesunder Menschen infolge von Verletzungen oder schweren Verläufen bei Krankheiten wie beispielsweise einer Lungenentzündung (siehe auch SARS, MERS), Bauchspeicheldrüsenentzündung, Blutvergiftung. Dabei können mehrere schwerwiegende Veränderungen zusammenkommen, etwa ein Lungenödem (siehe unter "Atemnot – Ursachen: Lungengefäße"), Atelektasen und Durchblutungsstörungen in der Lungenstrombahn.

    Symptome: Zunächst stehen die Symptome der auslösenden Verletzung oder Erkrankung im Vordergrund. Die sich entwickelnde Lungenschädigung führt zu ausgeprägtem Sauerstoffmangel, der die Atemfrequenz ansteigen lässt. Dadurch kommt die Zusammensetzung des Blutes durcheinander: Das Verhältnis aus Blutsalzen, Säuren und Basen verändert sich in ungünstiger Weise. Falls sich die Entgleisungen wichtiger Körperfunktionen nicht beheben lassen, drohen Krämpfe und Bewusstseinsverlust. Die Atemnot nimmt weiter zu. Schließlich kann die Atmung versagen.

    Therapie: Notruf 112, notfallmäßige Beatmungsbehandlung, eventuell extrakorporaler Gasaustausch, Behandlung der Grundkrankheit und der eingetretenen Komplikationen. Ärzte erwägen je nach Umstand manchmal auch eine Lungentransplantation.

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